Es ist ein schweres Erbe.

TRUST
haben mir mit ihrem Debüt Trst viel Spaß bereitet.
Manchmal ist es möglich, den gleichen Spaß mit neuer Musik wieder zu erleben. Manchmal nicht.

Im Falle von
Joyland
ist es.. nun.. anders geworden, die großen Pop-Melodien des Vorgängers ihres schrägen Composers Robert Alfons waren nicht zu schlagen. Aber, das muss ja nichts heißen – Joyland hat trotzdem wieder wunderbare Momente, man schwärmt nur anders.

Noch immer befinden wir uns in einer Eiskugel und rollen eine vorbestimmte Bahn hinab, hinauf, nach links, nach rechts, wir stoßen an Ecken, finden aber unseren Weg.

Das düster-fröhliche Ambiente hat uns wieder, kein Widerspruch in sich, die schräge Stimme mit seinen sogartigen Synthie-Boobs, die Disco-Ambiente mit Gruftie-Sickness kreuzt, zieht uns in ihren Bann. Marusha meets Nebeldisco meets Babystimmchen, das hat seinen Reiz. Solange man es nicht übertreibt. Und hier findet sich ein Problem: als Stilmittel eingesetzt ist dieses ins Kindliche verzerrte Stimmengewirr durchaus faszinierend, auf Dauer wirkt es eher deplatziert.

Die erste Single, Rescue Mister, die Alfons als ”an eruption of guts, eels, and joy“  definiert, enttäuscht nicht, sie macht aber auch nicht in der Form süchtig, wie es Bulbform oder Dressed For Space vom Album zuvor vermochten.

Schnappende Beats und dunkle Grooves sind auch auf Joyland das hervorstechende Merkmal dieser klaren und kühlen Produktion. Der Sound pendelt zwischen tanzbaren Discoschnittchen und einer
nächtlichen Wanderung über taubedeckte Gräber alter Seelen.

Ein wenig scheint Alfons die Kreativität abhanden gekommen zu sein, so war TRST in musikalischer Hinsicht das interessantere Album, die Melodien großkotziger und alles in allem wirkte runder, ausgeschliffener, feiner und durchdachter. Vielleicht war der Abgang seiner Mitstreiterin Maya Postepski hierfür entscheidend.

Auf
Joyland
blubbert mehr das synthetische Spielzeug, das Piano dümpelt (wie in Lost Souls/Eelings) etwas träger als zuvor.
Wenn

TRUST

sich bemühen und ihrer schöpferischen Muse freien Lauf lassen, passt alles und macht entsprechend nach wie vor riesigen Spaß.

In der Hoffnung, zukünftig weitere Elektrodramen präsentiert zu bekommen, nehmen wir Joyland einfach, wie es ist.
Und das ist trotz seiner Mängel ziemlich gut.

trust

Slightly Floating
Geryon
Capitol
Joyland
Are We Arc?
Icabod
Four Gut
Rescue, Mister
Lost Souls/Eelings
Peer Pressure
Barely

° ° °

ttrustt.com/

87/100

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