Wenn der Tag zu Ende geht: MICHELLE GUREVICH – Exciting Times [review]


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(photo & allrights: MICHELLE GUREVICH / Cem Gultepe / hp)

° ° °

Wow.
Atemlos.
Zufrieden, geschafft.
Beeindruckt.
Teilweise überwältigt.

Ein Album, das mehr will und je mehr man sich darauf einlässt, mehr gibt.
Zwischen intimem Chanson und grandios dargebotenem Voice-Soul, der die Seele streichelt.

MICHELLE GUREVICH

hat mit ihrem neuen Werk
Exciting Times
ein überwältigendes Album mit atemraubenden Songs fertiggestellt.

Zwischen Grace Jones, Nina Simone, Nicolette, Tanita Tikaram, Michelle Shocked und Leonard Cohen kommt die in Toronto geborene Tochter russischer Migranten in SlowCore-Manier und unterbreitet kühn ihr Anliegen. Ihr Schaffen wurde beeinflusst durch die Plattensammlung ihrer Eltern, ein Querschnitt sowjetischer und europäischer Musik der 70ger Jahre. Ihre erste Veröffentlichung, Party Girl aus dem Jahr 2007 hat sie in Eigenregie „im Schlafzimmer“ aufgenommen.

Exciting Times
sticht hervor, in seiner Andersartigkeit, seiner Besonderheit, seiner melancholischen Macht. Man taucht ein in eine Welt, die irgendwo weitab positioniert scheint, in der Ferne, in die man mit der Sängerin entschweben möchte, ihre Stimme ein Gurren im Ohr.
Ein Ziehen, Sehnen, Verlangen.

In Songs, die nach mehr verlangen und strotzen vor überraschenden Wendungen und einfühlsam gesetzten Worten, die erzählen von bewegenden Ereignissen, von der Kraft der Musik, die Bilder heraufbeschwören, die man nicht erinnert, die wohl aber vertraut scheinen, wie unbewusst gespeichert sind, in den Tiefen, dem Geist, dem Gefühl.

In eiskalte, östlich angehauchte Folklore mischt sich französischer Charme, eine undefinierbare, schwüle Baratmosphäre trifft auf verrauchte Hafenkneipe.
Wenn der pubertierende Sohn zur Tür hereinkommt vor der Begrüßung innehält und „La-La-La-La-La“ mitsingt muss diese Musik irgendetwas Verbindendes und Mitreißendes haben..

Sie ergreift unsere Seele, es ist ein Gesang der Herzen.
Ein sehnsuchtsvoller Moment der Hingabe dehnt sich, greift um sich, wie ein Leuchten zieht die Musik ihre Bahn, macht Dich zum Trabanten, ein Begleiter auf diesem Weg, der so einsam und lang und doch beschützt durch die Mächte der Kunst und des Gesangs zu sein scheint.
Wie ein Mondspaziergang durch ein Maisfeld, der Wind wiegt die schnittigen Blätter, rotblau der Abendhimmel, der Tag verneigt sich und sagt Ade, die Nacht tritt heran und mitsamt all ihrer Geheimnisse versninkst Du im Sog dieser Musik, die Dich an sich heranreisst und nicht mehr freigibt.
Man bleibt zurück, steht kurz allein.
Dann, wie traumwandelnd, folgt man diesen Tönen.

Ein tiefroter Wein hinreißendem Geschmacks, rund und gehaltvoll, schimmert im Glas des Kerzenscheins, die Dunkelheit umhüllt uns, wir verharren, innerlich bebend und hören Geschichten aus aufregenden Zeiten.

° ° °
98/100

MICHELLE GUREVICHExciting Times
9.11.2018

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Way You Write
Fatalist Love
Something Has Changed
Almost Shared A Lifetime
Exciting Times
Music Gets You Girls
Let’s Get Along
Wilderness Will Wait
Memories Of Three

in english:

When The Day Comes To An End

Wow.
Breathless.
Happy, done.
Impressed.
Partially overwhelmed.

An album that wants more and the more you get involved, the more you give.
Between intimate chanson and grandiosely presented voice soul that caresses the soul.

MICHELLE GUREVICH

has with her new work
Exciting Times
a stunning album of breathtaking songs.

Between Grace Jones, Nina Simone, Nicolette, Michelle Shocked, Tanita Tikaram and Leonard Cohen, the Toronto-born daughter of Russian migrants comes in Slow-Core style and boldly submits her request. Her work was influenced by her parents‘ record collection, a cross-section of Soviet and European music from the 70s. Her first release, Party Girl from 2007, was recorded „in the bedroom“ by herself.

Exciting Times
stands out in its otherness, its peculiarity, its melancholic power. One plunges into a world that seems to be positioned somewhere far away, in the distance into which one wants to float with the singer, her voice a coo in the ear.
A pull, a longing, a desire.

In songs that demand more and abound with surprising twists and sensitive words, that tell of moving events, of the power of music, that evoke images that you don’t remember, but that seem familiar, how unconsciously stored, in the depths, the mind, the feeling.

French charm mixes with ice-cold folklore with an eastern touch, an indefinable, sultry bar atmosphere meets a smoky harbour pub.
When the pubescent son comes in to the door before the greeting pauses and sings along „La-La-La-La“ – this music must have something connecting and enthralling.

It seizes our soul, it is a hymn of the heart.
A longing moment of devotion stretches out, spreads around, like a glow the music pulls its path, makes you a satellite, a companion on this path, which seems to be so lonely and long and yet protected by the powers of art and song.
Like a moon walk through a corn field, the wind swaying the racy leaves, the red-blue evening sky, the day bowing and saying goodbye, the night approaches and with all its secrets you sink into the maelstrom of this music that draws you closer and no longer releases you.
You stay behind, stand alone for a moment.
Then, as if dreamwalking, you follow these sounds.

A deep red wine of ravishing taste, round and full-bodied, shimmers in the glass of candlelight, darkness envelops us, we remain, inwardly trembling and hear stories from Exciting Times.

 

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