Ein Flüstern, ein Flügelschlag: JESSICA PRATT – Quiet Signs (review)

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Wie klingt langsam?
Wie leise kann leise sein?
Und was ist eigentlich Entschleunigung?

Kann man die Stille hören?

Sieben Jahre sind, relativ gesehen, eine lange Zeit.
Wenn man sich wie

JESSICA PRATT

einfach diese Zeit nimmt, um an seinen Songs herumzufeilen, sie auszuarbeiten, zu ergänzen, zu verfeinern und schließlich zu einem Ergebnis kommt, wie wir es mit
Quiet Signs
nun vorliegen haben, kann man einfach nur sagen: Das hat sich gelohnt.

Ihr drittes Album, das erste für ihr neues Label City Slang (USA: Mexican Summer) ist ein wahres Kleinod an stillen, leisen, berührenden Liedern.
Herzergreifend, ein sicher überstrapazierter Begriff, in diesem Fall aber außergewöhnlich passend. Im Zusammenspiel mit ihrem neuen Partner Matthew McDermott sind es Piano, Flöte, Orgel und sanfte Synthies die sie hier begleiten.
Diese Momente der Stille sind abenteuerlich, wunderbar, von transparenter Einfachheit und beeindruckender, fast naiver Schönheit. Mit leichter Feder gezeichnet, dabei inhaltsschwer und bedeutsam, in jedem Ton steckt Nähe, Intensität, Intimität, Liebe zum Detail und ein unsagbarer Hang zum harmonischen Wohlklang.

Könnte man den Schnee fallen hören, kämen sicher ähnliche Klänge dabei zum Vorschein wie die, die hier hervorstechendstes Merkmal sind:
Die Stimme, die Stille, das mehr.
Zart mit Hintergrundsflötentönen, gezupfter Gitarre und verspieltem Piano.

Man hört in manchen Momenten dieses Albums.. nichts. Einfach Stille.
Wenn ein das Stadtleben gewohnter Mensch urplötzlich der Ruhe der Natur ausgesetzt ist, kann er sich schon einmal einsam und auch ein wenig verloren fühlen.

Hier wird man in der Verlorenheit gefangen, aufgefangen durch die feinstilig arrangierten Songkomplexe, gefangen durch die einnehmenden Flüstertöne, die diesen Aufnahmen ein Gerüst geben. Wie durch einen Vorhang klingt es, einen melancholisch-altmodischen Schleier, ein leises Rauschen.

Folksongs on the radio.
Bestens geeignet, den Sommer herbei zu sehnen. Den Frühling zunächst, mit den ersten warmen Tagen, in denen alles erwacht und man trotzdem nichts lieber tut, als im Bett liegen zu bleiben und die Entspannung zu spüren, eine innere Ruhe über sich kommen zu lassen, das Drumherum auszublenden, mit Aufmerksamkeit hinein zu hören, in die Gedanken, die sich inmitten kleinster Nuancen von Schönheit und ruhiger Geborgenheit ihren Weg suchen.
Durch nichts stören lassen. Vergessen.
Egal sein lassen. Vertrauen.
Die Stille.

Ein sich strecken, ausbreiten, ein Atmen, ein Hauch.
Langsam hebt und senkt sich die Decke, versunken im Wohlsein.

° ° °

98/100

JESSICA PRATTQuiet Signs
City Slang, 8.2.2019

jessicaco

Opening Night
As The World Turns
Fare Thee Well
Here My Love
Poly Blue
This Time Around
Crossing
Silent Song
Aeroplane

live.
31.3. Köln – Artheater

1.4. Hamburg – Nochtspeicher
2.4. Berlin – Heimathafen

 

 

// in english

A whisper, a beat of a wing

How does it sound slow?
How quiet can be quiet?
And what is deceleration?

Can you hear the silence?

Seven years is, relatively speaking, a long time.
If you look like

JESSICA PRATT

just takes this time to work on his songs, to work them out, to add to them, to refine them and finally to come to a result like we did with
Quiet Signs
are now available, one can only say: It was worth it.

Their third album, the first for their new label City Slang (USA: Mexican Summer) is a real gem of quiet, quiet, touching songs.
Heart-rending, a certainly overused term, but in this case extraordinarily fitting. In interaction with their new partner Matthew McDermott they are accompanied by piano, flute, organ and soft synths.
These moments of silence are adventurous, wonderful, of transparent simplicity and impressive, almost naive beauty. Drawed with a light pen, yet with a heavy and meaningful content, each note contains closeness, intensity, intimacy, attention to detail and an unspeakable tendency towards harmonious harmony.

If you could hear the snow fall, you would surely hear sounds similar to those that are the most striking feature here:
The voice, the silence, the more.
Delicate with background flute tones, plucked guitar and playful piano.

In some moments of this album, you won’t hear anything… Simply silence.
When a person accustomed to city life is suddenly exposed to the peace of nature, he can feel lonely and a little lost.

Here everyone is caught in the loneliness, caught by the subtly arranged song complexes, caught by the captivating whispers that give these recordings a framework. It sounds as if through a curtain, a melancholic old-fashioned veil, a soft noise.

Folksongs on the radio. Perfectly suited to long for summer. Spring at first, with the first warm days in which everything awakens and you still prefer nothing more than to lie in bed and feel the relaxation, to let an inner peace come over you, to fade out the surroundings, to listen with attention into the thoughts that seek their way in the midst of the smallest nuances of beauty and calm security.
Let nothing disturb you. Forgotten.
Let it be no matter. Trust.
The silence.

A stretching, a spreading, a breathing, a breath.
Slowly the ceiling rises and lowers, absorbed in well-being.

 

 

 

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