Wenn, dann Kopf hoch: THE LIBERTINES – Anthems For Doomed Youth [review]

Sie sind wieder da und sie sind wieder da.
Der Herr mit seiner Band, losgelassen und auf Tour mit einem Suchtberater. So hört man.
Was Drogen oder Alkohol nicht können, ist, Talent zu zerstören und einfach kaputt zu machen.
Und Pete Doherty und Carl Barat haben nun einmal ein unerschöpflich scheinendes Talent was das Schreiben von kunterbunt unterhaltsamen Popsongs zu sein, mit einem Hauch von Rotz und Dreck, mit ein wenig Aufmüpfigkeit die man braucht um aus der Riege der zu glatt gebügelten Chartonkels hervorzustechen.
Natürlich ist da auch hin und wieder eine Schlagzeile neben der Normalität geschäftsfördernd.

THE LIBERTINES

sind nicht mehr neu und dennoch, man darf sie einfach nie unterschätzen, man kann ihre Musik nicht kleinreden und einige ihrer Songs werden Songs für die Ewigkeit sein. So einfach ist das.

In der Riege des neuesten Liedguts aus dem Hause Doherty & Co. sind entsprechend auch wieder einige Perlchen versteckt. Man könnte glatt in Verzücken ausbrechen. Wäre da nicht.. diese seltsame Unentspanntheit die ich beim Hören der neuen Platte verspüre, ein latentes Unwohlsein, wie ein Schwindel der einen überkommt beim plötzlichen Aufstehen, beim Erheben, ein eingeschränktes Sehfeld, ein Schatten und etwas schwarz vor Augen.

Anthems For Doomed Youth
ist ein recht poppiges Album geworden, eine Musik für vielerlei Anlässe, die nicht gezwungenermaßen nach Maßanzug schreien.
So kann man während die Scheibe sich dreht sich die Luft durchs Haar wehen lassen aber auch das kleine Schwarze und die Fliege fürs Abendmahl bereitlegen, man wird stets zufriedenstellend unterhalten sein.

Und, so scheint es mir, genau das ist eines der neuen Libertines-Probleme: Inzwischen kann das hier jeder hören. Es hat seine Einmaligkeit verloren (okay, die Sleaford Mods sind kein wirklicher Vergleich, aber die bringen zumindest eine Auffassung rüber), die Besonderheit, die die Aufmerksamkeit auf sich zog. Vielleicht sind wir die ewigen Geschichten um Drogen und Exzesse einfach leid?
Es wundert einfach niemanden mehr, dass Hotelzimmer verwüstet oder Konzerte wegen Trunkenheit am Mikrofon abgebrochen werden.

Album Nummer Drei, das nach Up The Bracket und dem selbstbetitelten Zweitling nun elf Jahre auf sich warten ließ, zeigt deutlich, dass das beseelte Duo Doherty/Barat am besten gemeinsam funktioniert und nach all der Zeit und den Soloeskapaden (seien es nun Barats Soloalben mit seinen Dirty Pretty Things oder die Babyshambles..) so zusammenspielt, als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben.

Gunga Din kommt mit ungewohnter Rhythmik daher, ein Verschnitt aus Mitgröhlteilchen und Madness-Specials-Pop, hat einen netten Refrain, bleibt aber hinter vielen ihrer älteren Songs zurück und ist auch nicht unbedingt meine erste Wahl als erste Veröffentlichung aus den hier vorliegenden Liedchen gewesen. Wahrscheinlich ist aber das La-La-La-La mit eingeworfenen Fuck Ya etc.-Schreien bewußt gewählt und auf Auftritte in größeren Gefilden ausgerichtet.

Fame And Fortune klingt wie ein wohltemperiertes Sauflied, man könnte vermuten, dass die Stimmung bei der Entstehung des Songs entsprechend gewesen sein muss. Auch das hernach folgende Titelstück reißt nicht so wirklich etwas raus.
Vielleicht sind die Erwartungen zu hoch gewesen (eher waren sie ja gar nicht vorhanden… aber..).
Zum richtigen Punk oder Aufruhr fehlt ihnen die Überzeugung, insgesamt wirken die

LIBERTINES

auf aus Show und aufgesetzt.
Sie sind nicht mehr im ehrlichen Flow und klingen berechenbar.

Trotzdem waren sie gerade in der Lage eine Platte zu machen und wahrscheinlich brauchen sie das Geld. Ich weiß es nicht.
So richtig überzeugen tut mich das jedenfalls nicht.
Würde einer der neuen Songs im Radio laufen und ich würde nicht wissen, wer denn nun da zu hören ist, ich würde sicher den Kopf heben.
Immerhin.

liber

Barbarians
Gunga Din
Fame And Fortune
Anthem For Doomed Youth
You’re My Waterloo
Belly Of The Beast
Iceman
Heart Of The Matter
Fury Of Chonburi
The Milkman’s Horse
Glasgow Coma Scale Blues
Dead For Love

° ° °

78/100

 

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