Ausgedehnt: THE FICTION AISLE – Jupiter, Florida

Nach ihrem letzten, von mir hochgeschätzten Album war ich sehr gespannt, auf die neuen schrägen Indie-Verzwickel-Tracks von Thomas James White alias

THE FICTION AISLE

aus Brighton.

Es ist ein fliessendes, ruhiges, fast zu unbewegtes Album geworden.
Es ist eine Neuausrichtung die ohne Blick zurück auskommt – wenngleich ein sehnsuchtsvolles Zurückschauen sich quasi aufdrängt, je länger man, je öfter man sich die neue Platte zu Gemüte führt.
Waren die ersten beiden Alben im Vergleich eher minimal und sparsam mit versteckten Soundtricks, fühlen wir uns hier vielmehr in Kuschelwolken gefangen als das wir eines mit dem Vorschlaghammer, versteckt gezogen, über die Rübe geballert bekommen.

Die Titel einzeln für sich gesehen sind fast durchgehend des Hinhörens wert und entbehren nicht einer zurückhaltenden Schönheit: Der Eröffnungstitel könnte nach der Hälfte der Zeit beendet werden, das könnte man dann zackig und knackig nennen. In den letzten Minuten wird hier eine Instrumentalpassage angehängt, die nicht so ganz zum vorhergehenden zu passen scheint.

Ähnliches geschieht im folgenden The End Of The Affair: Es folgt ein Spinett-Blasinstrument-unterstützter Mittelteil, der die vorweg aufgebaute Spannung nicht über die ganze Dauer zu halten vermag.

Auch wenn zwischendurch, wie in Memory, mal für Sekunden so etwas wie Underworld-Flair aufflackert, so bleibt  vieles nahezu unbewegt.
Warum ein knapp 8-minütiger Song ab Minute 7 gefadet/weggeblendet wird, verstehe wer will.

Diese ruhigen Momente sind es dennoch, die manch einen sicher in traumgleiche Sequenzen gleiten lassen.
The Dears haben früher mal so eine ähnliche Stimmung erzeugt, auch Pulp scheinen schattengleich über Some Things Never Die, einem Song in dem es über das Leben und das Vergehen in dieser Ewigkeit geht, zu schweben.

In Ten Years macht sich dann eine gewisse Schlagermentalität breit. Ein Song mit im Vordergrund stehendem direkten Gesang, der in seiner Mitte jedoch etwas arg aufgebauscht wirkt.

Die High Llamas haben vor Jahren einmal etwas ähnliches geschafft: Trotz guter Unterhaltung den Hörer am Ende seltsam unbefriedigt zurück zu lassen.

Black River fliesst genau sieben Minuten neben uns her ohne Aufmerksamkeit zu fordern. Das stets monoton sich wiederholende, eingeworfene „Black River“ möchte nicht unbedingt erneut und erneut und.. gehört werden.

Sweetness & Light kommt Folksong-mäßig herangeschwappt und kuschelt sich mit einer Tasse Kaffee neben uns aufs Sofa.

Es gibt Momente auf der neuen Platte die kurz innehalten, kurz aufschauen lassen.

Trotzdem scheint der nahezu durchgängige Wohlklang mit verminderter Schlagzahl ein Problem dieses Albums:
Vieles wirkt bisweilen etwas zurückgenommen, wie im Breitwandcinema ausgerollt und so, als wäre da etwas, auf das sich zu warten lohnt.

Mit zunehmender Hördauer wächst denn dann allmählich die Ungeduld, denn:
Es passiert nicht wirklich etwas.

 

In ihrer ungewöhnlichen Länge finden die Songs nicht immer zu sich selbst; zu mir durchdringen können sie nicht ebenso nicht.

Nehmen wir die vielen überflüssigen Mittelteile der Songs und kürzen sie, schneiden vorne und hinten zusammen, dann haben wir keine ausgelatschten Spannungsbögen sondern vermutlich unterhaltsame und coole Popsongs.

Hm, vielleicht nächstes Mal.

° ° °

71/100

THE FICTION AISLEJupiter, Florida

Gone Today
 The End of the Affair
 Ten Years
 Black River
Sweetness & Light
 Memory
 Some Things Never Die
Will I Get Where I’m Going Before I’m Ready?

 

 

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