Oh Dunkelheit, komm: CHELSEA WOLFE – Abyss

chelsea-wolfe-by-ben-chisholm(photo & allrights: CHELSEA WOLFE / Sargent House / Ben Chisholm)

° ° °

Ich sehe Gesichter. In der Nacht. In der Dunkelheit. Fratzen. Die aus den sich im Wind wiegenden Kornfeldern emporsteigen in den wolkenverhangenen Himmel.
Ich spüre, sie sind da. Sie begleiten mich. Sie sind immer hier gewesen. Nur ich, ich bin neu, wurde erwählt und auserkoren, den Gestalten bedingungslos ergeben zu folgen, wohin auch immer sie mich geleiten werden.

Gefesselt von doomigen Klängen, schraapend-scheppernden Gitarren.
Der Gesang, die Stimmen: Ein unglückliches Leiden zwischen Zorn und Verzweiflung und Auflehnung, Aufbruch und Dagegenstemmen.

CHELSEA WOLFE

reitet daher auf einem pechschwarzen Schimmel, blutgetränkt ihr einst schwarzes Kleid, welches nun dunkel rostrot samten schimmert, sie erhebt ihre Stimme, rudert wie eine Wespe mit von Feuchtigkeit getränkten Flügeln, gefangen im engen Glase, und die Luft wird knapp,
die Apokalypse droht und wie ihr entkommen?

Sie möchte nicht, dass wir bequem sitzen und zuhören, eher etwas Unwohlsein unter uns verbreiten.

Abyss
ist ihr neues, fünftes und bislang tiefgehendstes und beeindruckendestes Solowerk.

° ° °
Bei Tabu, diesem Vorjahrhundertwendegesellschaftsspielerfolg mit dem pupsenden rosa Plastesäckchen und der Eieruhr geht es darum (für Unwissende und Spätergeborene), Begriffe zu erraten die ein Mitspieler zu erklären versucht, ohne eine Aufzählung von Worten
(die auf den aufzudeckenden Spielkärtchen notiert sind) zu verwenden.

Ich denke, auch Meisterspieler hätten Schwierigkeiten mit dem Begriff

CHELSEA WOLFE

♥ schwarz
♥ Dunkelheit
♥ Düsternis
♥ Abgrund
♥ Gothic
♥ Doom

° ° °

Die Songs auf
Abyss
warten auf nichts. Auf niemanden.
Sie sind einfach da, und das vom ersten Ton an.

Sie mauern Dich ein im kühlen Zement, machen Dich zu ihrem Sklaven, bringen Dich zum Winseln, zum Flehen um Vergebung.
Die wirst Du jedoch hier nicht finden, das Album kennt kein Erbarmen, kein Wehklagen wird erhöht, die musikalischen Knebel nur noch
freudig etwas fester gezogen.
Auch stetiges Wiederholen von Liebesschwüren (‚We Love You‘ in Maw) wird keine Gnade nach sich ziehen.
Auch ruhigere Töne (Iron Moon) winden sich schleichend heran und finden im Flüsterton ihre Opfer.

Und, das Beste ist:
Man ergibt sich ihr gern, lässt die Hosen runter, kauert paralysiert halb nackt an der Wand und wartet erfüllt von Angst und Spannung auf die Ankunft der Unheil verkündenden Spinnenfrau, die ihr Netz immer enger um Dich schnürt.

Sie zögert es hinaus und spielt ihr ganz eigenes, ganz besonderes Spiel.
Ganz ohne Tabu.

chels

 Carrion Flowers
Iron Moon
 Dragged Out
 Maw
Grey Days
After The Fall

 Crazy Love
Simple Death
Survive
Color of Blood
The Abyss

° ° °

chelseawolfe

chelseawolfe.bandcamp

97/100

2 Comments

  1. Word! Grosses Ding. Fast so gut wie die kommende Bon Jovi 😉

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