chelseaba

(photo & allrights: CHELSEA WOLFE / Sargent House / Bandcamp)

° ° °
So still, leise, haunting wie hier.. war

CHELSEA WOLFE

nur selten – und zuletzt: nie.
Fast eingängig möchte man meinen, trotz ihrer Rückbesinnung auf folkig-freakige Wurzeln bleibt natürlich die ihr anheftende, die undurchdringlich eindringliche Dunkelheit als vorherrschendes Merkmal der Grundstimmung zurück, zum Lächeln oder gar Lachen fehlt der charismatischen Königin der Dunkelheit entweder das passende Gen oder die Veranlassung.

Mit ihrem sechsten Album
Birth Of Violence
verändert sich zunächst einmal die Lautstärke.
Das Schreien (in) der Musik ist weg. Der Lärm ist fortgekehrt.
Meist nur mit Akustikgitarre oder Piano und Synthieeinwürfen, mit oft hintergründigem Schlagzeug versehen tauchen wir in ein abgründige Stille.
Und jeder, der ihre letzten Alben Spun Hiss und Abyss liebte, wird unter Umständen nicht nur verwundert, nein auch gewissermaßen latent verärgert sein.
Denn gurrende (Kreisch-)Laute, eine kreiselnd, sich steigernd-nervenaufreibende Doom-Atmosphäre, laute Rufe, mystisch-ritualisierte Anbetungen im oberen, gerade noch erträglichen Dezibelbereich sucht man hier vergeblich.
Es regiert die Einsamkeit, die zurückgezogene Trauer – und dies in ziemlich perfekter Umsetzung. Wie schon erwähnt, es herrscht die Stille.
Die jedoch, lasst Euch nicht täuschen, ein Hinterhalt ist.

Schon Deranged For Rock And Roll hat diesen persönlichen Sog, der einen hinein(gleiten) aber nicht mehr entkommen lässt.  Eine martialische Ruhehymne mit widerspensitigen Dornen überall, wohin das Ohr sich wendet.
Die Ruhe der Finsternis, die Höhle im finsteren Wald.

In Little Grave wird die Sehnsucht spürbar und eine umfassende Einsamkeit so übermächtig, es wird ein Schreien geflüstert, ein Sehnen vertont, ein Druck, ein Müssen. Wie ein Ziehen in den Eingeweiden scheint es (sich) nun hervorzupressen, man möchte es schnell hinter sich bringen, doch es ist verzerrt, wirkt gehemmt, es dauert, wie um die Qual zu geniessen, die Dauer der Unterträglichkeit auszukosten.
Sich hintergründig steigernd ein kleines Sägewerk an Gitarren, doch, die Finger bleiben blutleer und unbefleckt, das Es ist verborgen, wie gehüllt und überzogen in einer dichten Schicht Cellophan.

So haben wir hier einen nicht enden wollenden Schwebezustand, der den Weg der Künstlerin hin zur Findung ihrer selbst beschreibt, mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln umgesetzt. Eine Reise durch die Zeit, eine Reise zurück, irgendwohin. Vielleicht zum Ursprung des Lebens, zur Entstehung der Welt und der Verbindung zwischen Leben und Erde, wer weiß das schon genau.
Wir werfen mit

CHELSEA WOLFE

einen mystischen, fast esoterischen Blick auf das alles, auf das unsagbare, unbeschreibliche Ganze, ziehen unsere Schlüsse daraus und stehen doch (allein) vor einem Rätsel.

° ° °

92/100

CHELSEA WOLFEBirth Of Violence – Bandcamp-Link
Sargent House, 13.9.2019

chelseaco.jpg

The Mother Road
American Darkness
Birth Of Violence
Deranged For Rock And Roll
Be All Things
Erde
When Anger Turns To Honey
Dirt Universe
Little Grave
Preface To A Dream Play
Highway
The Storm

// in english:

 

The silence of darkness

As quiet, silent, haunting as here… was

CHELSEA WOLFE

only rarely – and lately: never.
One might think almost catchy that despite her return to folky-freaky roots, the darkness that pinned to her, the impenetrably penetrating darkness, naturally remains as the predominant characteristic of the basic mood. The charismatic queen of darkness lacks either the right gene or the cause to smile or even laugh.

With her sixth album
Birth Of Violence
the volume changes first of all.
The screaming (in)/of the music is gone. The noise is gone.
Usually only with acoustic guitar or piano and synth interjections, often with background drums, we dive into an abysmal silence.
And everyone who loved their last albums Spun Hiss and Abyss may not only be astonished, but also latently angry.
For cooing (screeching) sounds, a spinning, increasing nerve-racking Doom atmosphere, loud shouts, mystically ritualized worship in the upper, barely bearable decibel range are sought here in vain.
Loneliness reigns, withdrawn grief – and this in a rather perfect realization. As already mentioned, silence reigns.
Which, however, don’t be fooled, is an ambush.

Deranged For Rock And Roll already has this personal pull, which doesn’t let you escape. A martial hymn of calm with unruly thorns everywhere where the ear turns.
The silence of darkness, the cave in the dark forest.

In Little Grave the longing becomes palpable and a comprehensive loneliness so overwhelming, a cry is whispered, a longing set to music, a pressure, a must. Like a pulling in the intestines, it now seems to press (itself) out, one wants to get it over quickly, but it is distorted, seems inhibited, it takes, as if to enjoy the agony, to savour the duration of the intolerability.
A small sawmill on guitars, but, mysteriously increasing, the fingers remain bloodless and immaculate, the It is hidden, as if wrapped and covered in a dense layer of cellophane.

So here we have implemented a never-ending state of suspension, which describes the artist’s path towards finding herself, with simple but effective means. A journey through time, a journey back, somewhere. Perhaps to the origin of life, to the emergence of the world and the connection between life and earth, who knows exactly.
We throw with

CHELSEA WOLFE

a mystical, almost esoteric view of everything, of the unspeakable, indescribable whole, draw our conclusions from it and yet stand (alone) before the mystical unknown.

 

 

3 Kommentare zu „Die Ruhe der Finsternis: CHELSEA WOLFE – Birth Of Violence (review)

  1. Sehr entschleunigend. Anders als in der Vergangenheit. Ich brauche wahrscheinlich noch ein, zwei Durchläufe, um das neue Album ausreichend würdigen zu können.

  2. Ja, ich bin auch angetan aber ebenso ein wenig hin- und hergerissen.. Ich habe es jetzt in den letzten Tagen mehrfach durchgehört und es wird mit jedem Hören besser..
    Liebe Grüße
    Jens

  3. Dass das neue Album wieder zugänglicher ist als die beiden davor finde ich natürlich prima. Ich mag zwar düstere Klänge, aber extrem anstrengend sollte es dann auch wieder nicht sein. 😉 Total umgehauen hat mich das neue Album jetzt zwar noch nicht, aber das kann sich ja bei weiteren Durchläufen noch ändern.

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