Es bleibt immer und alles in der Familie.
In gewisser Hinsicht stimmt dies. In anderer nicht.
Einige Dinge verändern sich nie.
Das macht aber nichts.
Solange sie gut sind.

Eine fette Currywurst beispielsweise.
Die schmeckt heute, die hat auch gestern geschmeckt.
Die schmeckt sicher auch noch, wenn in Deutschland keine Frau mehr regiert.
Oder wenn Sonntagnachmittage ohne Gedanken an den folgenden Tag verstreichen.

Was ich eigentlich sagen möchte,
Blood/Lines
von

EMILY JANE WHITE

hat alles, was eine gute Currywurst ausmacht.

Schärfe.
Hitze.
Eine ansprechende Form.
Gute Beilagen.
Viel Soße und ein angenehmes Sättigungsgefühl.
Entspannung.
Zeitlosigkeit.

Unklar bleibt, warum die Künstlerin mit diesem Album durch verschiedenste mediale Einträge in eine dunkle,
magische, gruftige Ecke gezwängt wird.

Sie trägt auf dem Cover ein schwarzes Kleid.
Als würde jede/r, die/der gern mal das kleine Schwarze anzieht permanent an Geisterbeschwörung denken.. also nein.

Sie haucht. Ballt ihre Fäustchen und teilt aus, manchmal versteckt. Das ist gut so.
Nichts ist wirkungsvoller als ein unerwarteter Hieb aus dem Nichts.

Das ist aber, wenn man ihre bisherige musikalische Laufbahn verfolgt, nicht neu, nicht überraschend.
Daher, siehe oben, bleibt im Grunde alles wie gehabt.

Ihre Balladen, ihre Songs, neun an der Zahl, kreisen. Beschwören. Vereinnahmen. Liefern Gute Nacht-Lieder ebenso wie die Begleitmusik zu „ich skate durch den herbstlichen Stadtwald“.

Ihre Musik wirkt belebend. In imposanten und orchestralen Momenten geradezu erhebend.
Sie passt einfach. Wie ein Dübel in ein perfekt gebohrtes Loch. Wackelt und hat Luft. Und zwischen all der Melancholie ist es doch Musik, die Hoffnung in sich und auf den Hörer überträgt.

Wir haben Tragik, fernab von Leidenszwang, Theatralik fernab von gekünsteltem Kitsch, wir haben Piano und Orchester, da wo es hin gehört, wir haben Glocken und Gitarren inmitten von Folk und traurig-ergreifendem Songwriterpop.
Die Lieder von

EMILY JANE WHITE

sind immer voller Spannungs und häufig genug rätselhaft,
diese speziellen von Folkgeschichte und Poesie beeinflußten Songmomente.

Fast zur Gänze hat sie die Aufnahmen zu
Blood/Lines
im Alleingang fertiggestellt, Klavier, Synthie, Orgel und Gesang – erst hinterher haben
die mitwirkenden Musiker ihren Teil zum Gesamtwerk beigetragen.
So hat Marissa Nadler zum Beispiel bei Dandelion Daze und Faster Than The Devil einen Gesangspart übernommen.

Ok, es klingt nicht wie der helle Sonnenschein.
Aber deswegen hier die Verbindung zu Gruftie- oder Gothik-Melancholie auspacken?
Ich weiß nicht.

Es seien doch jedem mal die ganz persönliche Depressivitätsmomente gegönnt.
Dazu braucht man weder Kajal noch schwarzen Lippenstift.

Aber

EMILY JANE WHITE

auf den Ohren kann da schon behilflich sein.

emily

My Beloved
Faster Than The Devil
Keeley
Thoroughbred
Wake
Dandelion Daze
Holiday Song
The Roses
The Wolves

° ° °


emilyjanewhite

93/100

Ein Kommentar zu „Wolfühlschafspelz: EMILY JANE WHITE – Blood / Lines

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