Mirakulös: THAYER SARRANO – Shaky

thayerba(photos & allrights: team clermont / THAYER SARRANO)

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Tja, wie schreibe ich nun die Besprechung der Platte des Jahres? Womit beginnen? Worauf Wert legen?
Wie die Musik den Lesern schmackhaft machen? Sie überzeugen? Zum Kauf animieren, zum Weitersagen?
Wie nur wie?

THAYER SARRANO

mit
Shaky
hat das Zeug.
Zum ganz großen Album zu werden.

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Irgendwo stimmlich zwischen Stevie Nicks und Alison Shaw, musikalisch setzt sie sich auf ein Bänkchen neben
Scout Niblett, dem Gun Club und The Birthday Party.

Schmutzigschöne bis schnoddrig-melancholische Independent Psycho-Rock-Hymnen, die einen begleiten durch Tag und Nacht in der von Kaktüssen gerahmten Betonschneise, begleiten durch die staubige Wüstenlandschaft, vorbei an einem verlassen wirkenden Diner mit klebrigen Fenstern, blinden Scheiben ohne Lichteinfall. Eine knarrig-knarzige Tür und hinter der Bar ein Kerl mit Elftagebart und in der Hitze glänzender Haut, der in Gedanken versunken ein Lied aus der Musikbox mitpfeift (Shaky, Shaky..), unmotiviert herumwischt und durch nichts aus der Ruhe zu bringen scheint.

THAYER SARRANO

ist kraftvoll, eindringlich, druckvoll, liebenswürdig.
Wenn sie ihre Geschichten Realität werden lässt, ist man gebannt und kommt nicht mehr fort von ihr, ihre düsteren Visionen mit Hall und Rauch durchzogen beginnen, Teil Deines Lebens zu werden und begleiten Dich im Kopf, um zu allen möglichen Situationen als Ton- oder Textfragment in Deinen Gedanken herumzuwandeln und unerwartet hervorzubrechen.

Ihre Stimme, die uns durch die Songs leitet wie ein betörend schöner, wenngleich auch etwas angetrunkener Schmetterling findet mit zerstörerischer Genauigkeit ihr Ziel: Dein Herz, das klopft und klopft und endlich bricht, um dann tröstend Halt zu finden in den Geheimnissen ihrer schattengetränkten Lieder.
Gehetzt, gejagt, gefangen – die Musik entwickelt sich zu einer Reise in wundersame Gefilde.

Schon in früher Kindheit, in der Thayer eine klassische Musikerziehung genießen durfte, hat sie instrumentale Kompositionen geschrieben und mit ihrer poetischen Lyrik angereichert. Jenen persönlichen Texten, die im Heute und Hier von eigenen Erlebnissen handeln (persönliche Verluste in der Zeit der Entstehung der Songs – wie in Crease: Your Memory Unties My Cells. It Breaks The Line From Your Heart To Mine), die sich durch ihre Melodien ziehen und es uns leicht machen, uns zurückzusehnen, nach ihren fremden, dunklen, hallverhuschten Songs.

Ihr Debüt im Jahr 2009 (King) brachte ihr den Titel „New Queen Of Shoegaze“ ein, ihre sparsamen, rauen Songs entwickelten sich im Laufe der Zeit und auf ihrer LP aus dem Jahr 2012 (Lift Your Eyes To The Hills) gelangen ihr umfassendere, komplexere Arrangements.

Mit
Shaky
haben wir nun ein gehaltvolles, unglaublich intensives bezaubernd mystisches Folk-Goth-Werk inmitten einer schlingernden, zerstörerisch anmutenden Atmosphäre vorliegen, dass darauf wartet, von hoffentlich Vielen entdeckt zu werden.

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thayer
How Can I Wait
Crease

Touch My Face
Shaky
Thieves
A Wuiet State Of Panic
Aim
Lost Art
Glimpses
Hide My Health

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thayersarrano.com
bandcamp

98/100

2 Comments

  1. Joah, ich find schon. Find’s ziemlich geil. Ich glaub, das passt so. Wobei sich ja immer noch etwas irgendwohin entwickeln kann. Aber momentan, ja.
    Und DANKE für den Link!!
    Viele Grüße
    Jens

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