Prost, Heinz: TOCOTRONIC – Das rote Album

Was waren das noch für Zeiten.
Als Herr Von Lowtzow noch richtig jung war und im hippiesken Kings Of Convenience-Look vor 150 Leuten im Münchner Backstage spielte und fast schüchtern wirkte. Schwitzte und die Zuschauer zwischen Erstaunen und Begeisterung ebenso feucht werden liess.

Heute ist alles weich und Du wirst nicht hart.
Kann man so oder so oder ganz anders interpretieren und reimen tut sich auch 2015 auf ihrem
roten Album
fast alles und noch immer.

Sicher, wir alle werden älter.
Manchmal muss es eben Pop sein, leichtfüßig, leicht verdaulich aber..
Ich hab’s gern einfallsreich und weniger bemüht klingend.

Ich möchte keinesfalls sagen, ihre Zeit ist vorbei, nichts liegt mir ferner.
Aber ich frage mich in ihren Worten: Was könnte das Ereignis sein?
Ihre ureigens inszenierte Jugendbewegung ist nun eher ein Wippen der schmerzenden Beine der Generation 35++ geworden.

Mein Herz mein Herz.. Joachim Witt kann auch so klingen und ein Herr Heppner, der früher mit Wolfsheim wie der Graf Unselig für Zillofans und Schwarzmenschen musizierte und noch eine gewisse Eigenständigkeit für sich in Anspruch nehmen konnte, ebenfalls.

Die frühen

TOCOTRONIC

waren neu, unterhaltsam, geil und aufregend.

Die
TOCOTRONICs
des Jahres 2015 sind zahm geworden.

Was mit „Let There Be Rock“ begann war meine persönliche Ablösung, irgendwie.
Ihr letztes Album hat mir noch einmal Mut gemacht und war in Momenten ziemlich schick.

Nun, man könnte meinen, sie haben neue Pfade für sich entdeckt.
Nicht jeder, der sie damals herausragend und mega fand wird aber ihren Weg mitgehen wollen.
Nun, könnte man sagen, ich irre. Vielleicht aber auch Sie Irren.

Mal schauen, wie sich dieses Album im Mehrfachdurchlauf entwickeln wird.

Nur als Beispiel und zum Ende:
Rebel Boy klingt mit lieblos-belanglosem Handclap-Hintergrund und allein diesem englischen Einwurftitel zu sehr… unecht.
Und reimt sich nicht umsonst auf Äppelwoi.
Prost, Heinz.

toco

Zucker
Spiralen
Solidarität
Sie Irren
Rebel Boy
Prolog
Jungfernfahrt
Ich Öffne Mich
Haft
Diese Nacht
Die Erwachsenen
Chaos

° ° °

° ° °

67/100

3 Comments

  1. Ich hatte ja mit Gerard von Pop-Polit schon meinen Diskurs zur neuen Toco-Platte, siehe dort. Ich find’s inzwischen ganz schlimm und kann mich nur in Anlehnung an das Grimm’sche Märchen wiederholen: „Der Kaiser ist ja nackt!“ Die Nummer ist durch…
    Viele Grüße,
    Gerhard

  2. Ich hab grad schon drüben bei Dir gepostet… 😉
    Das Album ist ja nicht schlecht, für mich ganz persönlich wirkt es aber gehemmt, irgendwie weichgespült und seltsam unkreativ.
    Sie wollen inzwischen zu viel und das können sie nicht. Der Esprit von früher ist nicht mehr präsent.
    Ich mag keine deutschen Lieder mit englischen Satzfetzen, Let There Be Rock war da der Anfang des Bösen.
    Liebe Grüße, Jens

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