Ein dunkles undurchsichtiges und schweres Werk.

WILLIS EARL BEAL

ist seit jeher einer der angesagtesten Außenseiter des Universums.

Keine leichte Kost, eher unzugänglich und sperrig, ein Lo-Fi-Soulmate, der in Frischhaltefolie verpackte à-capella-Songs zum Besten gibt, ein verwackeltes Bild hinterlässt und den Hörer seinen Gedanken. Wir hören Post-Blues mit Handclaps, winselnd-flehenden (Sprech-)Gesang des Artisten und eine soulüberladende Stimme eines jungen Herren die klingt als hätte er das Pensionsalter vor einigen Jahrzehnten lässig überschritten. So als wäre er schon immer da gewesen, mit einer gewissen Nonchalance und Überheblichkeit, vielleicht eher einer Selbstüberzeugung (-überschätzung?) die bei der Suche nach Vergleichen ins Hinken gerät.

Nobody Knows
beginnt allein mit ihm und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bevor quälende Violine mit Cellounterstützung einsetzt.
Das alles hat den Charme eines Low-Budget-Films aus den Slums der schmutzigen Großstadt, in der schon eine Kerze auf dem Tisch die Stimmung überschwappen lässt. Der zweite Song, ein Duet mit Frau Katzenkraft Cat Power, verbreitet ein anderes Flair, geht eher in Richtung slow Blues des Altmeisters Marvin Gaye. Werden wir noch öfter um die Ohren geprügelt bekommen.

Oft genug klingt BEAL auf der mit nur ein wenig Hilfe selbstproduzierten Platte wie ein Gospelsänger, der es gerade noch aus der Gosse auf den Gehsteig geschafft hat, er verpackt seine Gefühle seiner dreckigen Wäsche und alles, ohne das eine Spur von unangenehmem Geruch in des Hörers Nase dringt.

Das kalkulierte Übel, die aufgemotzte Rotzigkeit, all dies trägt ungemein dazu bei, dass die Musik einen großen Schritt tut in Richtung Überleben. Es ist eine Anklage gegen den polierten Gleichklang der einem entgegenschlägt, sobald man die Taste des Radios drückt, egal welche Frequenz man sucht.

Mit minimaler Instrumentation schafft er ein hintergründiges, energisch-interessantes Werk.
Zaghafte Synthesizer und sparsame Streicher weisen den Weg durch eine intime Atmosphäre, leises Klavier und eine vereinzelte Gitarre bringen die Melodie dazu.

Er ist anders und diese Andersartigkeit springt uns aus jedem Ton entgegen.
Ein begnadeter Sänger auf dem Weg in die ureigenste Ewigkeit.
Ob er dort eintrifft? Nobody Knows.

web

Wavering Lines
Coming Through (ft. Cat Power)
Everything Unwinds
Burning Bridges
Disintegrating
Too Dry To Cry
What’s The Deal
Ain’t Got No Love
White Noise
Hole In The Roof
Blue Escape
Nobody Knows
The Flow

° ° °

willisearlbeal

84/100

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