Nun. Wenn man eine Platte so betitelt, hat die Hörerschar eine gewisse Erwartungshaltung.
Wenn diese Platte dann auch noch von

LA ROUX

kommt, ist die Erwartung um so höher.

Die quietschig bunte Disco-Miez fährt auf zum zweiten Gefecht.
Lang hatten die Krieger Zeit, sich ausreichend vorzubereiten, auf dass man keine böse Überraschung erleben möge.

Und nach den ersten Hördurchgängen kann beruhigend die weiße Fahne geschwenkt werden, keine Gefahr, alles im grünen (oder grellbunten) Bereich.

Wundersame Entwicklungen wurden seit ihrem Durchbruch mit In For The Kill und Bulletproof (immer wieder gern gehört) nicht vollzogen, dennoch ist eine gefühlte Ewigkeit vergangen, seitdem wir neue Töne der Lady vernommen hatten.

Mit ihrem Mitmusikerfreund Ben Langmaid ist sie nun nicht mehr so ganz befreundet, im Vorfeld der Veröffentlichung hat er noch an der Ausarbeitung der Songs mitgewirkt, inzwischen geht er aber eigene Wege. Was bedeutet,
das Elly Jackson nun quasi im Alleingang über die musikalische Ausrichtung und über Wohl und Wehe entscheiden kann.

Trouble In Paradise
macht hier eher einen auf Wohl.
So geht es im Disco-Beat mit heavy Beats gleich zu Beginn in Talking Heads-Manier zu Werke, Anklänge an die Siebziger sind unüberhörbar – und stehen

LA ROUX

alles andere als schlecht.

Nach eigenen Angaben, wahrscheinlich haben ihr ihre Eltern dies in der Hoffnung auf einen einigermaßen akzeptablen Musikgeschmack mit auf den Weg gegeben, wurde sie zu Sweet Dreams der Eurythmics gezeugt.
Das hat uns bereits vor fünf Jahren auf ihrem Debüt unüberhörbar Eindruck hinterlassen.
Nicht nur Fönfrisur wie später Bowie, Heaven 17 oder A Flock Of Seagulls, nicht nur glattgeleckt (trotz klarer Produktion des neuen Herrn an den Reglern, Ian Sherwin) wie ABC und die dazugehörige Geschichte beeinflußt die Musik von

LA ROUX

im Jahr 2014 aus, aber auch.

Es ist kein einfacher Stampf, nein, es sind funkige Rhythmen (Kiss And Not Tell), die sich durch das Paradies ziehen wie die Spur eines Regenwurms. Hier ist der Gesang ein wenig klarer, das unerbittliche Tempo wurde verringert, geblieben ist die Fähigkeit, unerschrocken ins blubbernde Pop-Bettchen zu hüpfen und mit den Kissen um sich zu werfen.

Textlich, man merkt es schon an den Titeln, geht es um Sex und Zwischenmenschliches. Um Trennungen, unterschiedliche Erwartungen in Beziehungen (er will ausprobieren, sie eine Familie gründen etc etc.) – und sicher auch um die Verarbeitung der Trennung von Ben.

Seis drum, mit Let Me Down Gently gelingt ihr hier eine der interessantesten Disco-Funk-Nummern des Jahres.

Nicht alles ist Gold was glänzt und nicht alles ist bunt in der Welt der Elly Jackson, auch wenn uns das Cover ihrer neuen Platte etwas anderes vormacht.

Der Weg in die Unsterblichkeit in der Welt des Pop ist weit, wir werden spätestens in fünf Jahren wissen, wohin es

LA ROUX

verschlagen hat.
Vielleicht.

laro

Cruel Sexuality
The Feeling
Kiss And Not Tell
Let Me Down Gently
Paradise Is You
Sexotheque
Silent Partner
Tropical Chancer
Uptight Downtown

http://laroux.co.uk/

83/100

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