Nun stell Dir mal vor, jemand würde Dich bitten, die rumänische Zeitansage rückwärts zu singen. Und, wie wäre das?
Es gibt Menschen, bei denen klänge selbst dies wahrscheinlich ziemlich grandios.
Katie Stelmanis ist so ein Mensch.

Und, Mensch, ja – wie doch die Zeit vergeht.
Das neue

AUSTRA

-Album steht ab morgen in den Läden, dabei klingt das Debüt von 2011 Feel It Break noch sehr frisch in den Ohren.

Gewichen sind einige der hymnischen Qualitäten, spielerisch leicht rüberkommenden dunklen Beats und die verschachtelten Melodiebögen, die unwirkliche Pomposität des Erstlings hat sich verändert zu einer gewissen Einfachheit und einfacher zugänglichen Songstrukturen. Hier findet sich alles, Dancefloor, mit Piano unterlegte House-Sprengsel bis hin zu Dubstep-Ambitionen.

So ist es nun einer breiteren Masse leichter, sich in

AUSTRA

und deren Musik zu verlieben.

Ob der Verlust des Unberechenbaren und der unbedarften, nahezu naiv anmutenden Gedankenlosigkeit und der fast genialen Improvisation beim Einspielen ihrer Songs mit Blick auf eine größere Massenkompatiblität,
sei sie beabsichtigt oder einfach eine Weiterentwicklung, ein positiver Schritt ist,
kann momentan schwerlich schon abschließend beurteilt werden.

aust

What We Done?
Forgive Me
Painful Like
Sleep
Home
Fire
I Don’t Care (I’m A Man)
We Become
Reconcile
Annie (Oh Muse, You)
You Changed My Life
Hurt Me Now

Es ist der Blick in die Vergangenheit, der sich immer wieder einstellt wenn man das treibende, oftmals beatlastige Olympia
hört, doch, wohin man auch hört, die mysteriös verklärten Nebel der dunklen Seite der Sonne sind in AUSTRAs neuer Musik fast vollständig verschwunden. Klarer sind die Sounds, die Sonne blinzelt kurz und beginnt dann zu leuchten.

Unverkennbar ist die Richtung: große Bühne.
Schon auf ihrer Tour mit Gossip war dies klar zu erkennen, den Weg in die Kinderzimmer der heranwachsenden Hörerschaft sollte geebnet werden.

Mit
Olympia
ist diese Teilstrecke nun bewältigt, der Blick frei in die hell scheinende Zukunft der mittlerweile auf ein Sextett angewachsenen Band.

Painful Like brodelt vor sich hin und allein der etwas neben der Musik stehende Gesang ist es, der den Titel von hitparadiöser Belanglosigkeit entfernt hält. Sleep kommt mit Glöckchen am Beginn, dann ein schleichendes Bassspiel, dann Stimme. Und kommt trotzdem nicht recht in Gang.

Home beginnt fast klassisch mit Piano.
Großartig, wie hier wieder alles zusammenpasst und Katie Stelmanis die Zügel fest in der Hand hat – im Gegesatz zu der Geschichte die sie erzählt, dort wartet sie doch vergeblich, blutenden Herzens in heimischen Gefilden auf die Rückkehr des Geliebten.

Durchgehend ist auch auf ihrem neuen Output die in jedem Stück vorhandene Drum-Line, die Maya Postepski wieder hervorragend an Kongas und Marimbas hervorzaubert und die beim Entstehen der neuen Songs einen maßgeblichen Einfluß hatte:

“There is a major percussive element running through every song, this is the album where we discovered rhythm.”

Ist man schließlich bei We Become angekommen, lohnt sich doch noch ein Blick, ob tatsächlich auch die richtige Platte läuft, haben doch

AUSTRA

mit dem Tears For Fears-Klassiker Shout geliebäugelt und sich
dort einiges an Kling-Klang ausgeliehen.

Es macht Spaß, dieses
Olympia,
auch wenn ihnen der ganz große Song dieses Mal nicht gelingt.
Es ist im herkömmlichen Sinne poppiger geraten als sein Vorgänger, hat sich ein gutes Stück vom Gothic-Elektro-Image entfernt und es ist die Stimme der Leadsängerin, bei der alles zusammenläuft und genau die ist es,
die die Einmaligkeit dieser Band ausmacht.

° ° °

austramusic

92/100

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.