Am Rande der Kontrolle: SUUNS – Felt

 

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(photo & allrights: SUUNS / faceook)

° ° °

Was für ein Brecher.

SUUNS

waren nie für ihre ruhigen besänftigenden Klänge bekannt.
Stets scheint das Hören ihrer Platten wie eine Achterbahnfahrt. Man könnte vermuten, ihre Musik ist ein Ausweg. Aus dem beängstigenden, einengenden, kontrollierten Alltag, der uns tagtäglich begleitet. Ein wenig Hoffnung und Freude, zu entkommen.

Beunruhigende Klänge, gern mal mit schräg-disharmonie fördernden Bläsern angereichert.. ansonsten: Es klackert verdächtig, es knackt, man scheint fast verloren im minimal raumfüllenden Unheil verkündenden Klang; hintergründig murmelnde Stimmen (Ben Shamie übertrifft hier wieder einmal sich selbst) überlagert von pulsierenden Synthiesounds, Fetzen einer Melodie, die sich stetig wiederholt, die ihrer Versuche nimmer müde wird, Dich zu verfolgen, ein verwirrendes Pfeifen, das anhält, das herumsurrt zwischen Dissonanz und Verrücktheit, der vergebliche Versuch, daran vorbei zu hören mißlingt. Danke. Stetig am Rande der Kontrolle zu wandeln, in windigen Höhen in der Nähe des Abgrunds standfest zu bleiben, dies gelingt dem Quartett vortrefflich.

Und in all dem Unklang verstehen es

SUUNS

trotzdem, eine einnehmende Klangwolke über uns am Himmel stehen zu lassen, die die Sonne nur vereinzelt durchscheinen lässt, die zu fesseln weiß und diese einschmeichelnde Faszination von Hustensaft im Kindesalter hat.

Ein Hauch von Frische, eine bittere Süße und das Versprechen: Alles wird gut.

Um in den Klängen dieser Montrealer Psychos andächtig zu folgen bedarf es schon einer gewissen Grundstimmung: Wer zu viel gute Laune in sich trägt, wird sicher baldigst gelangweilt.
Wer eh dem Freitod nahe ist, dem könnte mit
Felt
ein adäquater Abschiedssoundtrack gegeben sein.

° ° °
90/100

SUUNSFelt
Secretly Canadian, 2.3.2018

suunsco.jpg
Look No Further
X-ALT
Watch You, Watch Me
Baseline
After The Fall
Control
Make It Real
Daydream
Peace And Love
Moonbeams
Materials

° ° °

// in english:

What a breeding cracker.

SUUNS

were never known for their calm, soothing sounds.
Listening to their records always seems like a rollercoaster ride. One could assume that her music is a way out. From the frightening, constricting, controlled everyday life that accompanies us every day. A little hope and joy to escape.

Disturbing sounds, often enriched with angled disharmonic winds… otherwise: It clicks suspiciously, it cracks, one seems almost lost in the sound of the minimally room-filling disaster; profoundly mumbling voices (Ben Shamie surpasses himself here once again) superimposed by pulsating synthesizing sounds, shreds of a melody that repeats itself constantly, which will never tire of its attempts to pursue you, a confusing whistle that stops, that hums around between dissonance and madness, the futile attempt to hear past it. Thanks. The quartet excellently succeeds in constantly walking on the verge of control, remaining steadfast in windy heights near the abyss.

And in all the jargon, they understand it.

SUUNS

to leave a captivating cloud of sound above us in the sky, which lets the sun shine through only occasionally, which knows how to captivate and has this ingratiating fascination of cough syrup in childhood.

A breath of freshness, a bitter sweetness and the promise:
Everything’s gonna be all right.

In order to follow the sounds of these Montreal Psychos with devotion, a certain basic mood is needed: If you are in a good mood, you might be bored soon.
Whoever is close to suicide could be convinced with
Felt
an adequate farewell soundtrack.

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