TNP (2)

Manchmal gerät man mit seiner Sprache an Grenzen. Der Versuch, mit bildlicher Wortwahl einen Eindruck von Musik zu verschaffen und das Gehörte zu umschreiben, zu artikulieren was bei Tönen und Texten an Bildern durch den Kopf wandert und welche Emotionen dabei geschaffen, welche Gefühle berührt werden
ist in manchen Fällen von Vornherein zum Scheitern verurteilt.

Kunstrock, Artrock, sonstwas.

Hier wird gezimmert und gewerkelt an einem nie ganz fassbaren Etwas.

Die Zutaten sind ebenso vielfältig wie minimalistisch.

Man wartet vergeblich auf ein aufbrausendes Klanggewitter, hier fügt sich ein waberndes Teilchen ins andere. Es entstehen neue Muster, die gleich einen Moment später wieder zerstört werden, die Farben verlaufen ineinander, es wogt hin und her, ein Musikkreuzer der voll geladen ist mit zerbrechlichen Dingen, Kristall, glitzernd und glänzend, eine Melange mit geschäumtem Häubchen aus Milchschaum, überzogen mit Kakaopulver und Zimt. Wenn man hineinpustet, bewegt sich alles, verschiebt sich, dreht sich etwas und letztendlich ist da ein neues Objekt, ein Krater ist entstanden oder eine Fläche, frei, mit Blick nach Unten, auf die bräunliche Suppe die heiß und wohlschmeckend wartet.

“I like the sense with this music that you are surrounded by people playing instruments,” Jack says. “You can hear someone move or breathe before they begin playing.”

Aufgenommen in Berlin, London und irgendwo in England atmen die neuen Lieder, leben.
So wurden die neuen Songs, an denen Jack Barnett seit Mitte 2011 gearbeitet hat, nie überspielt und gesampelt, wie es in der modernen Musik üblich ist.
Alles was man hört, ist nahezu so erhalten, wie es eingespielt wurde.

Mitte der 2000 er Jahre gegründet von Jack Barnett, seinem Bruder George sowie ihrem langjährigen Freund Thomas Hein, haben

THESE NEW PURITANS

 

es immer geschafft, die Hörer zu überraschen.

Nach ihrem 2008 er Debüt Beat Pyramid, auf dem mit angepunkter Wirrnis und Wildheit um sich geworfen wurde und dem schon ein wenig kunstvolleren Hidden mit japanischen Touch und orchestralem Chor ist hier Pomp und Bombast, der gleichzeitig minimalistisch und essentiell daherkommt und auf Albumlänge einige Überraschungsmomente bietet und die nahezu vollkommene Aufmerksamkeit die es fordert, lohnt und sich aus einem Füllhorn aus Klang und Dimension über dem Hörer entlädt.

Ein bemerkenswertes Werk aus Kammermusik mit Klavier, ein Stück Kunst zwischen Realität und Wahn.

tnp

This Guy’s In Love With You
Fragment Two
The Light In Your Name
V (Island Song)
Spiral
Organ Eternal
Nothing Else
Dream
Field Of Reeds

 

° °  °

thesenewpuritans

93/100

Ein Kommentar zu „Zwischen Wahn und Realität: THESE NEW PURITANS – Field Of Reeds

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.