Willkommen im Labyrinth: BIANCA CASADY AND THE C.I.A. – Oscar Hocks

Wenn CocoRosie ein Stückchen Musik fabrizieren, ist das meist bemerkenswert.

Wenn die eine Hälfte, die Coco nämlich, ein Soloalbum veröffentlicht, verspricht das mindestens äußerst interessante Hörmomente.

BIANCA CASADY

beschreibt auf ihrem Solodebüt eine fiktive namengebende Person,
Oscar Hocks.
Diese hat es nicht leicht auf Erden, weshalb die ganze Geschichte natürlich hochdramatisch daherklingt und auch nicht unbedingt mit einem Happy End endet.

Ein theatralisch queres Werk, dunkel, mysteriös und in einigen Momenten geradezu aufreibend eindringliches Stück Musik.
Musicalmäßig die Eröffnung, Hay Lofts, in dem die CasadySchwester mich an Lena (nur weil bei uns zu Hause aus einem der Kinderzimmer häufig diese Musik erklingt werde ich wohl schon davon verfolgt..) erinnert (oder erinnert mich Lena an CocoRosie? Wohl eher nein weil ausgeschlossen.)

Wassertropfengleich geht die aberwitzige Unternehmung weiter, Jingo-Jango-Sprachgesang mit dem Flair eines Spaziergangs durch ein nebliges Hafenviertel (Daisy Chain), im Hintergrund, weit entfernt und durch das diesige Wetter kaum in seiner Bewegung zu erahnen, dreht sich ein Karussell, sein Drehen scheint kaugummiartig in Zeitlupe abzulaufen, kaum merklich.

Ein uraltes Piano klimpert, Rauch durchzieht den Raum, Klappern und metallisches Stampfen, bluesige Gitarrenlicks. Um ihre Visionen von Dunkelheit und Furcht umzusetzen war eine zeitweilige Abkehr ihrer Familienkollaboration erforderlich.

Mit ihrer Band, THE C.I.A., überträgt

BIANCA CASADY

eine Vision ins Leben.

In der Liveumsetzung (gerade war die Künstlerin kurz in unseren Gefilden unterwegs) präsentiert sich ihre Begleitband in schwarz gekleidet, eine fast unsichtbare Band unbekannter, anonymer Menschen. Hierzu gehört ihre Darbietung in kindlicher Singstimme, puppet-mäßig. Eine Art Anti-Performance, in der versucht wird, herauszufinden, in wie weit der Musiker auf der Bühne ohne das Publikum zu (be-)achten agieren kann.

Auf Tonträger herausgekommen ist ein theatralisch-cinematischer Ausflug, der, wenn man erst einmal einen Zugang dazu bekommen hat, unglaublich intensiv daherkommt und häufig vergessen lässt, wo unsere Realität endet, die Fiktion (welche auch immer?) beginnt und wo Raum und Zeit ineinander verschmelzen.

Ein bemerkenswert ungehöriges Werk, welches für all diejenigen eine Empfehlung sein sollte, die Töne fernab jedweder Gleichförmigkeit und gewohnten klingenden Untermalungen mögen und einmal eine Abwechslung nötig haben.

bianca

 Hay Lofts
Daisy Chain
Hobo
Roadkill
Oscar Hocks
Dead Season
Poor Deal
Lordess Moon
Miracle Of A Rose
Left Shoe
Tumbleweed
The Empty Room

° ° °

84/100

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