Huhuuuuhuuuu… Der kalte Wind, ein Sturm nahezu, weht um das alte morsche Backsteingemäuer, und dort in einer der hintersten Winkel hockt ein altes runzliges Weib und stößt Laute aus, die das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Nun, wir wollen ja nicht übertreiben und die Horrorgeschichten überstrapazieren, die sich in einigen Kritiken zum neuen, zweiten, lang erwarteten Longplayer von

ESBEN AND THE WITCH

tummeln.

Nicht schauerlich klingen sie hier, nicht wie die gruseligen Märchen (die jedoch nicht nur von den Bandmitgliedern selbst häufig als Inspiration für ihre Musik genannt wird), nicht blutrünstig, nicht alptraumhaft und schon gar nicht die Transformation und Vertonung von ehemaligen Cure und Siouxsie & The Banshees-Klängen in die Neuzeit.
Und mit Sicherheit auch kein Neo-Goth.
Einen Gothic-Jünger der alten Garde (nein, kein Widerspruch) möchte ich sehen, der seine alten Helden aktuell durch

ESBEN AND THE WITCH

repräsentiert sieht.

Es sind eher Klänge, die (damals / früher) auf einem Heavenly Voices-Sampler gut Platz gefunden und sich dort nahezu anstandslos eingereiht hätten.

esben

Iceland Spar
Slow Wave
When That Head Splits
Shimmering
Deathwaltz

Yellow Wood
Depair
Putting Down The Prey
The Fall Of Glorieta Mountain
Smashed To Pieces In The Still Of The Night

Dabei ist die Anbiederung der Band an dunkle Themen offensichtlich. Titel wie When The Head Splits, Deathwaltz oder Smashed To Pieces In The Still Of The Night verkünden nicht gerade sonnengeschwängerte, romantische Liebeslieder.

Sie vermitteln eine eher fremdartige Stimmung, oft lasziv schwebend, launig, slow-wavig, durchzogen von verwobenen Melodiebögen, gleichsam vollkommen auf den Einsatz elektronischer Instrumente verzichtend, den man hätte erwarten können.

Der Titel des Albums,
Wash The Sins Not Only The Face,
ein altgrieschisches Palindrom (freilich nur in der Originalsprache, siehe hier ΝΙΨΟΝ ΑΝΟΜΗΜΑΤΑ ΜΗ ΜΟΝΑΝ ΟΨΙΝ) zeugt von der Affinität der Musiker zu nahezu okkult anmutenden Wirrungen längst vergangener Tage.

Dabei wollen sie eigentlich gar nicht die schwarz und dunkelgewandeten Gestalten sein sondern lebenslustig und modern wirken und nicht ihre Inspirationen sondern ihre Musik in den Vordergrund gerückt sehen. Es ist ein zusammengehörig wirkendes Album geworden, es passt zusammen, ergänzt sich, fließt. Dennoch bleibt da ein gewisses Fragezeichen hinter all dem wabernden Sound und dem Image, dass sich die Band schon mit ihrer Namensgebung auferlegt hat und ein Weiteres hinter der in Interviews oft genannten Bindung an mystische Rythen und unerklärliche Phänomene: ist das Ganze ein ernstes Unterfangen, etwa aus religiösem Hintergrund?
Oder nur das Aufspringen auf einen Zug der Renaissance?
Wenn man der Versuchung nicht widerstehen kann mit seiner Musik ausschließlich Image und Gefühl zu transportieren gerät oft das ganze Unternehmen in Schieflage und lässt die Fassade einstürzen.

So bleibt zu hoffen, das
Wash The Sins Not Only The Face
nicht untergeht sondern das Licht des neuen Tages auch außerhalb verkommener Hütten erleben wird.

esbenandthewitch

61/100

Ein Kommentar zu „In der Dunkelheit vor dem Sonnenuntergang: ESBEN AND THE WITCH – Wash The Sins Not Only The Face

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