Messer Presse 3
Freundliche Trendsetter am Abgrund
(Foto & allrights: This Charming Man Records / Leonie Ritz / MESSER)

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„Während ich noch das Verlangen habe, bist Du schon auf’m Trip..“

Das erste was mir beim ersten Reinhören in die neue

MESSER

-Platte sofort in den Sinn kam, sind Die Skeptiker. Hinter den Mauern der Stadt.

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Heidewitzka. Post ab. Stepp-Bär.
Energie und Power und druckvolles Gespiel, hier wird nicht weich gespült, kein lauwarmes Balsämchen für zitternde Haare in den Ohren, es gibt die volle Ladung – schlechter Traum und Erwachen mit Eiswasser.

Es klingt energisch und drängend, fast bekommt man Lust auf aggressive Tanzspektakel, Pogokram, blaue Flecken inkludiert und nie vergess ich wie sich eine Nase anfühlt, wenn sie bricht.

Postpunk* verkauft sich eventuell nicht gut in Zeiten, in denen alles Schlafzimmer sein muss um Attraktivität widerzuspiegeln.
Hier gibts kein lasziv (auf dem Cover oder im Video) räkelndes Weibchen im Wechselklang mit synthetisch-plätscherndem Hintergrundgedüdel, hier packt man kräftig in den Schritt.
(*Vielleicht fällt mir ein anderer Name ein, später.)

MESSER

aus Münster.
Keine Diskussionen, es gibt Städte, die gibt es wirklich, auch wenn man glauben muss, die Hälfte dieser Stadt schläft sogar auf ihren Fahrrädern und die Polizei der Heimatgemeinde wird durch St. Pauli-Klingeltöne zum Einsatz bestellt.

MESSER

sind Pogo McCartney, Hendrik Otremba, Philipp Weynberg und Pascal Schaumburg.

Sie tasten nicht vorsichtig sondern tun was sie müssen.
Lange habe ich keine derartige Geradeheraus-Musik mehr gehört.

Würden sie englisch singen wäre ihr Platz in der Hypemachinerie unzweifelhaft fest gebucht.
Mit deutschen Texten steht man im internationalen Bereich stets im Abseits.
Wird argwöhnisch beäugt und bestenfalls wohlmeinend belächelt.
Ob sie sich aber mit englischen Texten wohl fühlen und entsprechend ihren Wünschen und Gefühlen artikulieren könnten?
Spielt letztendlich keine Rolle,

MESSER

haben keine Texte nötig, die hierzuland niemand versteht, dazu sind sie viel zu gut, so, wie sie sind.

Jedoch ist es immer wieder beachtenswert, wie im deutschsprachigen Raum Bands mit Songs in deutscher Sprache automatisch und fast ausschließlich mit ebenfalls deutschsprachigen Bands verglichen werden. Malaria!, Ton Steine Scherben.
Diese Vergleichsmusiker, die zur Beschreibung der Musik der

Gruppe MESSER

herangezogen werden wird jungen Musikhörenden mitnichten etwas sagen oder gar bedeuten.
Eventuell liegt auch gerade hierin ein Reiz, diese Art von Weltsituationswiederspiegelungsmusik neu entdecken zu können,
frei von vermeintlich ähnlichem Getön.

„Wie viele Menschen mit ihrem Leid und Schmerz nicht wahrgenommen werden..“
sagen sie im Interview (unicum) und erklären den Titel ihres neuen Albums kurzerhand zur Widmung an die Menschen, die (u.a. im Zusammenhang mit NSU etc) starben oder verschwanden, ohne dass es jemand
wirklich mitbekam und es irgendjemanden ernsthaft interessiert hat.

Hier scheppern, ja sägen die Gitarren und die Bässe dröhnen, verzögert, dann wieder hervorpreschend, die Drums in Verbindung mit hektischem und aufgeregtem Gesang klopfen X Mal Deutschland und Sonic Youth an die Hintertür.

Es klingt frisch, es klingt neu, es klingt anders, aufgeregt und anregend. Das ist bestimmt bald Trend.

Auch gutgelaunte Menschen tragen in sich einen Hauch von Melancholie.
Ich kuck mal das ich wegkomme hier,
Die Unsichtbaren
warten.

meser

Angeschossen
Die Kapieren Nicht
Tollwut (Mit Schaum vor dem Mund)
Staub
Neonlicht
Das Versteck Der Muräne
Tiefenrausch
Es Gibt Etwas
Platzpatronen
Süßer Tee

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° ° °

gruppemesser.blogspot

90/100

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