Straße ins Nichts: EZRA FURMAN – Transangelic Exodus

(photo & allrights: EZRA FURMAN / Bella Union hp)

° ° °

Der kann’s.
Spannende Songs mit Witz und Ironie, mit Tiefgang und Leichtigkeit zu zelebrieren, dass einem Hören und Sehen vergeht.
Eine paranoide Reise von sich selbst in ein unbekanntes Irgendwo, die Transformation von Menschen zu Engeln, deren Verfolgung, die eigene queer-jüdische Identität in Frage stellend ist dieses Album eine Aufeinanderfolge einzelner Geschichten, teils fiktiv, teils aus eigener halbwahrer Erinnerung zusammengestellt in einer irren Fahrt durch wilde Gewässer, an deren Ziel die Erkenntnis steht, dass wir nicht und nirgendwo sicher sind, auch nicht vor unseren Gedanken, unseren Gefühlen und somit vor uns selbst.

EZRA FURMAN

kommt mit
Transangelic Exodus
einem mysteriösen spacigen Meisterwerk, einem Soundtrack zu einem Roadmovie ganz eigener Art recht nah.
Es ist ein Album, das mit vielen Ecken und Kanten aufwartet, das überrascht und diese Überraschungen hübsch verpackt mit Schleifchen und Kaffee ans Bett bringt.
Das man dann vielleicht zusätzlich noch ein nasses Handtuch über die Füße geworfen bekommt, damit man auch so richtig wach wird, das gehört einfach dazu.

Der narrative Faden von
Transangelic Exodus

erklärt Furman,
ist, dass ich in einen Engel verliebt bin, und eine Regierung hinter uns her ist, und wir müssen das Haus verlassen, weil Engel illegal sind, ebenso wie Engel beherbergen. Der Begriff“transangelic“ bezieht sich auf die Tatsache, dass Menschen zu Engeln werden, weil ihnen Flügel wachsen. Sie haben eine Operation, und sie werden transformiert. Und es verursacht Panik, weil einige Leute denken, dass es ansteckend ist, oder es sollte einfach verboten werden.“
(Pressemitteilung Bella Union).

Aufgenommen in den Ballistico Studios in Chicago mit seiner Begleitband (die umbenannt wurde in The Visions): Tim Sandusky, Jorgen Jorgen Jorgensen (Bass, und auf diesem Album Cello), Ben Joseph (Keyboards, Gitarre) und Sam Durkes (Drums/Percussion) bekommt man es beim Hören dieses Werkes schon fast mit der Angst; oft hat man das Gefühl, die Songs sprechen mit einem, kommunizieren, rufen. Fantasievoll und innovativ kommen die Songs daher, von Innen heraus glänzend.
Eine Distanzlosigkeit, eine Direktheit und eine verschrobene Schönheit, zerbrechlich aber standhaft, liegt über dem Ganzen wie Tau über dem Gras am Morgen, wie das Netz einer Spinne, das vom Wind hin und hergerissen wird aber dennoch hält.

Der Kampf mit seinen inneren Konflikten wird spürbar, wenngleich er wie hier in zumeist wirklich schöne Songs gepackt wird.
Andersartigkeit hat seinen Preis, in jeder Hinsicht.
Ein Statement, eine Bekundung der eigenen Identität, ein Weckruf in schwierigen Zeiten.

° ° °

96/100

EZRA FURMANTransangelic Exodus
Bella Union, 9.2.2018

 Suck the Blood From My Wound
 Driving Down to L.A.
 God Lifts Up The Lonely
 No Place
 The Great Unknown
 Compulsive Liar
Maraschino-Red Dress $8.99 at Goodwill
 From A Beach House
 Love You So Bad
 Come Here Get Away From Me
 Peel My Orange Every Morning
 Psalm 151
 I Lost My Innocence

° ° °

 

 

// in english:

Road To Nowhere.

He can do it.
Exciting songs with wit and irony, with depth and ease to celebrate the passing away of hearing and seeing.
A paranoid journey from itself to an unknown somewhere, the transformation of people into angels, their persecution, questioning his own queer Jewish identity, this album is a succession of individual stories, partly fictional, partly composed from their own semi-true memories in a crazy journey through wild waters, the goal of which is to discover that we are not and nowhere safe, not even to say that we are not safe.

EZRA FURMAN

comes with
Transangelic Exodus
a mysterious spacey masterpiece, a soundtrack to a road movie of its own kind.
It’s an album with lots of corners and edges, which surprises and it brings these surprises to bed, nicely wrapped up with ribbons and coffee.
That you might also get a wet towel thrown over your feet to wake you up, that’s just part of it.

The narrative thread of
Transangelic Exodus
Furman explains,
is that I am in love with an angel and a government is after us, and we have to leave the house because angels are illegal, just like angels. The term“transangelic“ refers to the fact that people become angels because they grow wings. They have surgery and they are transformed. And it’s causing panic, because some people think it’s contagious, or it should just be banned.“
(press release Bella Union).

Recorded at the Ballistico Studios in Chicago with his accompanying band (re-named The Visions): Tim Sandusky,  Jorgen Jorgen Jorgensen (bass, and on this album cello), Ben Joseph (keyboards, guitar) and Sam Durkes (drums/percussion) you get it almost with fear when listening to this work; often you have the feeling that the songs speak with one, communicate, call. Imaginatively and innovatively the songs come along, shining from the inside out.
A distancelessness, a directness and an eccentric beauty, fragile but steadfast, lies above the whole thing like dew over the grass in the morning, like the web of a spider that is torn back and forth by the wind but still holds.

The struggle with his inner conflicts becomes perceptible, although, as here, he is usually packed into really beautiful songs.
Otherness has its price, in every respect.
A statement, an expression of one’s own identity, a wake-up call in difficult times.

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