Er kann es. Er kann es noch.
Eigentlich könnte er es noch.

Die großartigen Momente, die er mit seiner Band Madrugada hervorbrachte, sind unvergessen.
Daran anknüpfen kann (oder möchte?)
Endless Love
selten.
Und trotzdem: Die altbekannten, sehnsuchts- und gleichzeitig druckvollen und herzzerreissenden Geschichten werden hier trotz veränderter Vorzeichen gewissermaßen fortgesetzt.

Aber nicht immer kriegt er die Kurve. So kann es schon einmal passieren, dass Neil Diamond in den Gehörgang schlupft, obwohl

SIVERT HØYEM

dieses sicher nur wenig vorhatte.

Trotzdem grient bisweilen die Kitschigkeit verstohlen um die Ecke und zeigt sich, wenn man nicht aufpasst.

Bei der Geschichte, die

SIVERT HØYEM

hinter sich hat, kann es schon einmal den ein oder anderen Moment der (verzeihlichen) Unaufmerksamkeit geben.

So ist das eben, man entwickelt sich weiter.
Die Sehnsucht nie aus dem Blick verlierend, sie dann vertonen und in ausdrucksstarken Songs festhalten.

Hier spürt man, dass er gern dieses spezielle Etwas festhalten würde, den Kopf aber nicht immer frei zu haben scheint für die große, weite ausufernde Ballade, weitab und jenseits des Kitsch.

So ist eine Diskrepanz zu spüren zwischen dem wilden Rocker und dem heimlichen Romantiker, der nicht ganz in der Lage scheint, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.
So entstanden Songs, die zwar Gefühle transportieren, aber nicht genau wissen, wohin mit all dem Gefühl, in welche Richtung es gehen soll und was uns der Künstler denn nun eigentlich ans Herz legen möchte.

Seine Musik pendelt zwischen zugreifenden Gitarren und trauerndem Akustikspiel, über allem kreist eine gewisse Unsicherheit, wie ein Geier auf der Suche nach dem Aas – Herr Hoyem versucht das Beste aus sich herauszuholen.

Waren bei Madrugada vor allem die psychedelischen Momente die, die am meisten zu überzeugen wussten, die Momente, in denen die Gitarren um sich selbst kreisten um immer wieder zum Ausgangspunkt zu gelangen um, kaum verändert und druckvoll nach vorne und zur Seite zu preschen, sind es hier die eher zurückgenommenen Stücke, wo der Eindruck vermittelt wird, durch bewußtes Weglassen voranzukommen, ein mit trauerndem Blues  durchzogenes Album, das sich seinen Weg sucht.

2007 wurde Siverts Freund und Gründungsmitglied Robert Buras tot in einem Hotelzimmer aufgefunden. Kurz vor Fertigstellung von
Endless Love
verstarb unerwartet der Manager des Künstlers, Per Johansen – so ist es wenig verwunderlich, wenn Hoyem ihm dieses Werk widmet und  die Liebe und der Verlust geliebter Menschen vordergründig bearbeitet wird.

So haben wir Songs, die ans Herz gehen, vorgetragen von einer der enthusiastischsten Stimmen der jüngeren Musikgeschichte, die keinen umwerfenden Wandel in seiner Musik darstellen. Es sind Songs, deren Eindringlichkeit einem durchaus das Atmen schwer machen kann.

hoey

Endless Love
Enigma Machine
Handsome Savior

Inner Vision
Free As A Bird / Chained To The Sky
Little Angel
Wat Tyler
Görlitzer Park
At Our Evening Table
Ride On Sister

 

 87/100

2 Kommentare zu „In Wallung: SIVERT HØYEM – Endless Love

  1. black mambo ist eines meiner lieblinglieder:

    und vor einiger Zeit ist nightly disease als 4er vinyl erschienen.
    Lohnt isch aber nur für absolute fans bzw. wenn man (wie ich) das vinyl noch nciht hatte…

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