Hundert Wunder: PANDA BEAR – Panda Bear Meets The Grim Reaper

Panda Bear_credit Fernanda Pereira_lores
(photo & allrights: PANDA BEAR / Domino Recording Germany / Fernanda Pereira-Lores)

Böse böse.
Als die Crystal Castles ihr leider letztes Album III veröffentlichten, wurde man (zumindest ich) zunächst von ihrem Sound erschlagen.

Bei der neusten Veröfffentlichung von

PANDA BEAR

geht es mir ähnlich.

Noah Benjamin Lennox haut hier auch um sich.

Nach dem eher zurückhaltend stillen, vertrackten Tomboy (2011) geht es hier um mehr,
es geht um alles – und, es ist nicht so dass hier der Sieg verspielt wird. Im Gegenteil.
Wenn man sich auf das Gewirbel und Gezwirbel, die aneinandergereiten Samples, Breaks, Voices und den sonstigen Klangeskapaden erst einmal eingelassen hat, könnte es passieren dass man beim Kochen statt des Kochtopfs plötzlich die Hände über die Gasflamme hält.

Nicht weil man den Schmerz so schön findet, eher weil man eingetaucht ist in
Panda Bear Meets The Grim Reaper
und dabei etwas den Bezug zur Realität zur Seite geschoben hat.

° ° °

° ° °

Wenn der Selbstmordkandidat bei 180 km/h die Wahl hat, wie tritt der dem Sensenmann gegenüber? Wählt er den Baum oder die Klippe?
Ganz schnell oder erst noch den Flug genießen?
Oder fährt er heim und riskiert das Blutbad in der Wanne mit Kerzenschein und symphonischer Begleitung?

Eine Kakophonie größeren Ausmaßes erwartet uns hier.
Es wird einfach passend gemacht und auch wenn man sich zunächst einmal fühlt, als stiege man in ein unwirkliches und kaltes gebirgsnah gelegenes Bächlein, langsam zunächst, den Fuß eintauchend, und dann schnell das Wasser eiskalt über die Waden laufen lassen.. Gänsehaut.
Aber, nach der ersten Überwindung verspürt man schon die erste Verbundenheit.
Das könnte eine engere Freundschaft werden.

Auf seinem nun vorliegenden fünften Werk, dem ersten bei Domino Records erscheinenden, hat Noah Lennox, der seit vielen Jahren in der portugiesischen Hauptstadt ein neues Heim gefunden und seiner amerikanischen Herkunft den Rücken gekehrt hat, sämtliche Konventionen und Erwartungen das sein lassen, was sie ihm getrost sein können: egal.
Eine Explosion der Töne, eine psychedelische Tour de Farce, ein buntes Feierwerk. Aus verschiedensten Samples, Hip-Hop-Bässen und schreienden Tieren zusammengesetzt erhalten wir ein geschlossenes, perfekt abgestimmt wirkendes Album.
Mit Animal Collective gehört er trotz der auch dort anzutreffenden Experimentierfreudigkeit eher zu den etablierten Freigeistern.

Als

PANDA BEAR

kann er andere Kaliber auffahren und seiner Musik Nuancen ganz eigener Prägung hinzufügen, ohne auf das Ergebnis als Band schielen zu müssen.

„It keeps the mind busy.“

Wunder geschehen, das wußte schon Gabriele Kerner.
Hier geschehen gefühlt oft hunderte Wunder auf einmal.

Um noch einmal auf das bereits erwähnte Szenario am heimischen Herd zurück zu kommen:
Die Suppe kocht über, in der Mikrowelle explodiert die Tasse mit dem Goldrand (die von der Schwiegermutter, zum Glück), die Katze steckt im Fensterrahmen fest, der Postmann klingelt bereits zum dritten Mal und Baby hat gekackt.

Aber: Die Sonne scheint.
Wie geil ist das denn.

panda
Sequential Circuits
Mr Noah
Davy Jones‘ Locker
Crosswords
Butcher Baker Candlestick Maker
Boys Latin
Come To Your Senses
Tropic Of Cancer
Shadow Of The Colossus
Lonely Wanderer
Principe Real
Selfisch Gene
Acid Wash

° ° °

89/100

Live:
10.3. Berlin, Berghain

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