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(photo & allrights: Katherine Paul / BLACK BELT EAGLE SCOUT / Patrick Hernandez)

° ° °

Gute Geschichten entstehen manchmal einfach durch Zufall.
Man träumt vor sich hin, in Gedanken ziehen Bilder am inneren Auge vorbei, wie im Traum geht es mehr um die Gesamtheit als um Kleinigkeiten.
Und es ist ganz nah an der Realität.
Ein Blinzeln, ein Augenaufschlag, es ist die Dunkelheit die Dich umgibt und Dir eine Ruhe vermittelt, Dir sagt, es ist noch Zeit.
Ein wohliges Räkeln, ein die Decke über die Schultern ziehen, ein Strecken.
In der Ferne ruft ein Vogel, der neue Tag naht und mit ihm ein Erwachen in Stille und Einsamkeit, inmitten Deiner traurigen Einsamkeit.
Nicht lang ist es her, da gab es diesen Menschen, der Dir seine Liebe geschenkt hat, ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit vermitteltn konnte, einen Wunsch auf Ewigkeit, ein stetiges „Ich Dich auch – für immer.“, das Dich begleitete.
Doch dann, wie ein Schlag ins Gesicht, durch das vom Schicksal bestimmte vorher und nachher ergibt sich eine Trennung, unvorhersehbar doch unausweichlich.
Und so wie Du mit zitternder Hand und wackligen Knien wie auf Gelee durch einen düsteren Wolkenhimmel wanderst, so holt Dich das Leben zurück.

Die Geschichten, die Katherine Paul, die hinter dem Titel

BLACK BELT EAGLE SCOUT

steckt auf ihrem neuen Album erzählt, sind Geschichten von Verlust, von Angst, von Verzweiflung, Aufbruch, von Akzeptanz und der Erinnerung.
Geschichten, die aus persönlichen Erlebnissen ihrer eigenen Vergangenheit entstanden sind. Geschichten, die entstanden, um mit den Gefühlen und der Realität klar zu kommen.

Geboren und aufgewachsen in einem kleinen Indianerreservat ist die Identität, die sie mit

BLACK BELT EAGLE SCOUT

angenommen hat, eine Unterstützung und ein Rückhalt in ihrer Position als queere eingeborene Künstlerin, ein Weg,
mit ihrem Leben klarzukommen und ihre Gedanken zu ordnen.

Jedem Ton hört man die Liebe zu ihrer Heimat an, zu der sie umgebenden Landschaft im Nordwesten Washingtons. Schon früh brachte sie sich selbst das Gitarrespielen bei, unterstützt durch ihre Familie und ausgestattet mit ein paar Nirvana-Bootlegs.

Auf ihrem ersten Longplayer nach der 2014er EP klingt sie wie eine eigenständige Mischung aus Emma Ruth Rundle und Scout Niblett, mal wild und kratzig, dann wiederum zart und unheimlich ehrlich.

Die ruhigen Momente sind es, die besonders zu fesseln wissen.
Die wilden Momente sind es, die einen die Augen und Ohren aufreißen lassen, ein tonlos geformtes „Oooh“, ein eindrucksvolles „Wow“, die Gedanken ganz bei der Musik.

Auf
Mother Of My Children
spielt Katherine alle Instrumente selbst, von Gitarre über Drums, Percussion, Bass, Synthies, Orgel und Piano.

Es geht auf diesem Album unter anderem ganz intensiv um die Beziehung zu ihrer langjährigen Freundin.

„Ich dachte buchstäblich, sie würde die Mutter meiner Kinder werden“ sagt Paul.
..bevor ich im vergangenen Jahr feststellen musste, dass dies nie geschehen wird..

Eine schwierige Zeit folgte in der zudem eine gute Freundin und Mentorin starb; eine Zeit in der sie fast an sich selbst (ver-)zweifelte, an den Gefühlen und an den Beziehungen der Menschen untereinander. Angst und Frustration, Verlust und Traurigkeit begleiteten sie während der Aufnahmen zu diesem Album, das eine überaus bemerkenswerte, zutiefst persönliche Platte geworden ist.

