Editors_Anglesey_1_lores_by_Matt_Spalding(photo & allrights: Matt Spalding / EDITORS /PIAS)

Ein wenig Größenwahn hat noch niemandem geschadet. Auch, wenn man dabei nicht unbedingt wie U2 klingen sollte.

Ist das jetzt der große Wurf? Oder ein Griff ins Klo?
Laut Spex kann man diese Musik unmöglich längere Zeit hören. Von gutfinden steht da gar nichts.

Ich liebe Papillon.
Ein Meisterwerkchen, ein Song für die Ewigkeit und für’s Begräbnis.

Und dann.. gerade mal ein paar Wochen ist es her: A Ton Of Love.

Muss das sein?
Egal.

Die Frage ist doch eher: Schaffen es die

EDITORS

ihre selbst hochgelegte Messlatte auch mit Album Nummer Vier zu überspringen? Es hatte durch die aktuelle Single ja den Anschein, als würden sie große Schritte in Richtung Massenkompatiblität unternehmen. Nicht das schlechteste, wenn man seine Musik gut und sich selbst und seine (musikalischen) Ansprüche nicht mit verkauft. Wenn..

The Weight ist ein guter Einstieg. Unerwartet. Ich war auf’s Schlimmste gefasst.

Sugar. Prima.
Das größte Potential der Band ist unzweifelhaft noch immer die unterkühlte Stimme von
Tom Smith die wie gewohnt die Melodieführung übernimmt und einem nach wie vor ans Herz geht.

Apropos Herz, hier geht es um Liebe, jawohl, die

EDITORS

haben mit den großen Gesten in ihren Liedern auch die Welt der Gefühle für sich entdeckt.
Nicht umsonst heißt die Platte wie sie heißt.

Und, ja, es gibt auch einen stimmlichen und stimmungsmäßigen Ausreißer mit What Is This Thing Called Love. Falsettmäßig und langsam, mit Streichern, viel Streichern und Streicheleinheiten für, na, genau: das einsame Herz. Coldplayfans nicht hinhören, das ist viel zu heftig für Euch.

Die Vorabsingle „A Ton Of Love“ ist gewöhnungsbedürftig hinsichtlich ihres „Desire-Desire“- ich zupfe Bono an den Eiern-Geshoutes (das nicht mal gut klingt) und dem eindeutigen Fokus auf Radioairplay – und bei weitem das schlechteste Stück des Albums.

Zu bedenken ist doch, wenn erstmal ein Song publikumswirksam vermarktet wurde, werden sicher Hunderttausende Platten mehr verkauft und die Kritiken zum Album bei amazon entsprechendes melden.
„Hab eine coole Band entdeckt“ und so, man kennt das ja. Ich bin gespannt, ob die

EDITORS

nach der Sommerpause nun bei Raab landen oder doch eher bei Lanz den Weg ins Abendprogramm finden.
Melde mich hierzu später wieder.

Und, verflixt, es ist gewöhnungsbedürftig was sie hier unters Volk werfen, es geht klar in Richtung zurückrudern nachdem der Ausflug in die elektronische Variante der letzten Veröffentlichung nun doch zur Vergangenheit gehört. Schade eigentlich, mir hat es prima gefallen.

Aber, verflixt, es macht trotzdem Spaß dieses
The Weight Of Love.

Es ist noch immer angereichert mit (wenngleich wenigen) dunklen Tönen, schleichenden Melodien (wie im coolen The Hearted Spider) und Hymnen für die leicht feuchte dreckige Unterführung, es ist mehr (als genug) Pathos in den Liedern – für die Band ungewohnt, aber letztendlich verwerflich ist das nicht.
Auch ein old-fashioned-Straßenfeger à la Bruce Springsteen ist mit The Phone Book vorhanden.

Man wundert sich und stellt trotzdem fest, dass das alles in allem gut klingt.

Vielleicht hat der Ausflug von Frontman Smith mit Andy Burrows in die Winter-Weihnachts-Wunder-Welt mit dem Album Funny Looking Angels vor eineinhalb Jahren doch mehr als nur Footsteps in his mind hinterlassen.

Wo wir gerade von Weihnachten reden:
Ich wünsche mir für die nächste Platte wieder weniger Kitsch (Bird Of Prey), weniger Stadion (A Ton Of Love) mehr Synthies und mehr Dunkelheit – und mehr Dreck. Ob aber die Band, die, einmal abgekehrt von den kleinen Indie-Hallen und Spelunken und auf dem Weg in größere Stadien (ich befürchte, bei den Live-Termine -siehe unten- wird es unter Umständen noch Verlegungen geben..) ist, dem Weg in die Ohren vieler und die angepeilte Aufmerksamkeit der Masse sausen lässt? Ich wünsche mir mehr Kälte und Basslinien, die die Hose schlackern lassen, wieder mehr ihres typischen Mutes, der es ist, der einen an die Band fesselt.

Und diese ist trotz personeller Veränderung und Auflösungsgerüchten zum Trotz
in der Lage ganz schön große Töne zu spucken.

(Ist eigentlich für dieses Jahr auch ein Interpol-Album angesagt? Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch nicht. EDITORS waren schon immer besser. Doch, halt. Klingt das nicht.. verdächtig nach.. U2?)

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The Weight
Sugar
A Ton Of Love
What Is This Thing Called Love
Honesty
Nothing
Formaldehyde
Hyena
Two Hearted Spider
The Phone Book
Bird Of Prey

° ° °

editorsofficial

86/100

Live:

9.8. Rothenburg ob der Tauber – Taubertal Festival
7.10. München, Zenith
8.10. Wien, Gasometer
25.10. Hamburg, Docks
26.10. Berlin, Columbiahalle
30.10. Leipzig, Haus Auensee
1.11. Wiesbaden, Schlachthof

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