whitneyvi

Das geliehene Wohnmobil ruckelt, tuckert, macht schließlich noch ein paar blubbernde Geräusche, dann steht es still und Ruhe umgibt Dich.
Bald wird die Dunkelheit Dich umhüllen, eine weitere stickige Nacht, fernab der Zivilisation, das nächste Motel, ein Rastplatz – mehrere hundert Meilen entfernt, gefühlt eine Ewigkeit und ohne Benzin eh ein Ding der Unmöglichkeit.
Du hast es so gewollt, das Abenteuer, die Wildnis, das Alleinsein war einkalkuliert, nicht aber das Liegenbleiben in dieser Einöde. Zu blöd nur, dass der Reservekanister eben nicht gefüllt war.

Die Gedanken treiben herum, halten Dich wach. Alles geht. Everything.

° ° °

Eine Stimme, ebenso fernab der Zivilisation.
Ein Flüstern, ein Bitten – ein Flehen.
Komm, komm zu mir, bitte.

Bleib, bleib weg. Hau einfach ab, ich ertrage diese Lügen nicht.
Die Bilder, von Dir, von Dir mit ihr, wie Du sie fickst.
In meinen Träumen.

Und wenn ich schreie, schreie ich laut.
Ich leide. Nicht leise, noch nicht wieder.
Meine Gefühle streicheln die Wolken.
Keiner scheint sie zu hören, meine Rufe.
Hier, hier bin ich. Seht, seht her, nehmt mich wahr.

Fang mich auf. Du bist nicht da. Niemand ist bei mir.

whitneyba.jpg

(photo & allrights: WHITNEY BALLEN / FB)

° ° °
Was für Power, welch Energie!
Welch emotionale Grenzen hier angerissen und welch Wunden des Lebens, wie frische Narben, Brandmale hier präsentiert werden, das geht nahe.

Mit ihrem Debüt

You’re A Shooting Star, I’m A Sinking Ship

schafft es die junge Musikerin

WHITNEY BALLEN

auf Anhieb, mit jeder Zeile eine tiefergehende Bindung zwischen ihr, ihren Songs, Gefühlen und ihren Hörern zu schaffen.

Sie verpackt den Nebel, die Sonne, vor allem aber ihre Gefühle in andersweltliche Klanglandschaften, die oft ein wenig irr und häufig verwirrt zu sein scheinen, auf den ersten Blick. Erfahrungen, Erinnerungen, sich immer wieder aufdrängend.
Erst nach und nach lernt man die Fähigkeit der Künstlerin zu schätzen, dieses nicht immer leichte Leben in Worte zu fassen, in Klänge, Töne, die die intakte innere Wahrnehmung in Fetzen legen, die Emotionssaiten zum Bersten gespannt, reicht oft ein kleiner Ton, alles in einen Haufen Schutt und Asche zu verwandeln.

Mit ihrer Stimme, zart, kindlich, gejagt, geiserhaft, wie in innerer Ansprache, reisst sie an versteckten Gefühlen, offenbart eine Intimität, die Grenzen überschreitet.
Schwer zu vergessen.

Eine spezielle Stimmung, mit der man erst einmal zurecht kommen muss.

Dann aber, verstrickt und verheddert in emotionaler Wucht, genießt man die gemeinsame Zeit.

Und sei es einfach reglos und still.
Und leise.

Und im Traum nehme ich Deine Hand.

° ° °
97/100

WHITNEY BALLENYou’re A Shooting Star, I’m A Sinking Ship

Father/Daughter Records, 24.8.2018

whitneyco

Everything
Go
Fucking
Mountain
Rainier
Black Cloud
Nothing
Moon
The Kiss
You’re A Shooting Star, I’m A Sinking Ship

°°°

https://www.youtube-nocookie.com/embed/Ufin1bdGXsw?rel=0

// in english:

I Caress The Clouds

The rented motorhome jerks, chugs, finally makes a few bubbling noises, then it stands still and peace surrounds you.
Soon darkness will envelop you, another stuffy night, far away from civilization, the next motel, a rest area – several hundred miles away, feels an eternity and without gasoline anyway a thing of impossibility.
You wanted it that way, the adventure, the wilderness, being alone, but not staying in this wasteland. It’s just too bad the gasoline can was not filled.

Thoughts keep you awake. Everything goes. Everything.

° ° °

A voice, just as far away from civilization.
A whisper, a plea – a plea.
Come, come to me, please.

Stay, stay away. Just get out of here. I can’t stand these lies.
The pictures of you fucking her.
In my dreams.

And when I scream, I scream out loud.
I suffer. Not quietly, not again.
My feelings caress the clouds.
No one seems to hear them, my calls.
Here, here I am. Look, look, look, look at me.

Catch me. You’re not here. I’m not with anyone.

° ° °
What power, what energy!
What emotional limits are touched here and what wounds of life, how fresh scars and stigmas are presented here is obvious.

With her debut LP

You’re A Shining Star, I’m A Sinking Ship

the young musician

WHITNEY BALLEN

 creates a deeper bond between her, her songs,
her feelings
and her listeners with every line.

At first glance, she packs the fog, the sun, but above all her feelings into soundscapes of a different world, which often seem a little erroneous and often confused. Experiences, memories, imposing themselves again and again.
Only gradually one learns to appreciate the artist’s ability to put this not always easy life into words, into sounds, into tones that put the intact inner perception into shreds, stretched the emotional strings to burst, often a small tone is enough to transform everything into a pile of ashes and decay.

With her voice, tender, childlike, hunted, ghostly, as in inner speech, she tears at hidden feelings, reveals an intimacy that crosses borders.
It’s hard to forget.

A special atmosphere that you first have to cope with.

But then, entangled and entangled in emotional force, you enjoy the time together.

And be it just motionless and still.
And quietly.

And in dreams, I take your hand.

Ein Kommentar zu „Ich streichle die Wolken: WHITNEY BALLEN – You’re A Shooting Star, I’m A Sinking Ship

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