Atemlose Gedanken: LISA BREGNEAGER – Holy Flavor [review]

lisamichellegurevich

(phtoto & allrights: LISA BREGNEAGER / Michelle Gurevich / fb)

Ein atemnehmendes Album, schon beim ersten Hören lässt man lieber mal alles stehen und liegen und konzentriert sich auf die Stimme dieser dänischen Künstlerin.

LISA BREGNEAGER

wohnt in Ontario, Kanada und versteht sich als Vermittlerin zwischen den Genres.
Folk, Pop, Chanson.
Ihre fast laszive, meist zurückgenommene Art des Vortragens bleibt über die Dauer faszinierend und offenbart Gefühle in ihren Songs, die sie in trickreicher Singart präsentiert.
Hier eine gefangennehmende sanfte Melodie, dort ein leises zirpendes Begleiten, mehr braucht es nicht um unsere Aufmerksamkeit zu erregen.

Langsam, fast suchend wandert sie durch ihre Songs, so als fürchte sie sich, einmal zu fest zuzupacken, so als würden diese Liedwerke dann auseinanderfallen, in Hunderte kleiner Teile zerspringen, an denen man sich nur zu leicht verletzen könnte.
Dabei halten sie mehr aus als man zunächst vermuten könnte.

Was sich langsam heranschleicht, ist gleich im ersten Song ein dichtes Netz auswerfend, mit leidtragendem Bläsern und einer beseelten Intonation, reich im Klang, tieftraurig und voller Sehnsucht.

Im Ausdruck einer Beth Gibbons oder Marianne Faithfull-Hymne nicht unähnlich mit rückwärtsspulenden Drums folgt das ansonsten nur durch das Nachtlicht beschienene Losing It, in dem sie nicht nur sich selbst sondern auch ihr Gedächtnis verliert.
In dieses Zwielicht hinein spielen immer wieder klassische Gitarren, die dem Ganzen geschickte Wendung und erforderliches Tempo verleihen.

False Direction seelt sich heran, die gezupfte leise Gitarre als einzige Begleitung Lisas, dann ein sporadisches Piano, zum Refrain dann ein vorsichtig taxierendes Schlagzeug und das immer und immer wieder beschwören, dass Du schuld bist an der fälschlicherweise eingeschlagenen Richtung.

Immer wieder fallen mir trotz aller musikalischen Unterschiede Sade-Songs ein, die von der sich über den Hörern ausbreitenden Stimmung her ähnlich gelagert scheinen.
The Sound Of This dümpelt ein wenig uninspiriert vor sich hin.

Downtown hat ein verblüffend einfaches Bar-Ambiente, macht sich breit, bleibt aber insgesamt eher im hinteren Drittel kleben.

Erneut eine sprießende, keimende, unterschwellige Sehnsucht in Eyes Are Still Shy in dem mehr steckt als das einfache vor sich hin spielen, eine vertrackt wirkende Melodie, Hall legt sich über die Gitarre. Ein Chor. Fast kühl und abwartend scheint Lisa,
größer als zuvor.

Straight Into You mit männlicher Unterstützung verbindet ihre kühle Art des Vortrags mit der Beschwörung der Gemeinsamkeit. Gitarre, im Hintergrund gehalten, Fleetwood Mac und eins im Sinn.

Der wilde Hund zum Ende hat wieder Drive, bleibt aber ein Hund in der Einsamkeit, unheilvoller verzerrter Gitarrensound in einer klanglichen Landschaftsmalerei.

Ein sich langsam ausbreitendes, sich entfaltendes Album mit stillen, leisen Momenten, voller Gegensätze und ausgeprägter Anziehungskraft

° ° °

86/100

LISA BREGNEAGERHoly Flavor
(7.9.2018)

lisaco.jpg

 

Unless You Want Me To
Losing It
False Direction
The Sound Of This
Downtown
Eyes Are Still Shy
Straight into You
Wild Dog

° ° °

// in english:

Breathtaking thoughts

A breath-taking album, you’d rather leave everything standing and lying down right from the first listening and concentrate on the voice of this Danish artist.

LISA BREGNEAGER

lives in Ontario, Canada and sees herself as a mediator between the genres.
Folk, Pop, Chanson.
Her almost lascivious, mostly withdrawn way of performing remains fascinating over time and reveals feelings in her songs, which she presents in a tricky singing style.
Here a captivating soft melody, there a quiet chirping accompaniment, nothing more is needed to attract our attention.

Slowly, almost searching, she wanders through her songs, as if she were afraid to grab too tightly once, as if these songs would then fall apart, burst into hundreds of small pieces that could only injure one another too easily.
They endure more than one might initially suspect.

What slowly creeps up is a dense net throwing out right in the first song, with sorrowful wind instruments and a soulful intonation, rich in sound, deeply sad and full of longing.

In the expression with its backward rewinding drums not unlikele a Beth Gibbons or Marianne Faithfull hymn follows the otherwise only by the nightlight shining Losing It, in which she loses not only herself but also her memory.
Classical guitars play into this twilight again and again, giving the whole a skilful twist and the necessary tempo.

False Direction comes to mind, the plucked soft guitar as Lisa’s only accompaniment, then a sporadic piano, then a cautiously assessing drum kit to the chorus and that again and again conjure up that you are to blame for the wrongly chosen direction.

Again and again, despite all the musical differences, I think of Sade songs, which seem to be similar from the mood spreading over the listeners.

Downtown has an amazingly simple bar ambience, spreads out, but remains stuck in the back third.

Again a sprouting, germinating, subliminal longing in Eyes Are Still Shy where there is more than just the simple playing, a tricky melody, reverberation over the guitar. A choir. Almost cool and waiting Lisa seems,
bigger than before.

Straight Into You with male support combines her cool style of performance with the evocation of community. Guitar, held in the background, Fleetwood Mac and one in mind.

The Wild Dog at the end has drive again, but remains a dog in loneliness, ominous distorted guitar sound in a tonal landscape painting.

A slowly spreading, unfolding album with quiet, quiet moments, full of contrasts and distinctive appeal.

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