girltommo

(photo & allrights: GIRL RAY / Tommo)

° ° °

Na, dann orgeln wir mal los.
Aber richtig.
Das Londoner Dreigespann, Polly Hankin, Iris Mc Conell und Sophie Moss rumpeln und musizieren nach Herzenslust drauflos und können mit dem Ergebnis wirklich zufrieden sein, zufrieden und stolz, ihr Debüt-Album
Earl Grey
unter Dach und Fach zu haben.

Mit ihren wehenden Klängen voller Tatendrang und Liebe zur Musik pendeln sie zwischen abfgedreht old-style Gitearren-Beach-Klängen und den Pretenders, haben ein Jauchzen im Herzen und ein verdrehtes Schluchzen in der Stimme, ihre Instrumente toben sich aus und entdecken den Sonnenschein, der über den Bäumen am Horizont ihren Lauf nimmt. Sie klingen seltsam sehnsuchtsvoll und dabei geheimnisvoll und jungmädchengleich unschuldig.
Sie offenbaren auf ihrer Scheibe eine Spielfreude, die einen hinterrücks überrumpelt, man braucht einen Moment, sich zu sammeln, ein wenig mit den Gliedmaßen zu strampeln um sich dann wieder in angemessene Position zu bringen.

Irgendwo im Reich der Poesie, im Königreich ihrer Gedanken spinnen sie sich ihre Netze, durchqueren sie sicher und gekonnt, lassen den Hörer aber über einen Ausweg im Unklaren, beobachten ihr Opfer um mit heilendem musikalischen Balsam um die nächste Ecke gestürzt zu kommen und doch noch ein Entrinnen in Aussicht zu stellen.
Psychedelische Klänge, dann wieder eine Spieluhr, man ist vor ihnen nicht sicher und ahnt nicht, was auf einen zukommt.

So haben wir hier alles, was eine Begleitung durch die Welt vonnöten ist, laszive Melodien zum Zurücklehnen in Lo-Fi-Tradition, melancholische Tanzschritte gelenkt von Einträgen ins geheime Tagebuch der Adoleszenz. Gern mal schräg, gern mal albern aber nie zum Lachen, sondern durchdacht und dabei verzückend entrückt und ein Stück abwegig.

Traumgleiche Sequenzen, filmmusikgleich, unterlegt mit eingeschobenen Bläsern, verhüllt in Ahh-Oh-Ahh und dezente Stimmen, bevor es jamsessionmäßig in gesteigertem Tempo und blubbernden Synthies in den Endspurt des über 13-minütigen, ausufernden Titelstücks geht.
Mehr Alkohol. Bitte, also nicht zwingend. Aber es geht sicher leichter damit und man sollte in der Lage sein, sich fallen und treiben zu lassen für diese spezielle Musik der jungen Band.

° ° °
91/100

GIRL RAYEarl Grey
Moshi Moshi / Rough Trade, 4.8.2017

girlrayco

Just Like That
Monday Tuesday
Stupid Things
Don’t Go Back At Ten
Cutting Shapes
Preacher
A Few Months
Earl Grey (Stuck In A Groove)
Where Am I Now
Stupid Things (reprise)
Ghosty
Waiting Ages

° ° °

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Well, let’s get our organs out.
But right.
London’s threesome, Polly Hankin, Iris Mc Conell and Sophie Moss rumble and do their music to their heart’s content and can be satisfied with the result, satisfied and proud, their debut album
Earl Gray
is released this week.

With their waving sounds, full of passion and love for music, they swing between old-style guitar-beach sounds and The Pretenders, with a twitching in their hearts and twisted sobs in their voices. Their instruments are raging and discover the sunshine over the trees on the horizon. They sound strangely longing, and yet mysteriously and young-maidenly, innocent.
They reveal a playfulness on their record, which is a surprise to the back, you need a moment to gather yourself, kick a little with the limbs and then bring you back into a suitable position.

Somewhere in the realm of poetry, in the kingdom of their thoughts, they spin their nets, traverse them safely and skillfully, but leave the listener in the dark about a way out, watch their victim to come to the next corner with healing musical balm and yet still to lead an escape.
Psychedelic sounds, then again a music box, you cannot feel safe in front of them and do not know what is due to one.

So here we have everything that is necessary to accompany the world, lascivious melodies to recline in the Lo-Fi tradition, melancholy dance moves steered from entries into the secret diary of adolescence. Sometimes oblique, gladly times silly but never for laughing but thought and at the same time delightfully enraptured and a piece of absurd.

Dreamlike sequences like a film-soundtrack, underlined with blown-in winds, wrapped in „Ahh-Oh-Ahh“ and discreet voices, before jam session in increased speed and bubbling synths in the final spurt of the over 13-minute, sprawling title track.
More alcohol. Better, please, but not even necessarily. But it is certainly easier with it and you should be able to fall and drift for this special music of this young band.

 

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