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(photo & allrights: COURTNEY BARNETT / bandcamp)

° ° °

Oh, die gute

COURTNEY BARNETT

ist wieder da! Und wie!

Ihr brandneues Album mit dem Frage-Antwort-Titel
Tell Me How You Really Feel
schlägt wieder alle Erwartungen.

Immer in Action, immer in Bewegung, so scheint es.
Dabei kann sie auch mal ein wenig Luft schnappen.

Nach dem viele überraschenden, vor allem von Kritikern geliebten Debüt
Sometimes I Sit And Think And Sometimes I Just Sit
aus dem Jahr 2015 kommt hier nun Album Nummer Zwei – man hat das Gefühl, einer Künstlerin beizuwohnen, die schon mehrere Musikjahrzehnte hinter sich gebracht hat. So intensiv und ausgereift schlägt sie sich ein ums andere Mal, ihre Lyrics sind wieder einmal herzerfrischend in all ihrer Dynamik, ihrem Zynismus und ihrer Ehrlichkeit – entwaffnend.

Vielleicht ist der Albumtitel genau das, was
COURTNEY
nicht nur von uns und den angesprochenen Personen wissen möchte, sondern ein Blick auf die Welt, in der man häufig das Gefühl hat, von vorn bis hinten verarscht zu werden.

Wie oft wird man gefragt, und, wie geht’s? in Erwartung einer Antwort, die entweder positiv ist oder aber zumindest keinerlei nachfolgende Informationen erforderlich macht. Wie oft schaut man in verdutzte Gesichter, wenn man mal aus der Reihe tanzt, Erwartungen nicht erfüllt?

Das von Margaret Atwood in Nameless, Faceless verwandte Zitat: „Men are afraid that women will laugh at them. Women are afraid that men will kill them“ passt dazu wie die Faust auf’s Auge. Sorglosigkeit soll sein, wo Angst vorherrscht. Wo ein unbestimmt unangenehmes Gefühl Raum einnimmt, der so einfach nicht sein sollte.

Need A Little Time
ist ein passendes Beispiel, in dem ihre Stimme eher zurückhaltend daherkommt, wenngleich die Gitarren schonmal auf Wanderschaft gehen und die Rhythmusparts sie immer wieder antreiben wohnt dem Titel eine gewisse Ruhe inne.

Help Your Self hingegen schleudert alles, und zwar wirklich alles, was in greifbarer Nähe herumsteht den geneigten ZuhörerInnen vor die Füße, mit wildem Gitarrengekreisch und ausuferndem Gesang.
Um dann im folgenden Walking On Eggshells wieder handzahm durch die Rillen zu surfen wie in windstiller See, ein Piano driftet, eine Rockgitarre treibt mühsam schleppend voran, eine müde Künstlerin, die gerade in ihrer Verträumtheit (Müdigkeit?) ganz groß, selbstsicher und bereit für alles, was da kommen mag. In jedem Fall ist es etwas, was trotz aller (Selbst-)Zweifel und durch die unnachgiebig neugierige Schar von Fans und Freunden fast unschlagbar klingt.

° ° °

92/100

COURTNEY BARNETTTell Me How You Really Feel
Milk! Records, 18.5.2018

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Hopefulessness
City Looks Pretty
Charity
Needs A Little Time
Nameless, Faceless
I’m Not Your Mother, I’m Not Your Bitch
Crippling Self Doubt And A General Lack Of Self Confidence
Help Your Self
Walkin‘ On Eggshells
Sunday Roast

° ° °

2 Kommentare zu „Nee, erzähl mal: COURTNEY BARNETT – Tell Me How You Really Feel

  1. schöne Rezi, kann ich so voll unterschreiben! G.R.O.S.S.!

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