XIU XIU – Angel Guts: Red Classroom

Hat Herr

XIU XIU

in der Vergangenheit doch einige wunderbar verzückende melodiöse Songs mit seiner unnachahmlichen Stimme gezaubert, so ist
Angel Guts: Red Classroom
ein Ausflug in klaustrophobisch befremdliche Gefilde.

Es fehlen hier fast vollständig eingängige Songs, die diesen Namen verdienen, wirken doch die einzelnen Stücke zu sehr experimentell, zu unfertig und bizarr, als das man trotz der schon erwähnten ganz besonderen Stimme des Jamie Stewart von Songs im eigentlichen Sinn sprechen könnte.

Im freundlichen Pressestimmenwald schwanken denn auch die Besprechungen zwischen „..das überflüssigste, was ich je gehört habe“ bis hin zu „ich liebe jede Veröffentlichung seit dem ersten Ton dieser Band..“ –
leider tendiere ich deutlich zu der ersten Aussage.

Wenn die Musik nicht in der Lage ist, die Hörer für sich zu vereinnahmen und die Ideen eher schmalbrüstig daherkommen, dann hilft vielleicht ein dicker Black Dick mit einem dazugehörigen Video, das auf einer Porno-Seite hochgeladen wurde – wo es zu Recht auch hin gehört. Warum auch immer ein schwarzer Penis eine derartige Phobie in Stewart auslöst, dass er es schafft innerhalb dieses Liedchens gefühlt millionenfach ‚Black Dick Black Dick Black Dick‘ zu intonieren entzieht sich meinem Verständnis.
Nun, wie alle wissen, Sex sells, sei es nun als Pin-Up-Kalenderblättchen in der Kfz-Werkstatt des Vertrauens oder wie in diesem Fall als Effekthascherei zu einer Plattenveröffentlichung.
Oder spielt hier eventuell jemand nach dem Motto: Dummheit gewinnt?

Jamie Stewart ist von North Carolina nach LA gezogen, in ein von Gangs und Banden beherrschtes Stadtgebiet in dessen Nähe des öfteren Tote aus einem See gezogen werden und in dem man sich nächtens besser nicht mehr auf die Straße trauen sollte. Diesen nach eigenen Aussagen überraschenden Lebensumstand versucht er auf dem nach einem chinesischen Horror-Pornofilm benannten Album zu verarbeiten und klingt dabei, weniger hoch jauchzend wie bislang, genervt und frustriert. Und genau diese Stimmung überträgt sich beim Hören der ausschließlich  mit analogen Synthesizern aufgenommenen Platte auf den Hörer.
Es stellt sich die Frage, wer Lust hat, Musikern zuzuhören, die ihre schlechte Laune auf Vinyl gepresst oder CD gebrannt haben. Wenn ich schlechte Laune habe, bleibe ich zu Haus und ärgere mich über die Kleinigkeiten des Alltags.
Zu langatmig und unattraktiv und ohne Inspiration tönen die Songs, bleiben so Versatzstücke und wirken wie aus einem unbekannten Zusammenhang gerissen.

Das bereits erwähnte Black Dick und das dem vorangehende Lawrence Liquor kommen mit einer über und über verzerrten Stimme und einer gequälten Instrumentenversammlung daher, die das Hören dieser Töne nahezu unmöglich macht.

XIU XIU

haben in ihrer mittlerweile mehr als 14-jährigen Bandgeschichte viele unbeschreiblich ansprechende und spannende Songs produziert. Hier jedoch schaffen sie es, ein großes Nichts hervorzubringen,
voll und überladen mit Tönen aus Qual, Angst und Gewalt.
Das anders sein und anders klingen wollen aus dem Prinzip der Andersartigkeit heraus scheitert, nüchtern betrachtet, in diesem Falle kläglich.

So bleibt eine Enttäuschung und schlimmer noch, Langeweile als Resultat dieser dunklen Reise in eine Welt,
die niemand aus eigenem Antrieb heraus betreten oder kennenlernen möchte.

xiu

Angel Guts:
  Archie’s Fades
  Stupid in the Dark
  Lawrence Liquor
  Black Dick
  New life Immigration
  El Naco
  Adult Friends
  The Silver Platter
  Bitter Melon
  A Knife in the Sun
  Cynthia’s Unisex
  Botanica de Los Angeles
  :Red Classroom

34/100

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