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(photo & allrights: JULIEN BAKER / FB)
° ° °

JULIEN BAKER.

Meine Lieben, ich denke, fühle, spüre.

Sprained Ankle von

JULIEN BAKER

das mich seit seinem Erscheinen immer und immer wieder verfolgt und begeistert gehört für mich zu den grandiosesten Alben des letzten Jahrzehnts.

Als ihr Debüt erschien war sie niemandem bekannt und das mediale Interesse entstand erst lange Zeit nach der Veröffentlichung.

Nun, nach einer gefühlten Ewigkeit und einem Plattendeal mit Matador ist auf einmal ihr Sprained Ankle ein Werk, dass schon damals die Massen bewegt haben soll.

Nun, ich habe es damals schon gesagt: Sprained Ankle, Rezension vom Dezember 2015

Aber es soll hier nicht um das vor zwei Jahren erschienene Debüt gehen,
sondern um die neue Platte.

Turn Out The Lights.

Genau. Licht aus. Spot an.
Ilja Richter hat es schon vor gefühlt 30 Jahren gewusst und richtig gemacht.

JULIEN BAKER
macht die Lichter nicht aus, sie entzündet auf’s neue ein Feuerwerk des Kampfes in ihrem Inneren, ihre neuen Songs ergehen sich in einer Art Seelenspiegel.

Ausgestattet mit einem sicher größeren Budget könnte man das aktuelle Album als logische Fortentwicklung bezeichnen und als passendes Folgewerk bezeichnen könnte.

Es ist nicht mehr die Künstlerin allein, nicht mehr ausschliesslich ihre Stimme in Begleitung ihrer schüchtern gezupften Gitarre die uns begleitet, es sind Streicher, es sind Pianopassagen die um ihre verletzte Seele, um diese unglaubliche Stimme herum tanzen.
Und wirkte beispielsweise Rejoice, mein absoluter Liebling ihres Erstlings noch roh und ungeschliffen, ist hier eine spürbar glattere Produktion hingelegt worden.
Und bricht ihre noch immer mit Schmerz angefüllte Stimme einmal mehr aus der Bahn ist dies nicht allein Ausdruck von jenen inneren Wunden, es ist ein bewußt gesteuertes und bedarfsweise eingesetztes Stilmittel geworden.

„This year I started wearing safety belts because when I’m with you I don’t have to think about myself.“
Hurt Less

Es scheint hier die Überlegung angestellt worden zu sein, wie wohl die größtmögliche Wirkung erzielt wird. Die ungestüme Wildheit ist einer Musikerin gewichen, die ihre Möglichkeiten bewusst einsetzt.
Nun, sicher machen das die meisten Musiker so, dennoch ist dies eher eine vertane Chance. Geblieben ist die Ehrlichkeit, ihre Texte sprechen Bände, es gibt unzählige Interviews in denen sie ihre Geschichte erzählt..

All ihr Leid, das sie uns darreicht kommt in wohldosierten Häppchen. Man vermisst die Naivität des Debüts, die Freiheit, dieses Rohe, die Intimität.
Es ist ein bearbeitetes Leidens.
Die Momente, in denen sich

JULIEN BAKER

ganz offenbart sind schmerzhaft (Shadowboxing) aber es sind die schönsten denkbaren Schmerzen, die dieses Album zu einem vorzüglichen Werk machen.

° ° °

98/100

JULIEN BAKERTurn Out The Lights
Matador, 27.10.2017

julienco

Over
Appointments
 Turn Out the Lights
 Shadowboxing
 Sour Breath
 Televangelist
 Everything That Helps You Sleep
 Happy to Be Here
 Hurt Less
 Even
Claws in Your Back

° ° °

 

 

live:
14.11. Berlin – Heimathafen Neukölln
15.11. Hamburg – Uebel & Gefährlich
16.11. Düsseldorf – New Fall Festival

// in english:

 

JULIEN BAKER.

Dear ones, I think, feel, feel.

Sprained Ankle from

JULIEN BAKER

which has been haunting me since its release and continues to thrill me ever since, is one of the greatest albums of the last decade for me.

When her debut was released, nobody knew about her and the media interest arose long after her release.

Now, after a long time and a record deal with Matador, her Sprained Ankle is suddenly a work that was supposed to have moved the masses.

Well, I said it back then: Sprained Ankle, review of December 2015

But this is not about the debut two years ago,
but around the new record.

Turn Out The Lights.

Exactly. Lights out. Spot on.
Ilja Richter felt 30 years ago that she knew and did it right.

JULIEN BAKER
doesn’t turn off the lights, she ignites a fireworks display of struggle in her heart, her new songs go off in a kind of soul mirror.

Equipped with a larger budget, the current album could be described as a logical development and a suitable follow-up work.

It’s no longer the artist alone, not only her voice accompanied by her shy plucked guitar that accompanies us, it’s strings, it’s piano passages dancing around her injured soul, around this incredible voice.
And if Rejoice, my absolute favourite of her first child, was still raw and unpolished, a noticeably smoother production has been put here.
And if her voice, which is still filled with pain, breaks out of the way once again, this is not only an expression of those inner wounds, it has become a consciously controlled and used stylistic device.

„This year I started wearing safety belts belts because when I’m with you I don’t have to think about myself.“
Hurt Less

It seems that consideration has been given here to the question of how the greatest possible impact can be achieved. The impetuous ferocity has given way to a musician who consciously uses her possibilities.
Well, most musicians do it, but this is a lost opportunity. What has remained is the honesty, her lyrics speak volumes, there are countless interviews in which she tells her story.

All the suffering she’s inflicted on us comes in well-dosed appetizers. One misses the naivety of the debut, the freedom, this rawness, the intimacy.
It’s a processed condition.
The moments in which

JULIEN BAKER

are painful (Shadowboxing) but it’s the most beautiful pains that make this album an more than excellent work.

 

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