(photo & allrights: LET’S EAT GRANDMA / fb)

° ° °

Hier haben wir weniger exzentrisch, dafür immer noch ausreichend speziell und in typischer Manier wohltuend außergewöhnlich.

LET’S EAT GRANDMA

sind nicht mehr ganz so verspielt wie auf ihrem I, Gemini – Debüt von vor zwei Jahren.
Trotzdem sind da noch mehr als gewöhnlich Ecken und Kanten, Refrains mit Bruch und Songs, die urplötzlich die Richtung ändern ohne ihren Fluss, ihr Ziel aus den Augen zu verlieren.

Rosa Walton und Jenny Hollingworth haben ein Album produziert, dass einen brandaktuellen Spiegel der Gesellschaft und der Musikindustrie darstellt.  Keine Abstriche, was das Einbringen ihrer Persönlichkeiten anbelangt, gut und Grund genug, um für Aufmerken und Hinhören zu sorgen.

Hier quellen Ideen und Spaß am Ausprobieren (sich, ihre im Gleich- oder Gegenklang eingespielten Stimmen, die Melodien, die Instrumente) aus ihren jungen Musikerinnenköpfen, ihre Freude an Old Style-Vintage-Klängen vermischt mit galoppierenden Keyboard-Synthie-Ausflügen, Trip-Hop-Rap-Variationen an Drumbeat.

Sie klingen eckig, kantig und schmiegen sich doch ein ums andere Mal wohlig an uns, so dass wir gar nicht anders können als leise Aufzustöhnen vor wohligem Ohrenkitzel.
Sie sind so jung, sie sind so unwissend und so reich an Talent und abseitigen Ideen, die sie bündeln, schleudern, trocknen und überstülpen.

Sphärische Sounds, klackernde Unwegbarkeiten, wenn Donny Darko anmutet wie ein Pink Floyd meets Air-Soundtrack .
Alles fliesst, aufgeladen mit positiver Energie, es flutscht und glitscht, man bekommt so schnell wie die Dinge auf
I’m All Ears
passieren erst spät mit, was eigentlich geschieht.

Es stampfen die Rhythmen, die Trommeln wirbeln, die Stimmen der zwei jungen Künstlerinnen überbieten sich, überlagern sich, mal rappend, mal zu Gesprächsfetzen zusammengestaucht und alles ist immer schön im Rhythmus. Der kann tuckern wie ein Zweitaktmotor oder schnurren wie handzahme Tiger. Die Versuchung ist groß, ihnen mal gegen den Strich durch’s Fell zu fahren. Aber hüte Deine Finger, zu schnell sind sie in undefiniertem Gebiet und finden nie zurück.

Wie schön es doch ist, diesem jugendlichen Leichtsinn zuzuhören: It’s Just Not Me betört mit fast discoähnlichen Klängen, mit Synthieeinspielungen, die Moti Special und deren Fans vor 30 Jahren gefallen hätten, und einer Leichtigkeit, einer coolen Stimme, die zwichen Anmache, streichelzarter Annäherung und Faustschlag in den Magen alles in sich vereint. So ist dieser Feminismus in den Lyrics derart wunderschön verpackt, dass er niemandem, so man ihn denn bemerkt, unangenehm aufstoßen wird.

Inmitten dieser unartigen Achterbahnfahrt können die Zwei aber auch zart und sanft: In Ava, in spartanischer Piano-Begleitung werfen sie all die anderen Begleitinstrumente für Minuten in die Ecke um überraschend und zum Durchatmen einzuladen und einmal mehr auf andere Art zu verzaubern.

Donnie Darko entwickelt sich langsam, zögert im Aufbau und hält mit seinen klanglichen Wechseln und Spielereien über die neunminütige Laufzeit den Spannungsbogen aufrecht, da Rosa & Jenny stets für Überraschungen gut & zu haben sind und zwischendrin einfach nur ihre Stimmen, einzelne Klaviertöne einem opulenten Mix aus verschiedensten Stilmitteln überschütten. Dancefloorbeats, eine gezupfte Gitarre, verzerrte Klänge, abenteuerliche Klangeskapaden, ausufernder Gesang:
Hier wird kreativ zusammengepasst, was gefällt.

Nicht so viel denken, einfach mitfühlen. Dann hat man hier ein unwiderstehliches Album, das ganz nach Stimmungslage in der Lage ist, ein Stückweit großherziges und unbelastetes Vergessen in unseren Alltag einzuschleusen.

° ° °
93/100

LET’S EAT GRANDMAI’m All Ears

 

Whitewater
Hot Pink
It’s Not Just Me
Falling Into Me
Snakes & Ladders
Missed Ca (1)
I Will Be Waiting
The Cat’s Pyjamas
Cool & Collected
Ava
Donnie Darko

in english:

Here we have less eccentric, but still sufficiently special and in a typical manner pleasantly extraordinary.

LET’S EAT GRANDMA

are not quite as playful as on their I, Gemini -Debut two years ago.
Nevertheless, there are more than usual corners and edges, choruses with break and songs that suddenly change direction without losing sight of their goal.

Rosa Walton and Jenny Hollingworth have produced an album that represents a highly topical mirror of society and the music industry. No compromises when it comes to bringing in their personalities, good and reason enough to take note and listen.

Here, ideas and fun pour in from their young musicians‘ heads, their joy of Old Style Vintage sounds mixed with galloping keyboard synth trips, trip hop rap variations on drumbeat.

They sound angular, angular and yet nestle comfortably against us one after another, so that we can’t help but moan softly in front of pleasant ear tickling.
They are so young, they are so ignorant, and so rich in talent and off-beat ideas that they bundle, spin, dry and put on top of each other.

Spherical sounds, clattering immutability when Donny Darko looks like a Pink Floyd meets Air-Soundtrack.
Everything flows, charged with positive energy, it floats and slips, you get up as fast as things do
I’m All Ears
happen late with what’s actually happening.

The rhythms stomp, the drums whirl, the voices of the two young artists outdo each other, overlapping, sometimes rapping, sometimes compressed into scraps of conversation and everything is always beautiful in rhythm. It can chug like a two-stroke engine or purr like tame tigers. The temptation is great to drive them through their fur against the grain. But watch your fingers, they are too fast in undefined territory and never find their way back.

How nice it is to listen to this youthful recklessness: It’s Just Not Me captivates with almost disco-like sounds, with synthie recordings that Moti Special and their fans would have liked 30 years ago, and a lightness, a cool voice that unites everything in itself between turning on, tender approach and punch in the stomach. So this feminism in the lyrics is so beautifully packaged that if you notice it, no one will find it unpleasant.

In the middle of this naughty roller coaster ride, however, the two can also play softly and gently: in Ava, with spartan piano accompaniment, they throw all the other accompanying instruments into the corner for minutes to invite them to take a surprise breath and enchant them once again in a different way.

Donnie Darko develops slowly, hesitates in the construction and keeps up the tension with his tonal changes and gimmicks over the nine minute running time, because Rosa & Jenny are always good for surprises & to have and in between just pour their voices, single piano tones over an opulent mix of different stylistic means. Dancefloorbeats, a plucked guitar, distorted sounds, adventurous soundcapades, overflowing vocals:
Here, what pleases is creatively matched.

Don’t think so much, just sympathize. Then you have here an irresistible album, which, depending on the mood, is able to introduce a generous and unburdened forgetting into our everyday life.

 

 

 

 

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