Das Ende ist nah, doch wohnt in jedem Ende auch ein neuer Anfang inne.
Nie in ihrer langjährigen Karriere war es leicht für

LAIBACH

sich mit der ihnen oft (durch die Presse) unterstellten Nähe zu radikalen Tendenzen auseinander zu setzen.
Häufig wurden ihre Aussagen zu aktuellen Themen in Frage gestellt. Dabei ist die von der Band verwandte Symbolik und ihr künstlerisches Selbstverständnis inmitten der Neuen Slowenischen Kunst häufig Anlass zu unsachlicher Kritik geworden.
Dies hat ihrer Popularität und dem um sie existierenden Kult keinen Abbruch getan.

Ob dies einem nun gefällt oder nicht, ob man sie aufgrund von Gerüchten ablehnt oder sie
aufgrund ihrer Düsternis und ihrem nahezu okkulten Status liebt, sei dahingestellt.

Hieran wird sich mit ihrem jüngsten Baby nichts ändern.
Durch ihre einzigartige musikalische Herangehensweise, stets mit einem fiesen Grinsen im Gesicht und
hintergründiger Ironie präsentiert, gelingt es ihnen auch auf
Spectre
ihrem ersten Longplayer nach mehr als acht Jahren, Stellung zu beziehen.

Spectre
glänzt wieder mit oft martialischen Beats, die eiskalt und schneidend neben dem gewohnt kellerathmosphärischen Gesang (der von einer klaren weiblichen Sängerin kontrastreich angereichert wird und kühle poppige Aspekte ausstrahlt)
stehen und ihre Wirkung nicht verfehlen.

Keine Ambitionen, dem Teufel guten Tag zu sagen (Sympathy For The Devil), eher soundtrackartige Musik begleitet uns durch die Songs. Der Beginn dieses neuen Abenteuers klingt wie ein fröhliche Werbung für Bewegung in freier Natur und biologisch verträgliche Kräuterbonbons die die Verdauung anregen.

Der Eindruck täuscht.

Die Menschen haben genug vom politischen und ökonomischen Establishment und wollen die Macht in die eigenen Hände nehmen, um Würde und Solidarität in ihr tägliches Lebens zu bringen.

So beinhaltet diese Platte, die in verschiendensten Editionen auf den Markt kommen wird (unter anderem in einer Fan-Edition mit einem 32-seitigen Buch, in dem die Pläne der Band zur Gründung einer internationalen Partei beschrieben sind, über die Möglichkeit einer Kommunikation und Organisation einer länderübergreifenden Bewegung zur Veränderung der Welt), einen Song über den Arabischen Frühling (Koran) und einen über dieses Album selbst (No History), ebenso wie einen über die gerade in letzter Zeit sehr akut diskutierten Whistleblower.
„We stand alone“ singen sie, eine unangenehme Nähe und Beobachtung durch Freund und Feind sind greifbar.

Die Effekte, die schon immer wesentlicher Bestandteil von

LAIBACHs

Musik gewesen sind, kommen auch hier zum Einsatz, so sind Bläser wie von Militärkapellen ebenso an der Tagesordnung wie bombastische Beats, verquer und gemischt mit Elektrohagel, wie sie Die Krupps zur Perfektion gebracht haben.
Düster und hypnotisierend klingen sie noch immer;
Postapokalypse, guten Tag.
Tanzet!
So wechseln wie gewohnt beschwörerische Choräle mit einfachen Botschaften sich ab mit hartem Elektrogestampfe, häufig schwebt über allem der Beat bevor die Grabesstimme erneut zuschlägt.
Hier zählt nicht, was sich reimt ist gut, hier erfährt man Effekthascherei, hier zählt die Vermittlung
einer kritischen (regimekritischen) Weltanschauung mit den der Band ureigenen Mitteln,
die für dieses Album eine Auffrischung und neue Politur erhalten haben.

So könnte beispielsweise We Are Millions And Millions Are One auch Röyksopps Ideenkiste entstammen – von den unterirdischen Stimme einmal abgesehen. Ähnlich wie dort ist es eine federleichte Frauenstimme, die die treibende Kraft darstellt.

  Resistance Is Futile – man kommt nicht darum herum,

LAIBACH

wahrzunehmen.

Nicht nur die Borg haben es auf die Weltherrschaft angelegt.

laibach

The Whistleblowers
No History
Eat Liver!
Americana
We Are Millions And Millions Are One
Eurovision
Walk With Me
Bossanova
Resistance Is Futile
Koran

° ° °

spectre.laibach.org

91/100

live:
7.3. Weinheim, Café Central
14.3. Köln, Stollwerk
15.3. Schorndorf, Manufaktur
16.3. München, Technikum
4.4. Frankfurt am Main, Mousontrum
5.4. Dresden, Reithalle
7.4. Berlin, Volksbühne
8.4. Hamburg, Uebel Und Gefährlich
15.4. AT-Wien, Arena

 

Ein Kommentar zu „Trinket dieses und tanzet: LAIBACH – Spectre [VÖ: 28.2.]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.