Genial genau daneben: VITAL IDLES – Left Hand

 

vitaliba

(photo & allrights: VITAL IDLES / bandcamp)

° ° °

Singt Ihr auch ab und an im Bad oder vor dem Spiegel im Schlafzimmer?
Schon einmal davon geträumt, dies in einer Band zu tun?
Wieso eigentlich nicht?

Schräg tönende punkig-abgedrehte Popsongs die in ihrem ganz eigen(artig)en Stil mitunter nicht einem gewissen Smiths-Appeal entbehren, bringen diese vier jungen Glasgower, die

VITAL IDLES

mit ihrem soeben auf Upset The Rhythm erschienenem Album
Left Hand
auf unsere Plattenteller.

Über aufreibenden Basslines springen immer wieder (und wieder) die Gitarren über die Stränge, Sängerin Jessica Higgins klingt öfter mal einfach daneben und treibt die Songs in ungeahnte Richtungen.

Mehr erzählend als wirklich einem gepflegten Gesangsstil folgend ist es ihre Stimme, die anleitet und führt, die einfach einen Großteil der Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ihre Songs sind schräg und skurril, scheinen primitiv haben aber nichtdestotrotz eine magnetische Sogwirkung, wenn man sich einmal reingehört hat.

Ob es ein wild orientalisches Trommel-Stelldichein aus dem Kinderzimmer (Blue, Black & White) inmitten des Songs ist oder die eine wie verstimmt klingende Spielzeuggitarre, es hat etwas anrührend-mitreißendes, man möchte fast sagen, Mädchen, nein, so doch nicht, dabei vermutet man doch, es ist wahrscheinlich alles so gewollt. Gerade ihre schüchtern anmutende Unbedarftheit versprüht überall seinen Reiz und vermag von ungesteuerten Gefühlsausbrüchen (in Gedanken: „Coool!“) bis hin zu einem leisen Grinsen und wohlwollendem Kopfnicken alles auszulösen. Man hat das Gefühl, gleich am Arm auf die Bühne gezerrt zu werden, um mit ungelenken Verrenkungen zu ungelenken Songrhytmen außer Kontrolle zu geraten. Gewollte Nebenwirkungen.

In kurzen Geschichten gelingt es dieser jungen Band, innerhalb weniger Minuten immer wieder überraschende Akkordfolgen klingen zu lassen. Vorangetrieben durch Schlagzeug und den bereits erwähnten Bass hüpft und springt hier alles wild und unvorhersehbar durcheinander um sich zu einem enorm freudebringenden Ganzen zu fügen.

Sicher kaum für besinnliche Momente geeignet, viel eher für nervtötende nicht enden wollende Autofahrten oder auch Reisen in der sogenannten Quiet Zone des Zuges zur Arbeit, wenn man schon im Vorfeld ahnt, dass bedeutungsschwangere Dinge anstehen und man diese mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einfach nur verkacken wird. Man sollte ernsthaft darüber nachsinnen, mit Absicht ein paar Dinge falsch zu machen. Nur zum eigenen Spaß, nur, um die Reaktion der Menschen zu beobachten, zu studieren. Und um klasse Songs daraus zu machen.
Mit ihrer beschwingten Art des musikalischen Protests machen die

VITAL IDLES

einiges gut, anderes einfach geil und damit verschaffen sie ihren Hörern Freiheiten und Ideen.
Mit Leichtigkeit und scheinbarer Unbedarftheit lassen sich Quälereien des realen Lebens mal eben ganz einfach vergessen.
Sie scheinen glücklich zu sein. Mit dem, was sie sind, was sie machen und was sie mit ihren Songs zu vermittlen versuchen.
Das ist großartig, das ist toll und in jedem Fall eine absolute Bereicherung der täglichen Portion Pop des Jahres 2018.

 

° ° °
93/100

VITAL IDLES Left Hand
Upset The Rhythm, 1.6.2018

vitalidco

A Premise
Solid States
Chains
Fall Into Shape
Waxes Colder
Carve A Beat
Cave Raised
Blue, Black & White
Time Free
Rising Damp
Geraniums
Like Life
Now & Again
The Scenery

 

 

https://www.youtube-nocookie.com/embed/IMkUjpkv3-8?rel=0

 

// in english:


Ingeniously next to it

Do you sing in the bathroom or in front of the mirror in the bedroom?
Ever dreamed of doing this in a band?
Why the hell not?

Crazily sounding punk pop songs, which in their very own (good) style sometimes don’t lack a certain Smiths-Appeal, bring these four young Glasgow musicians, the

VITAL IDLES

with their album
Left Hand
just released on Upset The Rhythm on our turntables.

Over and over again (and again) the guitars jump over the strands over gruelling basslines, singer Jessica Higgins sounds more often simply wrong and drives the songs in undreamt-of directions.

More narrative than really following a cultivated singing style, it is her voice that guides and leads, which simply draws a large part of the attention.
Their songs are weird and bizarre, seem primitive but nonetheless have a magnetic pull once you have listened to them.

Whether it’s a wild oriental drumming-part from across the children’s room (Blue, Black & White) in the middle of the song or the one sounding like an out of tune toy guitar, it has something touching and rousing, you almost want to say „Girls, no, it’s not!“ but you assume it’s probably all wanted. Her shy-looking naivety in particular radiates its charm everywhere and can trigger everything from uncontrolled outbursts of emotion (in thought: „Coool!“) to a quiet grin and benevolent nod of the head.
You might have the feeling of being pulled onto the stage right at the arm in order to get out of control with unguided dislocations to unguided songrhythms. Intended side effects.

In short stories, this young band succeeds in making surprising chord sequences sound again and again within a few minutes. Driven by drums and the already mentioned bass, everything jumps and jumps wildly and unpredictably into one enormously joyful whole.

Certainly hardly suitable for contemplative moments, much more suitable for annoying never-ending car journeys or even journeys in the so-called Quiet Zone of the train to work, if one already suspects in advance that meaningful things are pending and you will with certainty bordering on probability simply only fuck them up.
You should seriously think about intentionally doing a few things wrong. Just for fun, just to observe people’s reactions, to study. And to make great songs out of it.
With their lively kind of musical protest, the

VITAL IDLES

have got some great songs, others are simply awesome and they are giving their listeners freedom and ideas.
With ease and seemingly inexperience, tortures of real life can simply be forgotten.
They seem happy. With what they are, what they do and what they try to communicate with their songs.
This is great, this is great and in any case an absolute enrichment of the daily portion of pop of 2018.

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