Alleinsamkeit: HANTE. – This Fog That Never Ends

Gut. Wir schreiben das Jahr.. hm… 1986 und die Dark Wave-New-Romantic-Welle schwappt gerade irgendwo heran.

Die Gruftis stehen noch verschämt in Londoner Straßenecken, weißgeschminkte Gesichter und hochtoupierte Haare (schwarz!) gibt es (öffentlich) wenige bis gar keine in deutschen Gefilden.

Noch fast keine Spur von Gotik, Gothik oder schwarzer Szene, Zillo, Orkus oder Sonic Seducer.
Das alles kam ein wenig später.

Man fühlt sich schon zurückversetzt in vergangene Zeiten, in denen man noch im Kasseler Spot neben Darrin Huss von Psyche zu seiner eigenen Musik tanzte.

Nitzer Ebb, A Split Second, EBM aus Belgien, The Neon Judgement, Front 242 – und dann die Welle der deutschen Nachtschattengewächse, Blessing In Disquise, Deine Lakaien, Das Ich. Sicher, Depeche Mode gab es schon, damals aber auch noch eher im Nebenraum. New Order, OMD und Anne Clark harrten in ihren Startlöchern.

Und nun (Schwenk in die Gegenwart) kommt

HANTE.

Und wir schreiben das Jahr 2016 und Hélène De Thoury kommt daher mit ihrem zweiten Album
This Fog That Never Ends.

Eine zum durchwaten (schreiten!) dichte, nebelverhangene Landschaft, eingetaucht in Stroboskoplicht, düster, geheimnisvoll.

Synthielandschaften, unterlegt mit einem trockenen Beat, einer im Hintergrund herumschleichenden Stimme, die kühl und unnahbar scheint.

Schon bei den ersten Tönen des zweiten Stücks stellt man entweder aus – oder ist gefangen.

Hate Vs. Love hat diese eindringlich-eintönige Synthiemelodie, immer wiederkehrend, nie auch nur mit dem Hauch eines Lichtstrahls, allumfassende Dunkelheit.

Man versinkt in seinem eigenen See der Tränen und, ich muss es ja zugeben, man fühlt sich gut dabei.
Lassen wir ein wenig unsere schwarze Seele tanzen, gönnen wir der Traurigkeit einen Ausflug.

Beängstigend fast schimmert das Mondlicht über der von Einsamkeit durchdrungenen Landschaft, die, nicht bedrohlich aber gefüllt mit Geheimnissen, die man nie ergründen konnte oder vor denen man stets davonlief. Genau diese inneren Zweifel und Unwägbarkeiten des Lebens werden einem hier in wunderbarer Weise dargeboten.

Wie ein in Metamorphose erstarrter Körper, ein im Kokon des Lebens gefangener Falter, wie eine Motte im tanzenden Licht die ihr Ziel zwar sieht, es aber nie erreichen wird.

Lass Dich fallen, lass unsere Körper verschmelzen in unserer Einsamkeit,
unserer Dunkelheit.

Ein wunderbar irgendwie in die Vergangenheit blickendes Album, dass sehnsuchtsvoll an Zeiten erinnert, in denen eh alles besser war.

hante
Bienvenue En Enfer
  Hate Vs Love
  In Cold Water
  Noir
  Burning (feat. Box Von Düe)
  My Destruction
  Shadow Boxing
  Dépendance
  Infinite Particles Of Us
  This Fog That Never Ends

° ° °

86/100

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..