Wie eine Narzisse im Frühling, zuerst nur ein kleines grünes Blättchen, auf dem Weg ins Licht, dann viele, größere Blätter, die Blüte, zuerst verschlossen, die sich öffnet, offenbart und einfach da ist, strahlend, frei.

Burn Your Fire For No Witness
ist so ein Album.

Nach dem 2012er Half Way Home
ist das, was

ANGEL OLSEN

hier zum Besten gibt eine Weiterentwicklung, die gar nicht in entsprechende Worte zu fassen ist.

War das brüchige Vorgängeralbum noch verschroben und eher etwas für musikalische Einzelgänger, mit Countryausflügen durchwoben und voll mit kratzig-kauzigen Selbstdarstellungen, ist das aktuelle Album ein riesiges, mal schleichendes, mal rockendes Ungetüm. Es hält eine ausgewogene Balance zwischen lyrischer Selbstzerfleischung und musikalischer Steinebeseitigung. Die Single, Hi-Five ist ein nahezu gewöhnlicher Rocker,
dessen rote Linie ein hervorstechendes Gitarrenspiel zeichnet.

Gleichzeitig ruft die hintergründige, fast einschmeichelnde Stimme eine aufgeregte Stimmung hervor.
Eine lockere Basslinie, umrandet von Pianozeichnungen zeichnet High & Wild aus. Olsen erzählt wie im Vorübergehen von destruktiven Gefühlen, zerbrochenen Beziehungen und schafft eine direkte, klare und eindringliche Athmosphäre.
So pendeln sich die Texte, die uns hier begleiten, fast ausnahmslos in nicht gerade positiven Gefilden ein.

„If you’ve still got some light in you then go before it’s gone and burn your fire for no witness,
it’s the only way to die.“

Es knackt und knistert in diesem spannungsgeladenen, persönlichen Album.
Die kreisenden Gitarren ihrer Begleitband tun ein Übriges, um ein dichtes und intensives Erlebnis zu schaffen.
Die stillen Momente des Albums sind ein weiteres Plus, das

ANGEL OLSEN

geschickt einzusetzen weiß.

So drifted sie vom jingeligen Stars in eine anheimelnde Stimmung des folgenden Iota, der die glimmenden Flammen, die im Inneren der Künstlerin zu lodern scheinen und an folkige Sentimentalitäten der Cowboy Junkies erinnert.
So findet man sich nur einen Moment nach dem letzten Aufschrei in stillen, meditativ-zurückgenommenen Songs wieder,
in der eine ganz persönliche Hölle ihr Feuer abbrennen lässt.

Eine der bislang hervorragendsten Veröffentlichungen des noch jungen Jahres.

angel

Unfucktheworld
Forgiven/Forgotten
Hi-Five
White Fire
High & Wild
Lights Out
Stars
Iota
Dance Slow Decades
Enemy
Windows

° ° °

angelolsen

90/100

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