Winter, Wonne, Diskolicht: MARC ALMOND – The Velvet Trail

marc(photo & allrights: MARC ALMOND / cherry red press / Mike Owen)

° ° °

Herr
MARC ALMOND,
Mister Soft Cell
ist ein Begleiter meiner musikalischen Entwicklung fast seit Beginn an.

Durchgeschwitzte Hemden, schimmernde Blusen, Blicke, tanzende Stroboskoplichter.
Klassenfeiern und Nachtwanderungen mit Freunden.

MARC ALMOND
war mit dabei.

Mother Fist And Her Five Daughters geriet zum Diskussionspunkt zwischen Freunden und mir.
Stories Of Johnny hat Herzen gebrochen.

Nun gibt es ein neues Lebenszeichen und ich freue mich sehr.

The Velvet Trail
das auf Cherry Red Records erscheint, kommt mit Schwung und Elan und der noch immer unvergleichlichen Stimme. Haben beispielsweise Kollegen wie Bono oder Dave Gahan mittlerweile Probleme, die alte Faszination die von ihrer Stimme ausging, aufrechtzuerhalten, hat Marc Almond es geschafft, diese Einzigartigkeit zu konservieren.

Durch Instrumentaltitel getrennte drei Teile beginnt das Werk mit Act One leise und schleichend,
pompös und fast klassisch.

Dann jedoch, Handclaps, eine verhalten schreiende Gitarre, dann legt er los uns mit der vertrauten Balsamstimme in seinen Bann zu ziehen, es POPt fröhlich vor sich hin, Something Bad To Me klingt wie eine unbeschwerte Zeitreise in die goldenen Achtziger.

Stimmungsmäßig recht ähnlich kommt die Lederjacke, die eher glamourös glänzt als Wildheit zu demonstrieren, ausschweifend, ausholend der Refrain, auch hier ein gitarrenbetontes Zwischenspiel mit Jubeln und Jauchzen,
The Ark hätten ihre Freude daran.

Scar kommt mit Piano heran und reiht sich in die lange Liste der immer wieder gern gehörten Songs von Marc Almond nahtlos ein. Die Sehnsucht in der Stimme, schmachtend, ergreifend.

Wieder poppiger dann Pleasures..
Eine Reise von London, nach Moskau bis zum Mars, egal wo wir gerade sind, man kann doch sein Vergnügen überall für sich selbst (er-)finden.

Die zwischenzeitlichen Ausflüge in Cabaretgefilde, die auf den vergangenen Veröffentlichungen im Vordergrund standen sind einer Neuentdeckung der wohlvertrauten ureigenen Popwelt gewichen.

Eine Liebeserklärung an die/den Angebeteten, mithilfe des Flehens ans Spieglein an der Wand, in Minotaur zerbersten Gefühle auf dem Grund ihres Entstehens, das Leiden wird schon vergehen,
kommt Zeit, kommt Abstand, kommt Klarheit.
Ein wenig langatmig, ein wenig zu wenig um wahres Entzücken hervorzurufen hier im Mittelteil des Albums.

In Earthly trägt dann allein Almonds Stimme die Einleitung in ein von Chören durchzogenes Opus, in dem seine Liebe zur Theatralik groß geschrieben werden.

Verspielte Keyboards leiten The Pain Of Never ein, ein romantisches Liedchen das auch Soft Cell gut zu Gesicht gestanden hätte. Tragt in die Welt nun ein Licht, lasst die Feuerzeuge schweben und die Tränen trocknen.
Es wird schon nicht so schlimm werden und am Ende alles gut.

Demon Lover.
Oh-Oh-Oh-Oh..
Disco rules, die Geschwindigkeit erhöht sich, ein dennoch verhaltener Ritt durch eines der schwächeren Stücke auf The Velvet Trail.

Und dann… ein Duett mit Beth Ditto. Die Seele schluchzt, die Drummaschine clapt vor sich hin, man fragt sich, ob nicht die Beiden ursprünglich eine ESC-Hymne komponieren wollten. Souliges zweistimmiges Gefühl, man ist hin und hergerissen zwischen ja und ich denke nein. Für die Verkaufszahlen und die Öffentlichkeit ergibt sich unter Umständen ein ja aber..
Auch das etwas glücklos ausgeblendete Ende des Songs hätte man sich anders gewünscht.
Ähm.. eher nein.

Dann, Life In My Own Way, Kabarett, rote Rosen, da ist er wieder, es geht doch. Es geht so gut.

Winter Sun.
„Kiss me one last time before it dies..“
Großartig.

Das titelgebende Stück leitet dann geschwind den Abgesang ein, vor dem finalen Instrumental.

Sehen wir über eher verunglückte Experimente hinweg und stürzen uns auf das, was wir lieben.
Ein cooles neues Album, das zum größten Teil richtig Spaß macht.

marc
Act One
Bad To Me
Zipped Black Leather Jacket
Scar
Pleasure’s Wherever You Are
Act Two
Minotaur
Earthly
The Pain Of Never
Demon Lover
Act Three
When The Comet Comes
Life In My Own Way
Winter Sun
The Velvet Trail
Finale

° ° °

91/100

1 Comment

  1. Hab ihn in den Achtzigern ein paar Mal live gesehen, ein Entertainer vor dem Herrn. „Mother Fist“ find ich heute noch klasse, das alte Soft-Cell-Zeug zum Teil auch noch…
    Viele Grüße,
    Gerhard

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