So much love inside: ANNE MALIN – Fog Area

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(photo & allrights: ANNE MALIN / Anne Malin Ringwalt / William Ellis Johnson / Maria Baranova)

° ° °

Es ist eine finstere, dunkle Nacht.
Eine verzerrte Stimme dringt, wie durch ein Megaphon oder ein veraltetes Telefon, sie spricht. Dann, Klarheit.
Willkommen in der
Fog Area,
so kommt, tretet ein.

Unheilvoll tönende Streicher bestimmen das Bild, ein unscharfes Gemälde, wir gehen langsamen Schrittes, bedächtig darauf zu. In uns tönt die Stimme von

ANNE MALIN

sie beschwört mehr als das sie singt, sie dirigiert mithilfe ihrer Stimme, als versuche sie, den großen Drachen zu bändigen oder zumindest zu beruhigen.

Es ist eine Herausforderung, den Klängen von Anne und William Ellis Johnson zu folgen, ohne sich voll und ganz darauf einzulassen. Hier wird zu keiner Sekunde eine Musik kreiert, die einfach mal nebenbei laufen kann. Hier wird die Aufmerksamkeit gesucht, durch den Einsatz von Stimme und sonderbar anmutenden Stimmungen, im orgelgetragenen Aubade beispielsweise, es kreisen die Instrumente in einem spannungsvollen Miteinander, wie die Wespe beim Grillfest um ein Glas Bier oder das frisch aufgetischte Steak. Man zögert zunächst, als erwarte man eine mitunter unschöne Überraschung, lässt sich dann aber darauf ein.

Brüchig und gleichsam fesselnd mit ummantelnden Störgeräuschen dringt die Künstlerin zu uns durch, nur leicht begleitet von gezupftem Saiteninstrument dann das verstörende Bend. Sie singt uns zwar von irgendwie strahlenden Augen und davon, dass sie keine Angst hat, so recht Glauben schenken wir ihr dennoch nicht.

Hymnische Beschwörungsgesänge hiernach in Song Of The Siren. Ein Feuer, eine Lichtung, dunkle Feen und Elfen queren den Blick, tanzen aufgeregt und dennoch geradezu geräuschlos, verrichten ihr Werk. Fesseln unseren Blick, unseren Körper, brav und bewegungslos harren wir aus und lassen geschehen.

Nenn es Freak-Folk oder Creep-Pop, versuch aber, Dir dafür Zeit zu nehmen.
Man spürt die Stille, die ruhigen Emotionen, man vermeint oft inmitten eines Songs eine Nadel fallen zu hören, dann bricht alles heraus, die Struktur kracht auseinander, es wird rauh und roh, es knistert und magnetisiert, wie eine unsichtbare Kraft drängen die Töne an uns heran, suchen nach Einlass, klopfen mal leise, mal lautstark an unser Tür, suchen sich den Spalt am Boden, nutzen das schmale Licht um sich hineinzuschmuggeln.

Man kommt nicht umhin, verstohlen zu blinzeln und wird am Ende dann doch zu Tränen gerührt, wenn sich All Will Be heranschleicht

Ein außergewöhnliches Album, das die Stille braucht,
ausreichend Geduld und ein offenes Ohr.
Und ja, natürlich wird sie unsere Köningin sein.

° ° °
94/100

ANNE MALINFog Area

annemaco

When Flesh Is Enough
In Waves
Aubade
Bend
Song Of The Siren
Move Us
Endless Road
Chance Creek
All Will Be

° ° °
in english:

It is a dark, dark night.
A distorted voice penetrates, like through a megaphone or an outdated phone, it speaks. Then, clarity.
Welcome to the
Fog Area,
so come, come in.

Sinisterly sounding strings define the picture, a blurred painting, we walk slowly, deliberately towards it.
In us the voice of

ANNE MALIN

she conjures up more than she sings, she conducts with her voice, as if trying to tame or at least calm the great dragon.

It’s a challenge to follow the sounds of Anne and William Ellis Johnson
without getting fully involved.
Here, no music is created for a single second that can simply be played on the side.
Here the attention is sought, through the use of voice and strange-looking moods, in the organ-borne Aubade for example, the instruments circle in an exciting togetherness, like the wasp at the barbecue around a glass of beer or the freshly served steak.
One hesitates at first, as if one were expecting a sometimes unpleasant surprise, but then lets oneself in for it.

Brittle and, so to speak, captivating with encased disturbing noises, the artist penetrates to us, only slightly accompanied by a plucked string instrument then the disturbing Bend. She sings us of somehow shining eyes and of the fact that she is not afraid, but we don’t really believe her.

Hymnic incantations after this in Song Of The Siren. A fire, a clearing, dark fairies and elves cross their eyes, dance excitedly and yet almost noiselessly, do their work. Tie up our gaze, our body, well-behaved and motionless we wait and let happen.

Call it Freak-Folk or Creep-Pop, but try to take your time for it.
You feel the silence, the calm emotions, you often think you hear a needle fall in the middle of a song, then everything breaks out, the structure crashes apart, it becomes rough and raw, it crackles and magnetizes, like an invisible force the tones push at us, search for entrance, sometimes quietly, sometimes loudly knock at our door, search for the gap on the ground, use the narrow light to smuggle in.

You can’t help but blink stealthily and end up being moved to tears
when All Will Be sneaks up on you.

An extraordinary album that needs silence,
enough patience and an open ear.
And yes, of course she will be our queen.

 

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