jjco(picture & allrights: JJ)

Der Preis für den kürzesten Blog-Beitragstitel haben sie schon gewonnen.
Hierzu herzliche Gratulation.

JJ
sind nach Jahren ihres Bestehens, immerhin klimpern die zwei nordischen Kumpelinnen und Kollegen Elin Kastlander und Joakim Benon seit 2009 und ihrem Debüt no 1 gemeinsam durch die oft geheimnisvoll wirkenden Gefilde unergründlicher Musik und vielseitiger Dreampopinterpretation, mit ihrem neuen Album
V
da angekommen, wo sie hin wollten. Nach und nach sind sie nun in der Lage, ihre Energien und ihre Ideen zu bündeln und zu Klängen zu vereinen, die sie seit jeher produzieren wollten.

Zwischen folkig, lasziv angelegten Klängen dümpeln Synthies mit müde bis wagemutigen kompositorischen Ausflügen, Engelshauchen und mysteriösen Voice-Samples, Anleihen an allerlei Pop-Gemüse werden auf
V
verhäckselt und gleichsam verhext, das geheimnisvoll umwobene,  nebeldurchscheinende, das unklare Ambiente ist seit Beginn an eines, in dem sich die zwei Künstler wonnig suhlen und hierbei häufig ihre Hörerschaft begeistern mit stiller andächtiger Klangkultur, zu der man das kleine schwarze Gothicgewand mit Spitzenbesatz
ebenso tragen kann wie intellektuell einen filzigen Rollkragenpullover unterm Cordsakko.

Festlegen lässt sich hier gar nichts und von Breitwandigepik bis zu Disco-Pop kann man hier alles für sich entdecken und sich über die Töne der Schweden den Kopf zerbrechen. Gleichsam könnte man auch das Denken einfach einmal sein lassen und sich den musikalischen Errungenschaften von
V
einfach hingeben.
Nicht berieseln lassen, so einfach geht das nicht. Hier ist man trotz vorhandener Leichtigkeit von banaler Belanglosigkeit Lichtjahre entfernt.

 Letztlich kennen wir es nicht nur aus Märchen: der Tod ist nicht das Ende. Und die Seele lebt weiter.
Die Seele von

JJ

scheint im Überall zu existieren, denn derartig warm und ambitioniert klangen sie selten.

All White Everything verbindet Dreampop mit Hip-Hop-Elementen, es ist ein Gefühl, als tanzten Elfchen über das Wasser, spontane Ausbrüche, mit Tempowechsel, schleifend und schleichend überkommen einen Sehnsuchtsgefühl und akutes Kuschelbedürfnis, so nah und dabei auch geheimnisumwittert und mit einer kühlen Grundstimmung (When I Need You) schaffen sie ein dichtes, athmosphärisches leichtes und gleichzeitig zeitforderndes Epos mit geringen Mitteln, die sie treffsicher einsetzen und eine der schönsten Scheiben des Jahres veröffentlichen.

Angereichert mit Kinderstimmen, Choreinlagen, Streichinstrumenten und sparsamen Synthiemelodien, die wie Spinnennetze vor uns ausgebreitet werden, in denen wir uns verlieren wie Tautropfen in erfrischenden Frühlingstagen.

jj

V
  Dynasti
  Dean & Me
  All White Everything
  When I Need You
  Fågelsången
  Full
  Innerlight
  Hold Me
  I
  Be Here Now
  All Ways, Always

95/100

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.