Traum und Zerstörung: THE MAGNETIC NORTH – Prospect Of Skelmersdale

 

THE MAGNETIC NORTH

sind Erland Cooper (Erland & The Carnival), Simon Tong (The Verve, Erland & The Carnival)  und Hannah Peel (John Foxx & The Maths).

Sie zaubern auf ihrem zweiten Longplayer
Prospect Of Skelmersdale
mystische Songschönheiten zwischen Grau und Grün, zwischen Realität und zerstörten Träumereien in Englands Nordwesten mit bisweilen eingestreuten Newsflashes aus vergrabenen Tondokumenten.

Skelmersdale wurde erstmals 1086 urkundlich erwähnt. Mit seiner geographischen Lage im Nordosten Liverpools, am River Tawd gelegen, wurde es 1961 als eine von insgesamt 27 New Towns in England designiert und im Rahmen der Nachkriegsumverteilungen der Landbevölkerung entworfen und aufgebaut. Nachdem sich die Planung  durch soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit und fehlende Infrastuktur und Industrie als Reinfall herausstellte, wurde sie in den frühen 80gern, halb verfallen und verwaist zum Zentrum der „Transcendental Meditation„, ein idealer Ausgangspunkt um ihr (so The Guardian) „Maharishi Dorf mit goldenem Meditationsdom“ zu verwirklichen. Im Laufe der Zeit wurde die Stadt Ziel von vielen Familien des Königreiches, die auf der Suche nach einem friedlichen Leben waren mit dem Ziel, Wohlwollen in der Stadt und darüber hinaus zu verbreiten wie die Ringe die sich durch einen See ziehen, wenn Du einen Stein hineinwirfst.

Die neue Platte ist ein vielschichtiges Album voll mit Eindrücken und Ideen, inspiriert durch eine einzigartige britische Stadt, in der Simon seine Kindheit verbrachte.
Es war eine harte Zeit damals in den 80gern, die Stadt war heruntergekommen und wenig einladend. Durch die inzwischen niedrigen Mieten angezogen war Skelmersdale idealer Ausgangspunkt für die bereits erwähnte Transcedental Meditationsbewegung.

Irgendwo zwischen folkloristischen Style und atonalen Elementen (Cergy Pointoise) wandern die Musiker inmitten akustischer Feinsinnigkeiten durch ihre neue Scheibe.

Clannadesker Gesang, engelsgleich, der sich abwechselt und ergänzt mit erzählerischen Gesang mit der Ausstrahlung eines Märchenonkels. Barocke Klänge zwischen traditionell angehauchter Instrumentalisierung, meditative Töne, einschmeichelnd weich gezeichnete Songs mit oft geradezu meditativem, beruhigendem Charakter.

Hier werden Begebenheiten ihrer persönlichenen Vergangenheit erzählt, Geschichten von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, vom Glauben der Menschen, von unbeabsichtigten (auch zwischenmenschlichen) Tragödien.

Die Lieder entstanden meist aus den vorab erdachten Titeln, zu denen nichts existierte,  die dann in Gemeinschaftsarbeit vertont wurden um schließlich mit Hannahs Gesang eingespielt zu werden. Durch diese Vorgehensweise wurde eine Überproduktion der Songs vermieden und eine Erinnerung an die ursprüngliche Idee und das ursprüngliche Gefühl dabei war stets greifbar.

A Death In The Woods ist, als (mögliches) Highlight des Albums, ein wundervoll arrangiertes Kompositum mit Hitpotential. Stimmen und Stimmungen, Synthies wie Röyksopp sie produzierten vermengt mit Eingängigkeit und hoffnungsvollen Lyrics. Was als Spieluhrmelodie beginnt entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einem Ohrwurm mit Charakter.

Sie schaffen es, in ihren Songs die Zeit stehenbleiben zu lassen. Nach bislang gefühlt zweiundzwanzig Durchgängen könnte sich diese Platte zum ganz großen Wurf entwickeln.

magnetic.jpg

Jai Guru Dev
Pennylands
A Death In The Woods
Sandy Lane
Signs
Little Jerusalem
Remains Of Elmer
Cergy-Pontoise
Exit
The Silver Birch
Northway Southway
Run Of The Mill

° ° °

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91/100

 

 

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