Die im Dunkeln sieht man nicht: JAYE JAYLE – No Trail And Other Unholy Paths

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(photo & allrights: JAYE JAYLE / facebook)

° ° °
Geht man einmal danach, dass Plattenlabel zumeist einen durchgehenden Stil verfolgen, Bands und Künstler beherbergen, die häufig recht nah beieinanderliegende Musikalien miteinander vereinen, bündeln und veröffentlichen,

JAYE JAYLE

sind bei Sargent House inmitten illustrer Gesellschaft wie Chelsea Wolfe und Emma Ruth Rundle, mit letzterer das mittlerweile zum Quartett angewachsene Bandgefüge um Young Widows Frontman Evan Patterson auch vor nicht allzu langer Zeit eine Split-EP veröffentlichte, gut aufgehoben.

Mit seinen schleichenden, Unheil verheißtenden, dunklen Tönen passt diese launenhaft vertonte Dramatik ziemlich gut in das vorherrschende Dark-Goth-Krach-Friedhofs-Ambiente.

Dazu noch diese rauch-alkohol-wer weiß was-geschwängerte Singstimme, die raspelig alles kurz und kleinmacht, was sich nicht umgehend in irgendwelchen Ritzen verkriecht.

Am besten, man wartet mit dem Erstgenuss geduldig auf einen kühlen, unfreundlichen, wenn möglich windigen und regnerischen Tag, auf eine Launigkeit um den Gefrierpunkt und einen Moment, in dem man gern böse Mailantworten verfassen oder Pläne zur Beerdigung seines Todfeindes verfassen würde.

Da kommt dann diese Musik, die bedrückend nahe geht und die als Stimmungsaufheller in neun von zehn Fällen glatt durchgefallen wäre.

Nicht, dass hier ausschließlich purer Pessimismus aus den Boxen tönen würde, es ist eher eine  Beschreibung von Gemütszuständen, in denen man sich entweder besaufen möchte oder mit einer lichtundurchlässigen Decke über dem Kopf seinen trüben Gedanken nachhängen mag.

Eher die Musik, bei der man sich unschöne Tiere (Nacktmulle? Asseln?) in inniger Schmutzigkeit vorstellen kann, in ein gewisses Leiden involviert, ein Kampf gegen die oft obligate Fröhlichkeit, eine Fahrt durch einen nicht enden wollenden Tunnel, ein Gefangensein im Traum, ohne Hoffnung auf ein schnelles Erwachen, auf weckende Sonnenstrahlen.

Dabei herrschen hier keinesfalls martialische Klänge vor, es wirkt eher wie ein unterdrückter Wunsch, dem großteils der Ausbruch verwehrt bleibt, ein schwelendes, langsames, schleichendes Teil, unheimlich und voll Düsternis und Dunkelheit.

Grau, dunkelschwarz schattiert und kühl, beängstigend, sich unheilvoll steigernd, vordergründig geheimnisumwoben und neblig.
Ein See, dessen Boden nicht erkennbar ist, von Schlingpflanzen durchzogen und in dessen Mitte ein schimmernder Piratenschatz versteckt sein soll, für dessen Bergung man ausgerechnet Dich herangezogen hat.
Du, der Du nicht einmal einen Fuß in diese brackige feuchte Etwas setzen möchtest.

Marry Us, mit oben erwähnter Emma Ruth Rundle gemeinsam vorgetragen, könnte so etwas sein wie ein Stimmungsaufheller, schnell aber wird klar, dass dem nicht so ist, dass hier in eine Kerbe geschlagen wird, an dessen Ende ganz einfach das Ende naht, unaufhaltbar.

Hier werden minimalistische Songstrukturen plattgewalzt, gedehnt, gezogen, die Instrumente geknechtet und der Gutlaunigkeit entsagt, hier herrscht einstweilen sakrale, bisweilen bissige Nacht, hier tanzen Monstren und verkaufen ihre Seelen zum Selbstkostenpreis.

Ein wundersames, bedrückendes Werk, zum danach greifen wollen, zum sich darin winden, zum Festhalten.

° ° °

92/100

JAYE JAYLE No Trail And Other Unholy Paths
Sargent House, 29.6.2018

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No Trail Path One
No Trail Path Two
Ode To Betsy
Accepting
As Soon As Night
Cemetary Rain
Marry Us
Low Again Street

° ° °

 

 

in english:

You Can’t See Them In The Dark

Going by the fact that record labels usually follow a continuous style, host bands and artists, who often unite, bundle and publish music close to each other,

JAYE JAYLE

in the meantime grown into a quartet, fronted by Young Widows Frontman Evan Patterson, are in good hands at Sargent House amid illustrious company such as Chelsea Wolfe and Emma Ruth Rundle, with the latter also not so long ago they released a split EP.

With its creeping, sinister, dark tones, this whimsical drama fits quite well into the prevailing Dark-Goth-noisy-cemetery-ambience.

Add to that this smoking-alcohol-who knows what-prickled singing voice, which raspingly makes everything short and small, which does not immediately hide in any cracks.

It is best to wait patiently for a cool, unfriendly, if possible windy and rainy day, for a mood around freezing and a moment when you would like to write nasty emails or plans to bury your mortal enemy.

There comes this music, which is oppressively close and would have failed as a mood brightener in nine out of ten cases.

Not that only pure pessimism sounds out of the speakers, it is rather a description of states of mind in which one either wants to get drunk or likes to indulge in cloudy thoughts with an opaque blanket over one’s head.

Rather the music, in which one can imagine unsightly animals (naked mole? woodlice?) in intimate filth, involved in a certain suffering, a fight against the often obligatory happiness, a journey through a never-ending tunnel, a captivity in a dream, without hope of a quick awakening, on awakening sunrays.

There are no martial sounds at all, it seems more like a suppressed wish, which is largely denied the outbreak, a smouldering, slow, creeping part, sinister and full of darkness.

Grey, dark black shaded and cool, frightening, sinisterly increasing, mysterious and foggy on the surface.
A lake, the bottom of which is not recognizable, crossed by climbing plants and in the middle of which a shimmering pirate treasure is supposed to be hidden, for the salvage of which you of all people have been used.
You, who don’t even want to set foot in that brackish damp something.

Marry Us, with Emma Ruth Rundle mentioned above, could be something like a mood brightener, but it quickly becomes clear that this is not the case that a notch is made here, at the end of which the end simply approaches, unstoppable.

Here minimalist song structures are flattened, stretched, drawn, the instruments enslaved and renounced the good humour, here sacred, sometimes biting nights reign, here monsters dance and sell their souls at cost price.

A wondrous, oppressive work to reach for, to twist, to hold on to.

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