Verwundbar durchgeknallt: EMPATH – Active Listening : Night On Earth (review)

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(photo & allrights: EMPATH / Troy Memis)

° ° °

Nie gehört,

EMPATH?

Macht nichts.
Nun, in wenigen Minuten wisst Ihr es besser und auch, was Ihr bislang verpasst habt.

Stell Dir vor, Du möchtest Dir ein Blätterdach auf Dein kleines, aus Ästen im Wald gebautes Zelt gestalten. Du schichtest Ast um Ast, Ästchen auf Ästchen, legst die Blätter darauf, Blatt um Blatt, es wäschst, es sieht schön aus.
Und dann, unangekündigt, eine Windböe. Ein Orkan. Ein Regenguss sondergleichen.
Alles stürzt zusammen, weht in Sekunden fort und Du bist plitschnass.

Oder aber Du kaufst einen Becher Sahne. Nein, zwei Becher. Und, damit sich das Ganze nicht in Deinen Einkaufstaschen und Rucksäcken ergießt, packst Du sie in einen Leinenbeutel, zusammen mit einer Zucchini und einem Kopfsalat.
Schleppst alles nach oben, schwer bepackt, stellst alles ab, den Beutel auf den Tisch.. und schon tropft es, ein weißer Sahnefluss auf dem Platzset..
Wie, nur wie konnte das denn nun wieder passieren?

Oder der Windhauch, der die gerade in mühseliger Arbeit Unterlagen für die Steuererklärung „Schwupps!“ vom Schreibtisch weht.

Ein fast fertiges Puzzle, Dein kleiner Bruder stürmt heran, Du rufst noch, wage es nicht.. doch die stundenlange Mühe wird mit einem Wisch und einem verschmitzt hinterhältigen Grinsen zunichte gemacht.

Active Listening: Night On Earth
ist ein sprudelndes, überbordendes und über die Maßen unterhaltsam kurzweiliges Vergnügen, das in Worte zu fassen nur schwer gelingt. Ein sympathisches Chaos, das einen unvorbereitet trifft. Ein aufgeregt plärrendes Etwas, das sich Gehör verschafft, Aufmerksamkeit, um jeden Preis. Jetzt, sofort, gleich. Umgehend.

Wild, aufgewühlt, schräg, mitreißend, unmelodisch, quengelnd, positiv.

Catherine Elicson, Emily Shanahan, Randall Coon und Garrett Koloski machen Musik, für die sich andere die Haxen ausreißen würden. Nicht unbedingt in dieser Kombination, aber auf jeden Fall für das Ergebnis.

Pumpend drängende Bässe, ein druckvolles Schlagzeug, dann wieder verspielte Synthie-Einlagen, kurz, gehetzt, stakkatoartig. Über allem die Stimme von Catherine Elicson, die mal enthusiastisch kreischt, dann gehetzt um die Ecke schießt, die Dir im nächsten Moment sexy fordernd sanft und energisch in den Schritt greift.

Punkig kreischender Noise-Pop erwartet uns, voll auf die Zwölf, rückwärts, nochmal einen Hammer, draufschlagen und chaotisieren, daneben und bis die Latte kracht.
Psychotisch und manisch, lärmig und wirr, dabei aber einer klaren Linie folgend, die da heißt: Macht was ihr wollt, Hauptsache wir haben Spaß und fühlen uns gut dabei.

Das tun die Vier offensichtlich.

° ° °
93/100

EMPATHActive Listening: Night On Earth
Get Better Records, 3.5.2019

empathco
Soft Shape
Pure Intent
Hanging Out Of Cars
Roses That Cry
Rowing
Heaven
IV
Decor
Redeo Fever

° ° °

// in english:

Severely crazy

Never heard of it,

EMPATH?

Never mind.
Well, in a few minutes you’ll know better and what you’ve missed so far.

Imagine you want to make a canopy of leaves on your little tent made of branches in the forest. You layer branch by branch, little branch by little branch, put the leaves on it, leaf by leaf, it grows, it looks beautiful.
And then, unannounced, a gust of wind. A hurricane. An unparalleled downpour.
Everything collapses, blows away in seconds and you are soaking wet.

Or you buy a cup of cream. No, two cups. And so that the whole thing doesn’t pour into your shopping bags and backpacks, you put them in a linen bag, together with a zucchini and a lettuce.
Drag everything up to the kitchen, heavily packed, put everything down, put the bag on the table… and it drips, a white river of cream on the placemat…
How, but how could that happen again?

Or the breeze that is blowing the documents for the tax return „Schwupps!“ from the desk, which is just a painstaking job.

An almost finished puzzle, your little brother storms in, you still call, don’t dare… but the hours of trouble is destroyed with a wipe and a mischievously sneaky grin.

Active Listening: Night On Earth
is a bubbly, exuberant and entertainingly entertaining pleasure that is difficult to put into words. A sympathetic chaos that hits you unprepared. An excitedly whining something that makes itself heard, attention, at any price. Now, immediately, immediately. Immediately.

Wild, agitated, weird, rousing, melodic, whining, positive.

Catherine Elicson, Emily Shanahan, Randall Coon and Garrett Koloski make music for which others would pull out their knuckles. Not necessarily in this combination, but definitely for the result.

Pumping pushing basses, a powerful drumset, then again playful synthie interludes, short, rushed, staccato like. Above all the voice of Catherine Elicson, who screams enthusiastically at times, then shoots around the corner in a hurry, sexy demandingly gently and energetically grabs your crotch in the next moment.

Punkish screeching noise pop awaits us, full of the twelve, backwards, another hammer, hitting it and chaotically, beside it and until the bar crashes.
Psychotic and manic, noisy and confused, but following a clear line: Do what you want, as long as we have fun and feel good about it.

That’s what the four obviously do.

 

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