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(photo & allrights: VIOLENT FEMMES / Sean Dore / PIAS)

° ° °
Ein Urgestein musiziert.
Das ist wie tanzende Dinosaurier.
Nein, J Mascis treten wir hiermit weder zu Nahe noch auf die Füße.
Der Mann mit der knöchern wirkenden Reibeisenstimme, der mit Blister In The Sun oder I Hear The Rain… in ferner Vergangenheit für Verzückung sorgte und auch heute noch in jeder (Indie-)Disko für freudig schwitzige Gesichtchen rotgesichtiger Jünglinge, die zur Zeit der Veröffentlichung des Songs gerade mal an rohen Karotten knabbern lernten, auf gut gefüllten Tanzflächen sorgt.
Gordon Gano hat mit seinen Langzeitspezeln aktiviert und mit Brian Ritchie und John Sparrow mit
Hotel Last Resort
einen neuen Langspieler eingespielt, der sich auf’s erste Hören ganz prima nebenbei eindudelt und zumindest nebenbei ganz gut zu unterhalten vermag.
Das ist schon viel wert, in Zeiten, in denen sich KollegInnen in maßloser Selbstüberschätzung und Selbstverhudelierung verzetteln statt sich durchaus vorhandener Kunstgriffe und mit nach Aufmerksamkeit schreienden Songs zu präsentieren.

2016 kam mit We Can Do Anything das erste Werk nach knapp fünfzehn Jahren Pause. Das war ein Comeback mit Hindernissen, die an sich selbst gestellten Erwartungen wurden zum spürbaren Druck der auf den Akteuren lastete.
Gewissermaßen haben sie also die Kurve noch einmal gekriegt.. wenngleich man anmerken muss, dass die Bemühung um Leichtigkeit vielen Songs anzumerken ist. I’m Nothing beispielsweise geht einem schon ein wenig auf den Zeiger und wenn Gano laaaaaaang die Wörter zieeeeeht.. macht es das Ganze nicht besser. Da sollte vielleicht das Original etwas aufgehübsth werden – vergessen dabei wurde aber die Schnoddrigkeit, die Radikalität und das Unschöne, zu glatt und zu passend.
Vielleicht eine Remineszens an dsas Alter der Akteure, wage ich einmal anzumerken, denn auch in Folge bleibt alles ganz witzig (überaus verzichtbar dann noch kurz vor Schluß Sleepin‘ At The Meetin‚) aber ohne den Dreck und die Unverfrorenheit, auch einmal neben der Spur zu sein – und zu bleiben und es nicht weg zu produziren.

Wenn aber schnuckelige Melodien auf Ironie trifft und sich selbst nicht ausschließlich ernst nimmt, kommen Songs heraus wie Adam Was A Man, die man durchaus öfter hören mag und einem die Lust daran nicht vergeht.

I could read something better in a book
I can break your heart with just one look

So sind hier einige kleine Perlchen verstreut (so bleibt das leicht jiddisch (?) angehauchte  I’m Not Gonna Cry) – ansonsten solide.
Muss ja nicht immer meisterlich sein.

° ° °
72/100

VIOLENT FEMMES – Last Resort Hotel
PIAS

ViolentFco.jpg

Another Chorus
I Get What I Want
I’m Nothing (feat. Stefan Janoski)
Adam Was A Man
Not Ok
Hotel Last Resort (feat. Tom Verlaine)
Everlasting You
It’s All Or Nothing
I’m Not Gonna Cry
This Free Ride
Paris To Sleep
Sleepin‘ At The Meetin‘
God Bless America

 

 

4 Kommentare zu „Willkommen und gute Unterhaltung: VIOLENT FEMMES – Hotel Last Resort (review)

  1. Hallo Jens, hört sich Deinen Worten nach nicht an, als müsste man es unbedingt neben den grandiosen Frühwerken im Regal stehen haben – oder irre ich mich da?
    Liebe Grüße,
    Gerhard

  2. Hallo Gerhard,
    nee, sicher nicht.. es ist nett, ja, aber eher so zum nebenbei Laufenlassen.. ein wenig belanglos, trotzdem haben sie den Sympathiebonus der Vergangenheit retten können. Zwei coole Songs, der Rest geht so..
    Liebe Grüße zurück,
    Jens

  3. Sympathiebonus haben sie auf alle Fälle, da müssten sie schon viel kaputt machen, um den zu verspielen… ;-))) Liebe Grüße, Gerhard

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