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(photo & allrights: HEXDEBT / Jamie Wdziekonski / fb)

° ° °

Die Tür geht auf, es quillt eine Wolke aus Drogen, Dunst, Alkohol, Zigarettenrauch und jede Menger Körperflüssigkeiten hervor, die Wucht überrollt Dich, Du schnappst nach Luft, versuchst, tief einzuatmen. Dies bringt aber keine Erleichterung sondern eine Welle von Übelkeit bahnt sich ihren weg, wenn es Dir nicht gelingt, umgehend Deinen Magen zu beruhigen.. Umgehend peitschen Schüsse, mehrere aufeinanderfolgend, ein Mann geht zu Boden, eine Frau schreit, schreit, wiegt ihr Neugeborenes fest an sich gepresst, auf, ab, auf und ab, ihr fettiges, strähniges Haar fällt in dicken Strähnen in ihr Gesicht, Blut an der Wand, auf dem Boden liegt ein Fellbündel, ein Welpe so scheint es, jammert, bewegt sich nicht. Wohin?
Wohin gehst Du, wohin schaust Du, lenkst den Blick zurück, jemand hat Dich in die Wohnung geschubst, ein heilloses Durcheinander, Du spürst die Angst, die sich in Deinen Kopf bohrt, Deinen Blick erstarren lässt, Dein Herz rast. Ein ohrenbetäubender Lärm kommt aus dem Nebenraum, Du wagst es nicht, Dich zu bewegen.

Boah.. was für eine geballte Ladung Energie.
Es bricht quasi aus jeder Note hervor.

Das Debüt des australischen/Melbourner Vierers

HEXDEBT

ist wieder so ein Album, dass hierzulande keinerlei bis kaum Aufmerksamkeit erhält.

Und die Frage ist, warum, warum, warum nur?

Die Songtitel: Knapp, prägnant, direkt.
Start-Ziel-Sieg.

Gitarren heulen, es kreischt aus allen Ecken, falls es so ist, dass Power-Smoothies Energie verleihen, diese Damen hier haben sicher literweise von diesem Zeug intus.
Hier wird nicht gefackelt, weder lang noch kurz. Hier geht es zur Sache. Und die ist trotz aller Ecken und Kanten einfach rund.

Schreit den Scheiß und Dreck einfach heraus, es wird schon alles wieder gut.
Vielleicht aber auch nicht, vielleicht wird es wie vieles im Leben einfach anders.
Macht aber nichts, nicht, wenn man einen solchen Begleiter hat.

Eine Musik, die auf langen nächtlichen Autofahrten sicher nicht dazu anstiftet, hinter einer stinkenden Karawane LKW herzufahren.
Ab auf die Überholspur, nächste Ausfahrt dann, nach rechts geschert, abgebremst, abgefahren.

Ein Album als Reaktion auf die Strukturen unserer Kommunikation, die sozialen Netzwerke, die musikalischen und politischen Machenschaften.
Ein Aufbegehren, ein Punk im Herzen und dabei unglaublich eingängig und mit Gefühl.
Das ist Musik, die man fühlt.
So richtig.

Hier steckt in jedem Song mehr Power als in manch anderem ganzen Album.
Riesig.

° ° °

99/100

HEXDEBTRule Of Four
Poison City Records, 26.4.2019

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Era
Loops
Gemini
Fossilise
Stakes
Covenant
Visions
Flux
Ekhos
Exodus

// in english:

Unleashed

The door opens, a cloud of drugs, haze, alcohol, cigarette smoke and and lots of bodily fluids emerges, the force rolls over you, you gasp for air, try to breathe deeply. But this doesn’t bring any relief, a wave of nausea will break away if you don’t manage to calm your stomach immediately… Immediately whip shots, several in a row, a man goes to the floor, a woman screams, screams, weighs her newborn firmly pressed to herself, up, down, up and down, her greasy, stringy hair falls in thick strands into her face, blood on the wall, on the floor lies a bundle of fur, a puppy so it seems, complains, does not move. Where to?
Where do you go, where do you look, look back, someone has pushed you into the apartment, a hopeless mess, you feel the fear that drills into your head, your gaze freezes, your heart races. A deafening noise comes from the next room, you don’t dare to move.

Boah… what a concentrated charge of energy.
It breaks out of almost every note.

The debut of the Australian/Melbourne quartet

HEXDEBT

is again such an album, that here in Germany and all over Europe no or hardly gets a great attention.

And the question is, why, why, why only?

The song titles: succinct, concise, direct.
Start-finish-victory.

Guitars howl, it screeches from all corners, if it is so that power smoothies give energy, these ladies here surely have literally intus of this stuff.
There’s no torching here, neither long nor short. Here it goes to the point. And despite all the corners and edges it’s just round.

Just scream out the shit and dirt, everything will be fine again.
Maybe it won’t, maybe it’ll just change like many things in life.
But it doesn’t matter, not if you have such a companion.

A music that certainly doesn’t incite you to drive behind a stinking caravan of trucks on long car journeys at night.
Off to the fast lane, next exit then, sheared to the right, slowed down, driven off.

An album as a reaction to the structures of our communication, the social networks, the musical and political machinations.
A rebellion, a punk in the heart and at the same time incredibly catchy and with feeling.
That’s music you feel.
So right.

There is more power in each song than in some other whole albums.
Huge.

 

 

4 Kommentare zu „Losgelassen: HEXDEBT – Rule Of Four (review)

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