Das innere Licht: LAURA GIBSON – Goners [review]

lauragibsonba

(photo & allrights: LAURA GIBSON / hp)

° ° °

In einer kleinen Stadt, am Ende ihres ganz eigenen Universums, vielleicht auch irgendwo in unserer Mitte, in unseren Gedanken, lebte ein kleines Mädchen.
Und dieses Mädchen hatte Träume. Träume, die es mit niemandem teilen wollte.
Das Mädchen lebte auf einem Hof mit vielen Tieren, mit Enten, Schafen, Gänsen, Hühnern (es gab einen bösen Hahn und einen guten Hahn), mit zwei freilaufenden Katzen und mit drei Hunden, die sie über alles liebte und in ihr Herz geschlossen hatte.

Langsam ging ein langer Sommer zu Ende und die Träume des Mädchens wurden stärker, jede Nacht erlebte sie ein Abenteuer nach dem anderen. Manchmal, wenn der Wind durch die Ritzen am Fenster ihres Zimmers drängte, fühlte sie sich schlafend und wach zugleich.
Und manchmal hatte sie das Gefühl, sie könnte ihre Träume bestimmen.
Ihr Vater, eine der bestimmenden Persönlichkeiten ihres noch jungen Lebens, war vor kurzem gestorben. Mitunter sprach sie noch mit ihm und in ihren Träumen, und wenn sie vor dem Spiegel stand und sich betrachtete, ihre Augen ganz leicht zusammenkniff, dann hatte sie das Gefühl, er wäre bei ihr, strich langsam und sanft über ihr langes weiches Haar und flüsterte seinen Zuspruch in ihr Ohr.

Das Cover ihres neuen Albums entdeckte

LAURA GIBSON

online.
Es handelt sich um einen Beitrag zum Projekt Sit Silently
der lettischen Künstlerin und Fotografin Katrina Kepule, die ihr auf Nachfrage gern gestattete, ihr Foto als Album-Cover zu verwenden.
Es war sogleich eine Verbindung da zwischen ihr und der Atmosphäre, die dieses Bild wiederspiegelt. So hat sie sich während der Aufnahme ihrer neuen Songs gefühlt, erzählt sie.

Goners seemed an apt title because it speaks of both the future and the past. The word is used for two types of people: those who lose themselves in the ones they love, and those whose deaths are imminent.

Vielleicht ist es ihre dunkelste, seltsamste Platte. Sagt sie selbst. Sie ist über sich hinausgewachsen, hat öfter mal die Gitarre in der Ecke stehen lassen und sich stattdessen an Klavier und Wurlitzer versucht – mit großartigem, atemberaubendem Erfolg. Immer wieder im Laufe der an einem vorbeifliegendenden Songs auf
Goners
hält man am liebsten den Atem und die Zeit an, so unbeschreiblich schön sind ihre Melodien, ihre Instrumentationen, so einfühlsam schmiegt sich ihre Stimme in unser Ohr, es schwebt alles, greift ineinander, passt einfach – und überrascht doch immer wieder auf’s Neue. Seien es pumpende Bläser in Clemency, sei es der zunächst unscheinbare Beat in Tenderness, der sich von Streichern davontragen lässt, die wie am Meeresufer stehen, voranschreiten, sich zurücknehmen.

Mit Sicherheit jedenfalls ist dies eine der schönsten Überraschungen, die das Musikjahr 2018 bereithält. Ein Album, dass die Trauer bearbeitet, die Art und Weise, wie ein jeder unterschiedlich mit traumatischen Erfahrungen umgeht, was er bereit ist, zu offenbaren und die Art, wie diese außergewöhnlichen Gemütslagen mit anderen geteilt werden.
Ein Werk, dessen inneres Licht in der Lage ist, uns in Dunkelheit und Nebel zurecht finden zu lassen und uns ganz unmittelbar einlädt, uns in Gesellschaft dieser Lieder in ein Deckchen zu kuscheln und sie einfach zu geniessen.

° ° °
98/100

LAURA GIBSONGoners
City Slang, 26.10.2018
lauragibsonco

I Carry Water
Domestication
Slow Joke Grin
Goners
Performers
Clemency
Tenderness
Marjory
Thomas
I Don’t Want Your Voice To Move Me

° ° °

The Inner Light

In a small town, at the end of her very own universe, perhaps somewhere in our midst, in our thoughts, there lived a little girl.
And this girl had dreams. Dreams she didn’t want to share with anyone.
The girl lived on a farm with many animals, with ducks, sheep, geese, chickens (there was an evil cock and a good cock), with two free-range cats and with three dogs that she loved above all else and had taken to her heart.

Slowly a long summer came to an end and the girl’s dreams became stronger, every night she experienced one adventure after another. Sometimes, when the wind pushed through the cracks in the window of her room, she felt asleep and awake at the same time.
And sometimes she had the feeling that she could determine her dreams.
Her father, one of the most influencial personalities of her still young life, had died recently. Sometimes she still talked to him in her dreams, and when she stood in front of the mirror looking at herself, slightly pinching her eyes together, she felt he was with her, slowly and gently stroking her long soft hair and whispering his encouragement into her ear.

Laura unveiled the cover of her new album online.
It is a contribution to the Sit Silently projectthe Latvian artist and photographer
Katrina Kepule, who, upon request, gladly allowed her to use her photo as album cover.
There was immediately a connection between her and the atmosphere that this picture reflects. That’s how she felt during the recording of her new songs, she says.

„Goners seemed an apt title because it speaks of both the future and the past. The word is used for two types of people: those who lose themselves in the ones they love, and those whose deaths are imminent.“

Maybe it’s her darkest, strangest record. She has outgrown herself, has often left her guitar in the corner and instead tried her hand at piano and Wurlitzer – with great, breathtaking success.
Over and over in the course of the songs flying by on
Goners
one prefers to hold one’s breath and hold one’s time, her melodies are indescribably beautiful, her instrumentations, her voice nestles so sensitively into our ears, everything floats, grips into each other, just fits – and yet surprises us again and again.
Be it pumping wind instruments in Clemency, be it the at first inconspicuous beat in tenderness, which lets itself be carried away by strings that stand like on the seashore, progress, take a step back.

This is certainly one of the best surprises that the music year 2018 has to offer.
An album that deals with grief, the way everyone deals with traumatic experiences in different ways, what they are willing to reveal, and the way these extraordinary moods are shared with others.
A work whose inner light is able to find its way through darkness and fog and to cuddle us up in the company of these songs and simply enjoy them.

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