Hug me (a little bit): ALICE PHOEBE LOU – Paper Castles (review)

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Dieses junge Ding, diese zierliche Person… strotzt vor Selbstvertrauen und innerer Größe.
Dem Anschein nach.

Antrainiert, offensichtilich.
Die Berliner Straßengöre (deren Weg unter anderem über Paris und Amsterdam in die deutsche Kreativ-Hauptstadt führte), die Straßensängerin, die öffentliche Musikantin, die gern mal provokant daherkommt (sei es durch offensiv geführte Interviews oder offenherzige Fotos, die sicher den ein oder anderen jungen Mann bei der Stange, Verzeihung… im Abo halten), aber eine ganz zarte Seele hat. Irgendwie ist ihre Haltung gekennzeichnet von Eigentständigkeit und Protest, sei es gegen die Kommerzialisierung (beispielsweise auch ihrer Musik, eine Einladung von Coldplay als Support-Act zu fungieren, muss man erst einmal bringen..), gegen Missbrauch (Frauen, Mystifiezierung des Körpers, generell), gegen Ungerechtigkeiten im Allgemeinen.

So wundert man sich nicht, dass die geborene Südafrikanerin, die seit Jahren in Berlin eine Art Ruhepol inmitten neues Zuhause gefunden hat, viele Dinge anders handhabt, als sie dem gängigen Trott entsprechen, dass sie ihre Musik noch selbst in der Hand hat und so den Begriff Independent dem Ursprungsgedanken wieder ein wenig nahebringt.

In all der hier verbreiteten Entspannung und Ruhe liegt eine unbestimmte Kraft, ein Gefühl der Rast- und Ruhelosigkeit, des sich bewegen müssens.
In ihrer Gesamtheit sind die Songs fast meditativ, eine positive Aura scheint über ihnen zu schweben. Dabei ist vielleicht zu vernachlässigen, dass sich über die Distanz gesehen einige (stimmungsmäßige) Wiederholungen einschleichen und ein aufmunterndes Schulterklopfen zwischendurch

Paper Castles

gut getan hätte.

Die unversteckte Niedlichkeit ihrer selbst und ihrer Stimme (Skin Crawl) wird gekonnt in Szene gesetzt, vermittelt eine Authenzität, die den Wunsch erweckt, irgendwie beschützend einzugreifen um ja nur nicht der harten, traurigen Realität entgegenblicke zu müssen.

Ein Widerspruch mit den bereits genannten Attributen der Stärke, des Protests und der Persönlichkeit, den die Künstlerin

ALICE PHOEBE LOU

hier einsetzt, der einfach unvermeidbar scheint. Ich bin mir noch nicht im Klaren darüber, ob dies ein gewolltes Stilmittel ist oder eine Begleiterscheinung dieser Selfmade-Karriere.

Paper Castles
verdient aufmerksame Zuhörer und belohnt mit verschlungenen kleinen Songs und Ideen, die so natürlich klingen, so speziell.. dass sie geradezu darauf warten, ein paar Mal geknuddelt zu werden.

° ° °

92/100

ALICE PHOEBE LOUPaper Castles
8.3.2019

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Little Spark
Nostalgia
Galaxies
Paper Castles
Fynbos
Something Holy
Skin Crawl
My Outside
New Song
Ocean

 

// in english:

This young thing, this graceful person… bursting with self-confidence and inner greatness.
Apparently.

Educated, obvious.
The Berlin street-girl (whose way led via Paris and Amsterdam to the German creative capital), the street-singer, the public musician, who likes to come along provocative (be it through offensive interviews or open-hearted photos, which surely show one or the other young man at the bar, pardon me… in the Abo hold), but a completely tender soul has. Somehow her attitude is characterized by independence and protest, be it against commercialization (for example also her music, an invitation from Coldplay to act as a support act, must be brought first…), against abuse (women, mystification of the body, in common), against injustices in general.

So one is not surprised that the born South African, who for years has found a kind of haven of peace in the middle of a new home in Berlin, handles many things differently than they correspond to the usual routine, that she still has her music in her hand and thus brings the term Independent a little closer to the original idea.

In all the relaxation and tranquillity that is common here, there is an indeterminate power, a feeling of tirelessness and restlessness, of having to move.
In their entirety the songs are almost meditative, a positive aura seems to float above them. It may be negligible that some (atmospheric) repetitions creep in over the distance and an encouraging pat on the back in between could have been helpful for the entire sound of these dreamful

Paper Castles.

The unhidden cuteness of herself and her voice (Skin Crawl) is skilfully staged, conveying an authenticity that awakens the desire to intervene in a protective manner in order not to have to face the hard, sad reality.

A contradiction with the already mentioned attributes of strength, protest and personality, which the artist

ALICE PHOEBE LOU

that just seems inevitable.
I’m not sure yet whether this is a deliberate stylistic device or a by-product of this self-made career.

Paper Castles
deserves attentive listeners and rewards them with intricate little songs and ideas that sound so natural, so special… that they’re just waiting to be cuddled a few times.

 

 

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