Ja, die Welt ist grausam.
Nein, die neue Platte der

 

 

EDITORS

ändert daran nichts.
Im Gegenteil.

Wenn man einfach nur genervt ist von einer Musik und nach dreimal hören geneigt ist, das Album schnellstmöglich vom mp3-Wiedergabegerät zu eliminieren, kann etwas nicht stimmen.

Und, eigentlich, so denkt man irgendwo noch mit einem Funken Hoffnung im Hirn, kann diese an Einfallslosigkeit kaum zu überbietende, uninspirierte Musik nicht von den

EDITORS

stammen.
Tut sie aber doch.

Was ist aus der Band geworden, die mit Papillon einen meiner Lieblingshits kreierte, die mit In This Light And On This Evening eine musikalisches Großtat vollbrachte.
Die früher dunkel klang, bissig, energisch, motivert und richtungsweisend?

Die ich immer im Zusammenhang mit Interpol im Kopf hatte, warum auch immer?
Was ist geschehen?

Nun,
Violence
ist da.

Ein Album, das keinem meiner Ansprüche, vor allem aber den nach den letzten eher bestenfalls mittelmäßigen Alben immer noch latent vorhandenen Erwartungen, auch nur ansatzweise gerecht wird. Verrückte Welt.

Cold kommt zur Eröffnung recht vielversprechend daher.. bis nach 1:40 der inzwischen leider vertraute Stadion-Unsagbar-Öde-Umbruch mit Chor erfolgt. Da helfen auch nachgeschobene Gitarren im Hintergrund nicht mehr, Hey-Hey-Rufe sind.. überflüssig.

Zweites Stück, zweite Single: Hallelujah.
Gar nicht so übel der Beginn, Erzählstimme.. aber.. der Refrain, dieses eklig langgezogene Hal-leeeee-lu-jah… die einsetzende brachial sollende Gitarre. Nichtssagend.

Das Titelstück, es poppt erst einmal heran, blubbert, gequältes Gesing, nur Synthissprengsel und Drummaschine. Wenn man hier jetzt irgendetwas erwartet.. Ooohohohohohooooo – Violence.
War’s das? Ja, das war’s.

Dann, vielversprechender Songtitel, Darkness At The Door..
Doch, was ist das?
Mike & The Mechanics?
Nein, es steht
EDITORS
drauf.
Boah.

Nothingness: Ein ganz ruhiges Titelchen… Diesmal dauert es bis 1:15.
Ich erinnere mich ungern an die letzte Platte der ehemals ebenfalls einfühlsamen und für mich früher einmal beeindruckenden Future Islands. Geblubber, belanglos.

Magazine: Kirchenchoralartiger Beginn. Dann… jault es los und.. ich mag eigentlich nicht mehr. Auch wildes eingespieltes Gehämmer klingt eher nach James Bond-Musik als nach einer Band, die ich mögen könnte.

No Sound But The Wind: Die Hymne. Klavier. Und endlich, endlich so etwas wie: Stimmung die passt. Auch wenn es an Dunkelheit mangelt und der Pathos ein wenig übertrieben scheint, auch Nick Cave macht Balladen am Rande des Kitschuniversums. Eigentlich erwartet man jeden Moment den pompösen Ausbruch. Der bleibt aus. Note: Einigermaßen gelungen.

Counting Spooks: Depeche Mode können das, auch im inzwischen fast erreichten Pensionsalter besser. Viel besser. You Know Where I Am… ja, Herr Smith, leider wird uns das mehr und mehr klar.

Belong: Ein okayes Stück am Ende? Joah… oh.. nein.
Schmeichelnde Streicher drücken auf die Tränendrüsen, berühren aber nicht, nicht wirklich. Unheilig.
Zu retten ist hier eh nichts.

° ° °
31/100

EDITORSViolence

editorsco

Cold
 Hallelujah (So Low)
 Violence
Darkness At The Door
 Nothingness
 Magazine
 No Sound But the Wind
 Counting Spooks
 Belong

° ° °
(es gibt auch noch eine Version dieser Veröffentlichung mit zwei Bonus-Titeln. Die hatte ich zum Glück hier nicht vorliegen)

 

live sollen sie ja erträglich sein:

18.3. Wiesbaden – Schlachthof
24.3. Münster – Halle Münsterland
25.3. Köln – Palladium
31.3 Hamburg – Mehr-Theater
1.4. Berlin – Tempodrom
2.4. Leipzig – Auensee
18.4. Wien – Gasometer
20.4. München – Tonhalle

 

 

6 Kommentare zu „Nicht(s) zu retten: EDITORS – Violence

  1. Hihi.. natürlich „musst“ Du nicht immer recht haben.. aber.. meist stimmen Deine musikalischen Prognosen ja nunmal doch.. 😉
    Liebe Grüße
    Jens

  2. Hallo Jens,
    ich muss um Gottes Willen nicht immer Recht haben, aber bei den Kameraden hat sich mir schon eine ganze Weile der Verdacht aufgedrängt… eben, egal, es werden 2018 noch viele gute Platten kommen, insofern…
    Liebe Grüße,
    Gerhard

  3. Hallo Gerhard,
    Du hattest (natürlich) wieder mal recht.. selten in letzter Zeit so ein langweiliges Gewaber und anbiedernde Musik gehört. Enttäuschungsplatz Eins in 2018.
    Nun ja.. schrecklich aber eigentlich auch schon wieder egal.

    Herzliche Grüße
    Jens

  4. Hallo Jens – Die ersten beiden Alben waren vielversprechend, in etlichen Songs sehr stark.
    Ich hatte bereits mit der 3. Scheibe meine Probleme. Ob sie live (noch) erträglich sind, kann ich inzwischen nicht mehr beurteilen. Hab sie damals mit der „End Has A Start“-Platte gesehen, das dürfte dann inzwischen auch schon wieder an die 10 Jahre her sein, damals waren sie es nicht.
    Liebe Grüße,
    Gerhard

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