(photo & allrights: KRAKÓW LOVES ADANA / Better Call Rob / bandcamp)

° ° °

Ein Sommerregen an einem späten Frühlingstag.
Die Blätter rascheln noch leicht, noch leise im Wind des abklingenden Sturms, die Regentropfen perlen im schon wieder gleißenden Sonnenlicht, das sich seinen Weg bahnt durch das ansonsten undurchdringliche Laubwerk, hier und da schreit ein Tier seinen Unmut heraus, bläst zum frischen Tag, an dem Einige Freude, andere wiederum Leid erfahren werden.

Songs After The Blue
des Hamburger Duos

KRAKÓW LOVES ADANA

hat dies alles: Licht, Sonne, Freude und Leid, vor allem aber hat es Kraft, strotzt vor selbstbewusster Energie, klopft dessen ungeachtet oft klanglich zaghaft und zögerlich erforschend an um um Einlass zu bitten.
Und dann ist es wie mit ungeladenen Gästen auf der Dinnerparty:
Man wird sie einfach nicht mehr los.

Wer den Einstiegssong Rapture mehr als einmal gehört hat und dann allen Ernstes behaupten kann, er hat weder die Melodie noch den Refrain im Kopf, der sollte sich vielleicht doch einfach einmal von professioneller Seite Hilfe anfordern und das Gehör durchpusten lassen. Eine wabernde, von
dreamlike 80ger Jahre Synthies durchzogen, von Deniz‚ Stimme getragen und vorangetrieben mit einem fast überirdisch eingängigen Refrain.

Deniz Çiçek und ihr Partner Robert Heitmann schaffen hier auf ihrem dritten Album in verklärt romantischer DIY-Manier (in der im Gegensatz zu vorangegangenen Veröffentlichungen die Gitarren eher in den Hintergrund getreten sind und bevorzugt von traurig bis catchy, ein wenig altbacken anmutenden elektronischen Spielinstrumenten ersetzt wurden) eine Hymne nach der anderen, sich in ihrem privaten Spinnennetz verfangend, von Melancholie durchzogen.
Schon ihre letzte Langspielveröffentlichung Call Yourself New aus dem März vergangenen Jahres lag mir am Herzen, ich war jedesmal auf’s Neue angetan, wenn ich einen Song daraus hörte, und trotzdem blieb es unerklärlicherweise bei dieser Liebe aus der Ferne.
Manchmal ist das eben so, man braucht seine Zeit und ist sich dann aber seiner Sache um so sicherer.

So ist
Songs After The Blue
schon jetzt eines meiner Lieblingsalben des laufenden Jahres.
Zu toll die Arrangements, die Synthies, die ergreifenden und im buchstäblichen Sinne zu Herzen gehenden Melodien haben Unmengen von Wiedererkennungs- und Lieblingessong-Potential und verursachen ein Kribbeln,
ein unbedenklich lustvolles Vergnügen.
Das
Songs After The Blue
wie viele Alben in diesem Jahr mit einer Laufzeit von 8 Songs in knapp 30 Minuten, viel zu kurz ausgefallen ist, lässt sich zwar bemängeln und ein wenig ärgerlich feststellen, man sollte dabei aber nicht vergessen dass oft genug in der Kürze die Würze liegt und nach dem Motto: „Mach mal halblang!“kommt man hier ohne nervtötende nichts sagende Zwischenstücke und Füllmaterial zurande.

Lieber kurz und geil als aufgeblasen und nichts anderes als warme Luft.

° ° °

95/100

KRAKOW LOVES ADANASongs After The Blue
Better Call Rob, 28.4.2018

Rapture
Bloom
American Boy
Heather
Hamburg
Resonating Truly
The Day The Internet Died
Naked World

° ° °

 

 

 

 

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