Besser spät als nie.

LONDON GRAMMAR

waren und sind in vielen Mündern, in doppelt so vielen Ohren, in unzähligen Blogbeiträgen.
Sie sind einfach da.

Ihr Album
If You Wait
wird vielfach als das beste Newcomer-Album des Jahres gefeiert und schon vor dessen Erscheinen auf der Mercury Prize List aufgetaucht worden und die Vergleiche mit Austra oder The XX kommen nicht von ungefähr.

Das liegt nicht allein wohl aber zum Großteil an der Stimme von Sängerin Hannah Reid.
Hier kommt die Stille zum Zug und Schweigen fließt in ihre Musik ein, dezent, vorsichtig und hintergründig wird die Gitarre eingesetzt, verspielte und zielgerichtete Piano-Einspielungen, huschige Beats – das geht schon in diese Richtung.
Frau Reid kann mehr als man auf den ersten Eindruck wahrnimmt, sie kennt die Gefahr, die von einer stetigen Präsenz und dem alles aus sich herausholen ausgeht, kann modulieren und gibt hier mal einen Laut, fügt dort mal ein gehauchtes Wort ein und schafft so eine Art farbenfrohen Collage mit diesen zarten Sprengseln, diesem feinen Pinselstrich mehr – und eine umfassendere Vielfältigkeit.

Mitnichten ist also
If You Wait
als bloßes Abbild der oben genannten Bands zu bezeichnen.

° ° °

° ° °

Vorschußlorbeeren können auf der einen Seite eine Herausforderung darstellen, andererseits können sie aber auch bedrückend und Angst einflößend wirken und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten in Frage stellen.

Für die Entstehung der vorliegenden Platte hat sich Hannah Reid mit ihren Musikerkollegen Dan Rothman und Dot Major nach dem sich der erste Wirbel, den ihre früh im Netz kursierenden Songs (Hey Now, Metal & Dust) hervorgerufen haben, ein wenig beruhigt hatte, mehr als eineinhalb Jahre Zeit gelassen.
Sie haben nicht die Möglichkeit genutzt, irgendein Album auf den Markt zu werfen um auf den Erfolgswellen zu segeln
und womöglich bessere Verkaufszahlen zu erzielen.
Sie haben gewartet, sich die notwendige Zeit genommen, ihre Musik entstehen lassen. Denn ihre Musik braucht Zeit.

Es ist ein ruhiges, ein nachdenkliches Album.
Eine unnatürliche Spannung zieht sich durch ihre Kompositionen, getragen natürlich von der Stimme ihrer Frontfrau, die ihre Intonation sicher muttermilchmäßig in sich aufgesogen hat, so frei und groß, so offen, zart und befreit klingend kommt sie herüber.
Steht die außergewöhnliche und häufig mit „nicht von dieser Welt“ beschriebene Stimme auch im Mittelpunkt ihres Liedguts, befasst sich die Band textlich mit eher trivialen Dingen wie dem Verlust einer Liebe oder den Problemen die erst in der Phase der Selbsterkenntnis, zwischen dem Ende der Pubertät und dem Heranreifen der eigenen Persönlichkeit auftreten.
So kratzen sie die Reste des Herzschmerzes zusammen, machen drumherum eine Melodie,
vertonen das Ganze und heraus kommt eine beeindruckende Musik.

Manchmal muss man einfach warten können.

london

Hey Now
Stay Awake
Shyer
Wasting My Young Years
Sights
Nightcall
Metal & Dust
Interlude
Flickers
If You Wait

° ° °

londongrammar

97/100

2 Kommentare zu „In der Ruhe: LONDON GRAMMAR – If You Wait

  1. Hallo.. und vielen Dank für Deine (Konzert-)Eindrücke.
    Ich habe die Band erst vor ungefähr drei Monaten zum ersten Mal gehört und bin von ihrem Album (natürlich Album, was sonst.. ; ) ) sehr beeindruckt.
    Hoffen wir mal, dass sie ihren Weg weiter gehen.
    Auf das was von ihnen kommt bin ich ähnlich neugierig wie beim angekündigten Warpaint-Album..
    Viele Grüße zurück aus dem vorweihnachtlichen Wien,
    Jens

  2. Es liegt etwas verträumtes (verklärtes ?) in ihrer Musik, junge Erwachsene die ihre ersten Erfahrungen machen mit, was wir auch noch als 40jährige erfahren, Liebe, Schmerz, etc…Es ist wie bei Cocteau Twins, es braucht nicht vieler Worte um beim Hörer etwas tieferes zu erwecken.
    Ich hab sie am 16/11/2013 in Strassburg gesehen (ausverkauft) und was ihre Besonderheit macht, ist ihre „Einfachheit“, keine grosse Lightshow oder sonstige Effekte (die auch ein Konzert negativ beeinfluessen können) sondern nur ihre Präsenz (leider nur 1 Stunde). Machmal braucht es nicht mehr um einen langfristigen Eindruck zu hinterlassen.
    Eine Frage die ich mir stelle: wie wird ihr 2.Album sein (ich bin noch etwas old school, ich rede von Alben), wird es reifer sein, es wäre schade dass sie irgenwie abdriften Richtung Mainstream.
    Vielleicht liest man voneinander,
    Schöne Grüsse aus Frankreich (Elsass)
    Christian

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