Popkultur: EAST INDIA YOUTH – Culture Of Volume

Ich höre wohl zuweilen asynchron. Azyklisch.
Das Debüt von

EAST INDIA YOUTH

Total Strife Forever aus dem letzten Jahr wurde von mir zwar bemerkt, erfreute sich aber nicht wirklich einer großen Beliebtheit meinserseits, die Platte und ich haben wohl
gerade in unterschiedlichen musikalischen Welten gelebt.
Das geschieht mitunter und so verpasst man sich gegenseitig. Das ist wie im richtigen Leben. Da verpasst man oftmals die Chance auf eine großartige Veränderung oder vielleicht auch die Liebe seines Lebens, aus Gründen.
Man merkt es oft nicht – oder zu spät.

Hier ist es nun so, dass diese zweite Album von Herrn Musiktüftler William Doyle in der medialen Kultur eher mittelmäßig bewertet wird, ich aber ziemlich begeistert bin. Hochkulturpop wohin Du hörst.

Warm, weich, umspült von einer Woge der Gefälligkeit, eine einnehmende Stimme, durchstrukturierte Songs die trotz der ihnen anzuhörenden feinziselierten und ordentlich angeordneten Kleinigkeiten, der Mühe und der in sie investierten Arbeit eine mitreißende Fröhlichkeit verströmen und großen Spaß verbreiten.

Beaming White hat das Zeug zum Klassiker.
Treibende Drums, ausschweifende Synthieloops, eine wirklich großartige Melodie, ein Refrain der einem nicht mehr aus dem Kopf will. Ein wunderbarer, großer Popsong, einer der genialsten des Jahres bislang.

Erasure oder New Order blitzen auf und verschwimmen im Popolymp des Künstlers. Die Pet Shop Boys oder die hierzulande eher eintagsfliegigen Mental As Anything oder auch The Magnetic Fields in ihrer Verschrobenheit.

Die Art wie der Drive und Elan und die sich wiederholende Singschleife in Turnaway in
unsere Ohren bohrt ist einfach klasse.

Disco und Dance-Elemente bestimmen Hearts That Never, während blubbernde Spielkonsolensynthies sich ihren Weg bahnen und man auf eine pulsierende Entladung wartet. Vergeblich aber spannungserhaltend.

Wuchtig und mit erhöhter Schlagzahl wirft sich Entirety uns entgegen. Wäre da nicht die Samtigkeit und Smartheit der Stimme könnte ein Undergroundhit alter EBM-Schule dermaßen beginnen. Mündet der Song dann nach zwei Minuten eher im technoiden Schema, wechselt die Stimmung langsam, lässt Ruhe und Stille einkehren um dann zunächst poppig weiter zu schlurfen bevor die Beats hervorpreschen und am Sound rütteln.

Carousel, mit über sechs Minuten Länge holt uns zurück in eine Zeichentrickwelt, in der die Sonne scheint und die Bienen summen. Wer böses will, hört Belfast Child und leidet unter ihrer/seiner FrühblüherInnenallergie.

Für meinen Geschmack leider zu gleichförmig und mit etwas arg kräftig aufgetragener Seelengüte plätschert Don’t Look Backwards recht uninspiriert vor sich hin, glücklicherweise bleibt uns weitere Belanglosigkeit jedoch erspart. Stimmen uns doch ein zehnminütiges Manner Of Words mit Depeche Mode-Feeling und am Ende mit einem erneuten Instrumentaltitel mit anfänglich fast asiatischen Momenten Montage Resolution versöhnlich.

Ein schickes Pop-Album ist es geworden, dieses
Culture Of Volume
mit wundervollen Momenten, welches nicht durchgehend hochklassig (ich bin kein Fan von Instrumentalmusik) ist, dafür aber in einigen Passagen wirklich hervorragend funktioniert und die nahezu perfekte Einstimmung für ein frühsommerliches Wohlgefühl darstellt.

° ° °

east

The Juddering
End Result
Beaming White
Turnaway
Hearts That Never
Entirety
Carousel
Don’t Look Backwards
Manner Of Words
Montage Resolution

° ° °

eastindiayouth

90/100

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