Ein Begleiter in schlechten Zeiten, aber einer, der Dich gern an der Hand nimmt und Dich durch die Dunkelheit leitet, ein Begleiter für die Abende, in denen der Wind um die Häuser weht und in denen man bei einer guten Flasche Ein über sich selbst nachdenken möchte um einen Schritt voran zu kommen im Leben, das nur selten so verläuft, wie man es sich erhofft.

Eine großartige Platte, die durch Emotionalität Erinnerungen weckt, die enorme Freude bereitet, die Gedanken herumschwirren lässt und die mit jedem Hören ein besserer Freund für Dich sein wird.

° ° °
99/100

BLACK BELT EAGLE SCOUTMother Of My Children
Good Cheer Records, 24.8.2017

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Soft Stud
Indians Never Die
Keyboard
Mother Of My Children
Yard
I Don’t Have You In My Life
Just Lie Down
Sam, A Dream

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in english:

Take me with you

Good stories are sometimes created by chance.
When you’re just in deep thoughts, images pass by the inner eye, as in a dream, it is more about the totality than small things.
And it’s very close to reality.
A blink, a sensitive blink of an eye, a look, it’s the darkness that surrounds you and gives you a calm, tells you there’s still time.
A pleasant lolling, a pull the blanket over the shoulders, a stretch.
In the distance, a bird calls out, approaching a new day and with it an awakening in silence and solitude, amidst your sad loneliness.
Not long ago, there was a feeling of warmth and security, a desire for eternity, a constant „I You too – forever.“that accompanied you.
But then, like a slap in the face, by the fate determined beforehand and afterwards, a separation arises, unpredictable but inevitable.
And just as you walk through a gloomy cloudy sky with trembling hands and wobbly knees like on jelly, so life brings you back.

The stories that Katherine Paul as

BLACK BELT EAGLE SCOUT

are told on her new album are stories of loss, of fear, of despair, of departure, of acceptance and memory.
Stories that have arisen from personal experiences of her own past. Stories that arose to come to terms with feelings and reality.

Born and raised in a small Indian reservation, the identity she shares with

BLACK BELT EAGLE SCOUT

means a support and backing in her position as a queer indigenous artist, a way
to deal with her life and put her thoughts in order.

You can hear the love for their home country, the surrounding countryside in the northwest of Washington, in every note. She taught herself how to play the guitar at an early age, supported by her family and equipped with a few Nirvana bootlegs.

On her first longplayer after the 2014 EP she sounds like an independent mix of Emma Ruth Rundle and Scout Niblett, sometimes wild and scratchy, then again tender and incredibly honest.

The quiet moments are the ones that captivate especially.
The wild moments are what make you open your eyes and ears, a tonelessly formed „Oooh“, an impressive „wow“, the thoughts completely at the music.

On
Mother Of My Children
Katherine plays all the instruments herself, from guitar to drums, percussion, bass, synths, organ and piano.

This album is about the relationship with her longtime girlfriend.

„I literally thought she was gonna be the mother of my children,“ says Paul.
„… before I realized last year that this will never happen…“

A difficult time followed in which a good friend and mentor died; a time in which she almost doubted herself, the feelings and relationships between people. Fear and frustration, loss and sadness accompanied her during the recording of this album, which has become an extremely remarkable, deeply personal record.

A companion in bad times, but one who loves to take you by the hand and guide you through the darkness, a companion for the evenings in which the wind blows around the houses and in which you want to think about yourself with a good bottle of wine to take a step forward in life, which rarely happens the way you hope it will.

A great record that evokes memories through emotionality, brings joy and will be a better friend to you with each listening.

2 Kommentare zu „Nimm mich mit: BLACK BELT EAGLE SCOUT – Mother Of My Children

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