Im Sägewerk: PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB – Bleach House

Der König des deutschländischen Indie-Punk-Pops, der den Lovebomber über uns kommen ließ und die Liebesbriefe zurückschickte, der Michael hoffähig machte und unsere Idole ins Jenseits beförderte,

PHILLIP BOA

ist mit seiner neuen Scheibe
Bleach House
zurück auf den Plattentellern und rudert gewaltig, klampft die Gitarren, malträtiert die Saiten, klingt heavy und herrschsüchtig wie jeher, spielt sich auf und fühlt sich großartig dabei.

Es ist ihm nicht zu verdenken.
Nach dem letzten Werk, Loyalty, gab es nicht viel Zeit zum Luftholen.
Hier geht es heftiger zu als zuletzt, direkter und härter, wenngleich natürlich die Vorliebe für altbekanntes, wie mehrstimmige Choräle natürlich nicht zu kurz kommen darf.
Das Titelstück beispielsweise ist hierfür ein prägnantes Beispiel.

Kommt es auch hin und wieder zu klanglichen Überraschungen so  bleibt das Album über weite Strecken etwas ungleichmäßig, fast langwierig.
So ist der Kreativität und dem Ideenreichtum eine typische BOAeske Limitation gesetzt, Neues bleibt außen vor.
Das muss nicht negativ sein, etwas frischer Wind wäre jedoch wünschenswert und zusätzliche Würze
in der insgesamt wieder schmackhaften Suppe.
Standing Blinded On The Rooftops spielt mit dem Hörer, mit Vor und Zurück und poppig anmutender und synthetisch unterstützter Melodie wird dies unfraglich demnächst ein neues Highlight in der an Hits nicht gerade mangelnden Setlist, ich sehe schon die allesamt älter gewordenen Fans ihre Zippos zücken und im Takte wiegen.
Auch das folgende Baby Please Go Home hat mit klopfendem Electrodrums ein treibendes Etwas in sich, zerrende Gitarreneskapaden und die typischen Spracheinwürfe (‚Kiss Me.. Blow It All Away.. Baby Please Go Home‘) hat etwas nicht zu verachtendes.
Beatsey Youth wirkt hingegen zerstückelt und in der Entwicklung schwerfällig – viel zu entwickeln gibt es hier nicht, ein schnödes Gitarrenakkordgedresche ohne Zusammenhalt, ein Schrei mittendrin – Altrocker united. Schade.

Im Gegenzug darauf folgend dann Are You The One From Heaven, das flockig leicht heranweht, so haben wir das gern und so mögen wir das, wenngleich die eingeschobenen ‚Huh-ah-Uh‘-Rufe der Entspanntheit durchaus einen Abbruch tun und
einfach weggelassen niemandem hätten schaden können.

So geht es auf und ab und mit jedem herzerweichenden Stückchen, wo man denkt, JA! PHILLIP! JA! kann BOA erneut den Spielball nicht verwandeln und schlägt sich selbst ein Stückweit ins Aus, indem er mit Alternative-Rocknummern und seltsam und teils uninspirierten Gitarren die im Grunde genommen schicken Ideen nicht zur Gänze auslebt.

So werden die Stadion- und Alternativehippies gern und oft bedient, alte Fans werden die urtümlichen Breaks und vertrauten Klänge unter Umständen etwas vermissen.

Insgesamt aber wieder ein prima Teil, weit über dem Durchschnitt und durchaus für öfteres Hören geeignet.

boa

Kill The Future
The One Who Howls At The Moon
Bleach House
Standing Blinded On THe Rooftops
Baby Please Go Home
Beatsey Youth
Are You The One From Heaven
Snake Plissken
The Fear That Falls
Ueberblendung
Chronicles Of The Heartbroken
Down With The Protocols
Icons Of Anarchy

86/100

Live:
5.11. Marburg, Kulturladen KFZ
6.11. Mainz, KUZ
7.11. Magdeburg, Factory
8.11. Dresden, Alter Schlachthof
13.11. Nürnberg, Hirsch
14.11. Karlsruhe, Substage
15.11. Köln, Essigfabrik
28.11. Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus
29.11. Hamburg, Markthalle
04.12. Göttingen, Musa-Saal
05.12. Erfurt, Gewerkschaftshaus
06.12. Berlin, Huxleys Neue Welt

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