Nicht so ganz: FIRST AID KIT – Ruins

Sie spielen schon lange in einer ganz eigenen Liga.
Die beiden Schwestern
Johanna und Klara Söderberg
die sich als

FIRST AID KIT

mittlerweile gar überall einen Namen gemacht haben und die selbst Folk-Traditional-Hassern die Möglichkeit geben, den ein oder anderen Wohlklang für sich selbst herauszufischen und die Genregrenzen fließend gestalten.
Niemand soll sich schlecht fühlen, weil sie/er ein Cowboyliedchen mitsummt!

Rebel Heart macht den Anfang und, dies sei vorweggenommen, stellt auch gleich (einen der oder gar) den Höhepunkt dieses Albums der Stockholmer Schwestern da: Hier blitzt das ein oder andere Keyboard auf, die Prärie ist fern und Blasinstrumente hört man bis auf diese Ausnahme ansonsten wenig auf dem neuen Album – vielleicht wäre dies auch ein Schritt zuviel gewesen auf dem Weg in den Mainstream.
Denn, waren vor Jahren die zwei Schwedinnen noch Insider-Thema, sind sie mittlerweile auf großen Bühnen und in Werbespots als Unterlegmusik angekommen.
Es ist also sicher nur eine Frage der Zeit, wann neben Helene und Ed auch Klara und Johanna die German Charts bereichern.

War auf dem Vorgänger Stay Gold so etwas wie vermeintliche Anstrengung zu hören, waren doch orchestrale Hintergründe oft geradezu erdrückend, so sind es diesmal wieder die Stimme der jungen Damen die laut, deutlich und vordergründig zu vernehmen sind. Hier geht ein Ton in den anderen über, hier passt alles in- und aneinander in gleitender Gemütlichkeit.
Gerade so, als wären ihre neuen Songs um ihre Stimmen herum konstruiert worden.

Gut gemacht, möchte man sagen und sich zurücklehnen und mit geschlossenen Augen genießen.

Wären da nicht diese fast belanglos hineingestreut scheinenden Country-Vibes, die unsagbar lange Liste von klangvollen Namen des sie auf
Ruins
begleitenden Musik-Kollegiums und der fehlende Tiefgang mit und zu persönlichen Gefühlen.
Fort ist er, der Spirit ihrer Anfangstage, die zart-naive Schüchternheit..
Sicher, man kann dies nicht konservieren, aber manchmal wäre auch ein wenig weniger gleich viel mehr.

Postcard & Distant Star sei den Country-Liebhabern empfohlen, wer es rockig mag nimmt Rebel Heart, wer die Indie-Feelings aus ihren Anfangstagen gern hatte wird mit To Live A Life und dem abschließenden mit ziemlich schönem Instrumentalpart versehenen Nothing Has To Be True gut bedient sein.

Schade, dass der letztjährige Aufschrei der beiden You Are The Problem Here es nicht auf das Album geschafft hat.
So bleibt Zweifel, ob ihnen nicht ihr ursprüngliches Bestreben zugunsten einer größeren Publikumswirksamkeit ein wenig verloren gegangen ist und sie mit diesem Album vor allem auf Nummer sicher gehen.
Vorsicht sei demnach geboten vor der Zukunft: Zu verlockend scheint der Erfolg.
Wir warten ab.

° ° °

72/100

FIRST AID KITRuins
Sony/Columbia, 19.1.2018

Rebel Heart
It’s A Shame
Fireworks
Postcard
To Live A Life
My Wild Sweet Love
Distant Star
Ruins
Hem Of Her Dress
Nothing Has To Be True

° ° °

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..